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6. September 2019

Nach der Arbeit geht’s los. Km Stand 207070 auf dem Tacho des Womos. 18:03 Uhr war dann letztlich die Abfahrt. Es ging auf der Autobahn gut voran. Irgendwann um 22 Uhr ….

…. überkam mich aber die Müdigkeit und ich hab einen Platz für die Nacht gesucht. In gut einer Stunde Entfernung, direkt hinter Braunschweig habe ich einen solchen Platz direkt neben der Autobahn gefunden. Ich nenne das ‚Transitplatz‘ weil der Platz nichts bieten muss ausser der Möglichkeit ruhig zu übernachten.

Inhaltsverzeichnis

7. September 2019

Wir sind von unserem Transitplatz gegen 10 Uhr weiter gefahren. Immer richtung Berlin und weiter nach Stettin. Unser erster anlaufpunkt in Polen sollte ursprünglich der Fluss ‚drawa‘ sein. Doch wie so oft, kommt es anders. Da die Route über Stettin führte, haben wir noch ein altes schiffswrack angesteuert was dort am Seeufer liegt. Zunächst haben wir allerdings einen nahen Strand angesteuert um uns auszuruhen und zu Mittag zu essen. Wir hatten zu dem Zeitpunkt bereits 16 Uhr.

Nach dem Essen haben wir beschlossen weiter zum Fluss ‚Drawa‘ zu fahren. Auf dem Weg dorthin wollten wir uns dann noch schnell das eben erwähnte Wrack ansehen. Die Zufahrt durch einen Feldweg endete vor einem Zaun. Privatgrundstücke betreten wir natürlich nicht einfach. So haben wir das womo daneben abgestellt und sind zu fuss weiter. Aber auch der Weg endete irgendwann an einem bestellten Feld. Auch darüber laufen wir natürlich nicht. Das Wrack war bereits in Sichtweite. Also die Drohne rausgeholt und hoch damit. Leichter Nieselregen drängte dazu das ich mich beeilte mit den Fotos und Videos. 

Dann ging es zurück zum Womo. Wir wollten weiterfahren zur ‚Drawa‘ und hatten gerade den Motor an, da kam der Besitzer des Anwesens angefahren. Machte sein Tor auf und kam auf uns zugelaufen. Es war ein nettes Gespräch, sehr freundlich. Er erzählte uns das es auf unserem Weg einen Ort namens ‚Insko‘ gibt der an einem tollen See liegt und den wir unbedingt gesehen haben müssen. Sein Englisch war genauso gut wie unseres und so lief die Verständigung einigermaßen gut.

Wir haben uns freundlich verabschiedet und ich hab ihm noch meine Karte gegeben mit dem Hinweis auf meine Reiseberichte. Auf dem Weg zur ‚Drawa‘ haben wir mal den Wetterbericht gecheckt. Nicht gut leider, denn er sagt bis einschließlich Montag Regen voraus. Wir sind zwar ausgerüstet, aber wenn wir es vermeiden können, dann wollen wir nicht unbedingt im Regen paddeln. Also haben wir kurz beraten und dann den Tipp von ‚Rob‘ angesteuert. Insko präsentiert sich als eine typische Ostblock Kleinstadt. Aber einladend und nicht runtergekommen.

Wir haben einen Platz mitten in der Stadt angesteuert für die Nacht. Dort gibt es direkt hinter der Schule einen Aussichtsturm. Erstaunlicherweise hatte der sogar noch offen. Um 1930 ist es ja schon so dunkel das man sich vermeintlich in der Nacht wähnt. Wir haben also den Turm bestiegen und in der späten Dämmerung noch den Blick über die wirklich schöne Landschaft schweifen lassen. Schnell noch ein Selfie und wieder runter. Wir waren kaputt von der langen Fahrt und wollten unsere Ruhe. Nach kurzer Überlegung war dieser Ort dafür nicht geeignet. Also kurz google maps angeschmissen und nach einem geeigneten Platz gesucht. Am Ortsrand haben wir einen schönen großen Platz gefunden wo wir niemanden stören und uns sicherlich auch niemand stört.

Jetzt noch abspülen und mit ein paar Bierchen den Abend ausklingen lassen. Das Wetter lässt leider noch kein richtiges Urlaubsfeeling aufkommen. Da die Prognose wie erwähnt nicht gut ist, werden wir die ‚Drawa‘ wohl vorerst links liegen lassen und uns morgen nach einer gemütlichen Besichtigung von ‚Insko‘ auf den Weg in Richtung Danzig machen. Für das paddeln Warten wir jetzt einfach bis das Wetter besser wird. Ab Dienstag oder Mittwoch soll es sonnig und warm werden. Bestes paddelwetter also.

8. September 2019

Der Morgen auf dem großen Platz am Rand von Insko war diesig aber ok. Wir haben ihn sehr gemütlich angehen lassen. Unter anderem haben wir den neuen Omnia eingeweiht. Mit frisch aufgebackenen Körnerbrötchen. Gegen halb elf haben wir nochmal den Wetterbericht gecheckt. Der war besser als gestern und wir haben, mal wieder spontan, die Pläne angepasst. Es sollte doch die Drawa entlang gehen. Im Nieselregen aber das war ok. Wir sind dann zu einem von mir vorab rausgesuchten Platz gefahren. Auf dem Weg dahin sind wir durch den Ort ‚konotop‘ gefahren. Ein kleiner, aber sehr stylischer Ort. Hier hat sich ein Künstler, sicherlich ein Bildhauer, so richtig ausgetobt. Sogar das wartehäuschen der Bushaltestelle ist liebevoll gestaltet wie ein schönes Gartenhaus.

Von dort ging es weiter zum anvisierten Parkplatz. Der liegt aber, genau wie dieser Teil der mehr als 100km langen drawa, in militärischem Sperrgebiet. Nur die Straße darf benutzt werden. Keine Wanderwege und auf keinen Fall paddeln. Schade. Die Recherche dazu hat etwas länger gedauert. Aber dank der polnischen SIM-Karte im Router im Womo war auch hier, weit entfernt von der Zivilisation die Internet Anbindung super.

Wir haben uns dann dazu entschieden woanders an die Drawa zu fahren und sind schon auf dem Weg dahin von der Schönheit des Flusses überwältigt worden als wir eine Brücke queren mussten. Hier ging es zufällig auch zu einem kleinen Camp was wohl für wasserwanderer im Sommer gedacht ist. Auf jeden Fall gepflegt und dank des Wetters und natürlich auch weil wir außerhalb der Saison sind, ist hier weit und breit niemand. Nach einem kurzen Beratungsgespräch haben wir uns entschieden hier zu bleiben und das Boot ins Wasser zu lassen.

Schon auf den ersten Metern sind umgefallen Bäume im Fluss. Wir wollen uns dieser Herausforderung stellen Und machen alles fertig. Als wir dann einsteigen wollen, rutscht Alex erstmal am Ufer aus und kann sich nur mit Mühe fangen damit sie nicht komplett ins Wasser fällt. Eine nasse Hose und nasse Schuhe bleiben aber nicht aus. Egal… Krone richten und weiter gehts.

Im Boot kam direkt der erste Baum. Wir haben schnell gelernt wie klein wir uns im Boot machen können. Alex geht vor ihrem Sitz in die hocke und ist kaum höher als das Boot und ich lege mich in bester matrix manier lang nach hinten. Das funktioniert so gut das wir sehr viel Mut fassen auch engste stellen zu überwinden. Wir paddeln so gute 1,5 Std durch ein naturparadies was sicherlich auch im Sommer nicht überlaufen ist. Letztlich hält uns dann ein Baum auf den wir nicht umtragen können und der so dick Im wasser liegt das Einfach kein weg dran vorbei oder darüber führt.

Da wir beide langsam Hunger bekommen, beschließen wir nun die Strömung zu nutzen um schön schnell zurück zu womo zu kommen. Aber Pustekuchen… Die Strömung macht es nicht einfacher, eher schwerer das Boot zu steuern. Es wird wesentlich anspruchsvoller um die vielen, teilweise spitzen, Hindernisse herumzusteuern. Sicherlich körperlich wesentlich weniger anstrengend aber geistig muss man die ganze Zeit hellwach sein. Flussaufwärts ist das andersrum. Eine interessante und für uns völlig neue Erfahrung.

Aber es hat Spaß gemacht. Das Abendessen wollte nun gekocht werden und sollte in unsere hungrigen Bäuche wandern. Wir haben die Hütten hier umfunktioniert zu einer Boot-Trocknung-Station. Dass das wegen der sehr hohen Luftfeuchtigkeit nach hinten losgehen sollte, merkte ich erst später und machte meine Witze über Alex´ Hinweis auf die Luftfeuchtigkeit.

Wir haben gemütlich mit Blick auf den Fluss gegessen und es uns einfach gut gehen lassen. Das Boot wollten wir dann später verstauen. Die schlaue Idee es dann doch schon auseinander zu bauen um die Einzelteile einzeln zu trocknen und nicht mehr draußen im Nieselregen auseinanderbauen zu müssen, war gut. Nur leider hätte einem da schon auffallen müssen dass das Boot nicht trocknet sondern nasser wird.

Als wir dann einpacken wollten blieb uns nichts anderes übrig als das Boot und alle Teile mit Handtüchern ordentlich zu trocknen. Den Rest sollte die trockene Luft im womo richten denke ich. Im Moment ruht das boot so im Fahrerhaus des Womo. Morgen wird es dann wieder verstaut und es geht weiter. Wohin…. Mal sehen. Danzig steht auf dem Programm, aber das tat es gestern auch schon. Und die Wetterprognose sagt mittlerweile starken Regen und Gewitter voraus. Eine Stadt wie Danzig bei sehr schlechtem Wetter angucken…. Muss auch nicht unbedingt sein.

9. September 2019

Aufgewacht nach einer sehr ruhigen Nacht in schönster Natur haben wir beschlossen den Morgen so richtig ruhig anzugehen. Frische Brötchen aus dem Omnia, frischer Kaffee und 2 Std rumlümmeln. Dabei festigte sich der Plan zunächst nach Leba zu fahren. An den weißen Strand der Ostsee.

240km polnischer Landstraßen lagen vor uns, denn Autobahnen gibt’s hier noch nicht. Allerdings scheint sich eine im Bau zu befinden. Das nützt uns aber nichts für diesen Trip. Auf dem Weg dahin haben wir noch einen Abstecher zu einem Strand gemacht der zwar auch an der Ostsee liegt, aber weder schön war noch konnte man hier mit dem womo parken. Also haben wir den schnell wieder hinter uns gelassen und sich weiter nach Leba.

Dort stellte sich der anvisierte Platz als durchaus passabel raus, allerdings ein einfacher Parkplatz und es standen noch andere Womos dort. Na gut, für die eine Nacht stört uns das nicht. Wir haben uns einen Platz etwas abseits gesucht und haben erstmal Essen gemacht. Was wir nicht gemerkt haben war, daß wir direkt neben einer Gedenkstätten standen und so sind alleine während wir gegessen haben 3 Touristengruppen bei uns stehen geblieben und haben beim Essen zugesehen. Nicht schön und ein NoGo.

Ich wollte eh mal gucken ob es nicht noch schönere Plätze gibt, wir bräuchten auch endlich polnisches Geld, denn irgendwann würde Kartenzahlung mal nicht mehr gehen. Also sind wir nochmal los. Da dieser Ort sehr touristisch ist, ist hier natürlich nix mit einsamen Plätzen. Beim Geld holen hab ich auch noch nen Fehler gemacht der mich einige Euro gekostet haben dürfte.

Aber egal, wir sind zurück zum Platz am Strand, haben aber einen anderen Parkplatz gewählt und hatten für den Abend unsere Ruhe. Das Wetter wurde auch besser so das wir einige Zeit noch draußen sitzen konnten. In der Nacht hat es mal kurz richtig stark geregnet was aber im Womo nur Gemütlichkeit erzeugt. Für die nächsten Tage darf es aber dann gerne wieder ne bessere Aussicht sein als ein Hässlicher betonierter Parkplatz.

10. September 2019

Der Morgen war leicht sonnig und wir haben gut geschlafen. Kurzentschlossen haben wir uns direkt angezogen, Kaffee in die Thermoskanne und erstmal ans Wasser. Frühstück an der Ostsee am Strand. Sehr gut. Besser wäre nur noch gewesen mit dem Womo alleine auf dem Strand zu stehen und auch aufzuwachen. Achja und eine Ostsee mit 20 Grad Wassertemperatur wäre auch noch cool gewesen.  Aber man kann ja nicht alles haben. Es war superschön und wir haben den Morgen wirklich ausgiebig genossen.

Gegen Mittag ging es dann weiter. Es hatte sich zwischenzeitlich eingerechnet und so wurde uns der Abschied leicht gemacht. Wir mussten zum ersten Mal auf dieser Reise zur neige gehende Vorräte wieder auffüllen und so haben wir uns für einen naheliegenden Kaufland entschieden. Die Einkaufstour für 50€ war ergiebig und alles war wieder voll. Ab sofort gibt es polnisches Bier in Form von Tyskie Dosen.

Von dort aus ging es ’nur‘ 105km nach Danzig. Die allerdings brauchen ohne Autobahn, auf polnischen Straßen und dann noch mit einem Womo… 2,5std.

Unser geplanter Standplatz in Danzig war direkt ein Volltreffer. Nachdem wir uns durch den sehr dichten Verkehr hier gequetscht haben hatten wir in diesem alten Hafen eine ruhige Ecke gefunden. Kein Naturparadies aber ruhig und es gibt definitiv schlechtere Orte. 

Es war zwar noch früh, regnete aber unablässig und war sehr windig. Wir hatten eh keine Lust bei dem Wetter das Womo zu verlassen, also haben wir einfach direkt mal den Abend eingeläutet. Um 16 Uhr.

11. September 2019

Schon wieder ein gemütlicher Morgen. Der begann allerdings sehr früh mit einem grandiosen Sonnenaufgang im Hafen. Dann gab’s Brötchen aus dem Omnia, Spiegelei und Kaffee. Super. Roller abladen, kurz die Pläne durchgehen und dann ab dafür. Der Roller hat sich frisch nach der Reparatur perfekt geschlagen.

Zunächst haben wir das Denkmal der ermordeten Werftarbeiter angesteuert. Das wurde als erstes denkmal für kommunistische Gewalt in einem damals noch kommunistischen Land errichtet. 1980 war es soweit und das Denkmal ist wirklich ziemlich monumental. Von dort aus haben wir noch einen Abstecher zu den Docks gemacht um die alte und massive Industriekultur zu sehen. Ich liebe sowas einfach. Hier waren und sind die Kräne einfach sehr beeindruckend.

Dann endlich ab in die ‚Rechtstadt‘, die wirkliche Altstadt von Danzig. Zunächst überhaupt nicht beeindruckend oder besonders, offenbart sich die Schönheit dieser Stadt sehr schnell, wenn man nur genauer hinsieht. Hauswände sind aufwendig und kunstvoll bemalt, verziert oder gestaltet. Spätestens wenn man an einem der Stadttore ankommen ist man im Massentourismus angekommen. Aber das ist es hier absolut wert. Eine sehr gepflegte und gut erhaltene Stadt. Wunderschöne Häuser und wirklich nette und freundliche Menschen überall.

Die Marienkirche, immerhin die größte Backstein Kirche der Welt, mussten wir natürlich auch sehen. Positiv ist, daß es schonmal keinen Eintritt kostet und im Gegensatz zu den anderen ‚Gotteshäusern‘ die ich so kenne, auch keine Kleidervorschriften gibt. Von innen ist die Kirche sehr schlicht, vor allem Im Gegensatz zu dem was man normalerweise von katholischen Kirchen gewohnt ist. Den Turm der Kirche kann man besteigen. Gegen einen Beitrag von 10 zloty p.P. kann man sich die 403 Stufen nach oben quälen. Und ja, es ist Qual. Die ersten 150 Stufen sind eine Rundtreppe die so eng ist das ich mich unweigerlich fragen musste was passiert wenn da oben mal jemand gerettet werden muss. Ich kann nur quer gehen. Meine Schultern sind zu breit. 

Oben wird es luftiger, aber nach 250 stufen brauchten wir beide eine kurze Pause. Dann aber ging es bis ganz oben und entgegen meiner Befürchtungen und der Aussicht durch den ganzen Turm bis nach unten, machte mir meine Höhenangst keinen Strich durch die Rechnung. Sehr gut, mein Kampf dagegen trägt also Früchte.

Der Ausblick von da oben ist super. Danzig ist hier wirklich wunderschön. Der Abstieg ist wesentlich leichter als der Aufstieg, aber trotzdem schmerzen hinterher die Knie. Insbesondere weil die letzten 150 Stufen wieder als Wendeltreppe ausgeführt sind und noch enger als die 150 Stufen nach oben am Anfang. Meine Füße passen quer gerade so noch auf eine Stufe. Wirklich kein Spaß mehr, aber das war es wert.

Das alles hat uns einige Stunden in den Bann gezogen. Es wurde Zeit für Essen. Selbstverständlich sollte es Piroggen geben. Wir sind schließlich in Polen. Das die so Lecker sind und in so großer Auswahl verfügbar, das hätte ich nicht gedacht. Alex hatte im Vorfeld ein gemütliches Bistro rausgesucht und es hielt was versprochen wurde. Eine 5* Bewertung bei Google hab ich noch am Tisch geschrieben.

Durch ein bischen Recherche und natürlich Geschichtswissen sind wir drauf gekommen das es hier ein Denkmal für den Überfall der deutschen auf Polen im Jahr 1939 gibt. Die ‚Westerplatte‘ ist eine natürliche Halbinsel die in die Danziger Bucht reinragt. Hier hat faktisch der 2. Weltkrieg begonnen als die Deutschen die Munitionslager der Polen bombardierten. Heute steht hier ein riesiges Monument was uns ermahnt es niemals wieder soweit kommen zu lassen.

Zunächst wollten wir von der Westerplatte noch zum Nowy Leuchtturm, haben uns den Weg aus Erschöpfungsgründen gespart. Am Womo haben wir noch die letzten 2 Stunden Sonne genossen und dann irgendwann nach Sonnenuntergang, einem tollen Tag mit grandiosen Aussichten und tollem Wetter, das gemütliche Leben nach drinnen verlagert.

12. September 2019

Urlaub ist was herrliches, vor allem wenn man nicht unter Zeitdruck steht weil man einfach mal keine konkreten Pläne hat. Unser Plan für heute sah vor auszuschlafen, nach Frombork zu fahren um uns das Kopernikus Museum anzusehen und dann zu den Schiffsrutschen von Elblag zu fahren.

Die Fahrt nach Frombork gestaltete sich sehr angenehm von Danzig aus. Die ersten 70km waren eine neue Autobahn und eine neue Landstraße. Die letzten 14km allerdings waren eine alte Landstraße und eine 6km lange Ölspur zeigte eindrucksvoll das man hier auch besser angepasst fährt. Die Straße war so kaputt und uneben, in Deutschland wäre sie sogar für Fußgänger gesperrt.

Überlebt haben wir es trotzdem und sind heile angekommen. Das Museum kostet 8 Sloty Eintritt p.P., also etwas weniger als 2€. Das ist es allemal wert und wir bekommen auf 3 Stockwerken die allesamt von gelangweiltem Personal live überwacht werden, tolle Kunstwerke und Sammlerstücke rund um Kopernikus und sein Schaffen zu sehen. Allerdings beschränkt sich die Sammlung komischerweise nicht auf Kopernikus und es wird auch noch Frombork, Martin Luther und vieles andere thematisiert. Teilweise nur auf polnisch, teilweise 4 Sprachig und teilweise nur auf deutsch. Sehenswert aber kurios.

Wir brauchen so langsam mal neues Wasser, der Tank nähert sich der Hälfte so das wir uns stressfrei auf die Suche nach Trinkwasser machen. Die erste Anlaufstelle war nix, die zweite mussten wir aber gar nicht anfahren weil wir bereits auf dem Weg an einem kleinen Friedhof eine Wasserquelle gefunden haben. Leider war der Schlauch nicht lang genug und ich wollte mit dem womo nicht auf den friedhof fahren, so das wir doch mit dem Kanister füllen mussten, was aber gut ging. 80l Wasser gingen in den Tank, weitere 20 haben wir jetzt in Form des vollen Kanisters dabei.

Dann ging es zuruck, denn ja, die Strecke von Danzig nach Frombork führt an Elblag vorbei, nach Elblag. Der Elblagkanal überwindet mit 5 Schiffsrutschen 100 Höhenmeter. Die Technik dahinter ist mehr als 100 Jahre alt. Gebaut für den Frachtverkehr wurde das irgendwann überflüssig dank Lkw und Eisenbahn. Seit dem dient es nur noch dem Tourismus.

Man kann sich die ganze alte Technik auch live in den Betriebshäusern angucken die zu jeder Station gehören. Spätestens wenn sich das riesige Schaufelrad in Bewegung setzt, ausschließlich angetrieben durch Wasserkraft, wird es so richtig beeindruckend. Die Kraft lässt das ganze Gebäude zittern und der Lärm ist ohrenbetäubend.

Nachdem wir ein Schiff hoch und eines runter fahren haben sehen sind wir wieder zurück zum Womo. An einer anderen Rutsche sollte man schön stehen können. Dem war nicht so, also haben wir nur eine Essenpause eingelegt, in der Zeit geplant wo es weiter hingehen sollte und sind dann auf dem halben Weg zum eigentlichen Ziel auf einen schönen See gestossen.

Eine Möglichkeit zu schön zu stehen war schnell gefunden und so haben wir uns nach dem Essen auf den Weg gemacht. Eine Stunde Fahrt sollten es sein. Der Platz wo wir ankamen ist wirklich schön. Sauber und gepflegt, denn es ist wohl ein Badestrand für die Einheimischen und sehr beliebt bei Anglern. Zwei saßen dort als wir ankamen. Wir haben uns bei schönstem Wetter natürlich erstmal auf den Steg gesetzt und die Natur genossen.

Dort ist es wirklich wunderschön und obwohl es nur eine Zwischenstation sein sollte, überlegen wir hier morgen zu paddeln. Den Abend haben wir gemütlich ausklingen lassen und uns Recht früh ins Bett begeben.

13. September 2019

Abermals hat uns ein schöner Sonnenaufgang geweckt und wir haben es fast schon gewohnt gemütlich angehen lassen. Kaffee, Spiegeleier und leckeres Brot. Dazu der Blick auf den See wo tatsächlich schon seit ca 6 Uhr wieder 2 Angler saßen.

Der Beschluss heute noch hier zu paddeln fiel beim Frühstück. Schnell anziehen, das Boot auspacken und routinemäßig zusammenbauen. Das ging alles sehr flott. Diesmal sollten zum ersten Mal unsere Schwimmwesten zum Einsatz kommen. Es ist Herbst, das Wasser nicht sehr warm und der See recht groß. Da muss man die Dinger sinnvollerweise anziehen. Also los.

Es ging gut voran. Wir haben die Natur genossen und den vielen Vögeln zugesehen. Leichter Wind kam von hinten und wir wussten … Dagegen müssen wir auf dem Rückweg ankämpfen. Das es sehr viel härter werden würde war uns jetzt noch nicht bewusst, sonst wären wir direkt umgedreht.

Der See ist zweigeteilt durch eine kleine Enge. Der erste See ist gut 4,3km lang. Der zweite See ist nicht so lang, dafür quadratisch. Insgesamt noch sehr viel größer und vor allem mehr freie Fläche für den Wind. In dem See sind 4 kleine Inseln. Die größte davon haben wir zunächst angesteuert. Wir sind einmal drumherum und wollten dann den Rückweg antreten. So der Plan. Just als wir die Insel erreichten frischte der Wind weiter auf und als wir sie umrundet hatten fanden wir uns, außerhalb des windschattens der Bäume in einer regelrecht tosenden See wieder.

Der Wind und die Wellen gingen so wehemend zur Sache das es uns nicht gelang den Kurs zu halten. Glücklicherweise waren da ja noch die anderen Inseln. In deren Windschatten konnten wir wenigsten eine Strecke ganz ruhig zurücklegen. Zu unserem Glück hatte sich der Wind dann etwas gelegt und wir konnten wieder Recht mühelos die Enge erreichen.

Auf dem langen See angekommen ging es nach wenigen Metern wie auf Bestellung wieder los mit dem Wind. Und diesmal so stark das wir trotz starken paddelns nicht mehr vorwärts fuhren. Es ging mit Wellen die sicherlich gut 50cm hoch waren mit Müh und Not an einen der Bootsanleger die hier verstreut sind und meist zu Häusern gehören. Wir haben dort angelegt und das Boot verlassen. Einfach Mal ausruhen denn es ist bis jetzt schon sehr sehr kräftezehrend. Außerdem wollten wir abwarten wenn der Wind wieder schwächer wird, denn so hatte das keinen Zweck.

Der Zeitpunkt kam und wir haben direkt die Chance ergriffen. Uns am Ufer haltend da dort weder Wellen noch Wind so stark sind, kamen wir wieder gut voran. Der Wind flachte sogar soweit ab dass das fahren wieder angenehm und gemütlich wurde. Die Natur ist einfach unberechenbar. Wir waren aber sehr froh nach 14,4km und fast 4 Stunden wieder ‚unseren‘ Steg erreicht zu haben.

Jetzt schnell rein ins Womo und die leeren Mägen füllen. Das Boot musste eh trocknen. Wir haben es einfach umgedreht auf der Wiese gelagert. Das war auch effektiv bis der Wind so stark wurde dass das Boot wegflog. Nur einige Meter aber genug damit ich es neben dem Womo festgebunden habe. Nach dem Essen haben wir es dann auseinander gebaut und die Aussenhaut sowie die Schaummatte zum trocknen hinten am Rollerträger aufgehangen. Kurz vor der Dämmerung war auch alles trocken und wir konnten alles wieder ordentlich verstauen.

Geschafft vom Tag wurde nur noch geduscht und dann direkt das nichts tun eingeleitet. Alex liest und ich schreibe wie fast jeden Abend den Bericht vom Tag den Ihr gerade Lest.

14. September 2019

Einkaufen war angesagt. Sämtliche Vorräte gingen zur Neige. Zunächst war deswegen ein Kaufland in Olstyn angesagt. Aber auf dem Weg dorthin haben wir einen ganz kleinen ‚Lewiatan‘ Supermarkt entdeckt. Dort gab es alles was wir brauchten und es war eine gemütliche Atmosphäre. Ein bischen wie in den Tante Emma Läden früher.

Das anvisierte Tagesziel war die Wolfsschanze. Gute 100km trennten uns von dort. Durch schöne Landschaften führte uns der Weg dorthin. Am Eingang zahlt man direkt Eintritt und Parkgebühren. 40 Zloty, also ca 10 € komplett sind ein sehr fairer Preis, zumal wir hier sogar noch Frischwasser auftanken können.

Wir haben direkt neben einem der Wasserhähne geparkt und uns dann aber erstmal aufgemacht das Gebiet zu erkunden. Es ist alles schön angelegt und vieles ist begehbar, wenn auch mit Warnschildern versehen. Überall sind Infotafeln in 4 sprachen. Die Bunker bzw. deren Ruinen sind beeindruckende Bauwerke die den größenwahnsinn der Nazis gut wiederspiegeln.

Der Rundgang führt vorbei an den Bunkern die während des Ostfeldzuges das Hauptquartier der Nazis waren. Hier fand auch das Stauffenberg-Attentat statt. Die Hütte steht leider nicht nur nicht mehr, ihr ehem. Standplatz ist auch nicht mehr zu erreichen da dort kein Weg mehr hinführt. Überall liegen Bunkerruinen herum und die Bunker die noch stehen sind meist zumindest unbrauchbar gemacht. Unfassbar starke Bomben müssen hier gewütet haben, liegen hier doch 5,6,7m dicke Wände halb auf der Seite und sind 7m starke Betondecken verschoben oder zumindest angehoben.

Am Ende des Areals stand damals Hitlers Bunker. von diesem Bunker gibt es Nordseitig noch erhaltene Mauern, aber insgesamt sind das nur noch versprengte Ruinenreste. Allerdings sind diese Mauerreste so beeindruckend das es kaum zu glauben ist was die hier damals gebaut haben. Als Mensch steht man neben den Resten einer Aussenmauer die gut 7m Dick ist und gefühlt 40m Hoch. Bei einer Länge von mehr als 100m kann man sich gar nicht vorstellen was für eine Sprengkraft nötig ist um so einen Bunker zu sprengen. Hier wollte Stauffenberg ursprünglich sein Attentat verüben, aber ausnahmsweise wurde an diesem Morgen die Besprechung in eine Baracke verlegt was quasi dafür gesorgt hat das die Bombe nicht genug Zerstörungskraft hatte.

Na dem Rundgang haben wir noch schnell das Frischwasser im Womo aufgefüllt und sind dann weiter zum Mauerwald in ca 18km Entfernung. Dort hatte das Oberkommando des Heeres während des Russlandfeldzuges sein Lager. Viele Bunker verteilt auf eine recht große Fläche. Viele davon begehbar und in gutem Zustand. Hier gibt’s zusätzlich noch ein Museum was sich mit Stalingrad und dem Attentat auf Hitler gefasst. Der Eintritt inkl. Parkgebühren sind hier 39 sloty, also auch rund 10€.

Von dort aus haben wir entschieden das wir in Richtung Krutyn fahren, denn es soll morgen endlich im Paddelboot in den Masuren weitergehen. Wieder gute 100km Fahrt durch malerische Landschaften und teils abenteuerliche Straßen. Auch wenn die Polen in den letzten Jahren massiv in ihre Verkehrsinfrastruktur investiert haben und man sich ein bischen vorkommt wie nach der Wende in der ehem. DDR wo einfach alles neu war, so sind doch noch eine Menge Landstraßen alt und wirklich abenteuerlich. Aber das muss das Womo aushalten. Höhere Geschwindigkeit bringt in dem Falle auch mehr Fahrkomfort.

Wir haben Krutyn dann erreicht und waren direkt geflasht von der unfassbar schönen Natur überall. Aber hier ist auch der Massentourismus. Gut, nicht um diese Jahreszeit, aber ein paar Touris gibt’s hier sogar jetzt. Ich kann’s allerdings auch verstehen.

Unser erster anvisierte Nachtplatz direkt an der Krutynia war mit dem Womo dank eines Baumes nicht erreichbar und so haben wir uns auf einen Wanderparkplatz zurückgezogen der ganz am Anfang des Flusses ist. Von dort aus soll es morgen früh direkt losgehen.

15. September 2019

Hatten wir am Abend noch gerätselt ob man hier wirklich einsetzen darf aufgrund von Verbotsschildern die wir nicht verstanden haben, so wurden wir nach einer sehr ruhigen und entspannten Nacht morgens um 7 Uhr von den ersten Paddlern geweckt die dort ihr Boot ins Wasser trugen.

Die Vorfreude auf die wundervolle Natur hat uns etwas schneller frühstücken lassen als die letzten Tage. Dann schnell das Boot aufgebaut und um 10:30 Uhr waren wir auf dem Wasser. Es ging stromabwärts die Krutynia entlang.

Dieser Fluss ist zwar sehr lang, aber wirklich interessant und gut zu paddeln sind nur die gut 30km die hier vor Krutyn beginnen. Wer vor hat nach hier zu reisen, es gibt jede Menge Hotels und Pensionen mit angeschlossenen Bootsverleihern. Also das rundum sorglos Paket.

Wir wurden direkt von wunderschöner Natur empfangen, auch wenn die starke Bewölkung das ganze etwas trist wirken ließ. Es war aber trotzdem superschön und wurde direkt zu Anfang gekrönt von einem Eisvogel. Ich hatte noch nie einen live gesehen und auch jetzt zeigte sich Mal wieder wie scheu und flott die Tiere sind. Genauso schnell wie wir ihn gesehen hatten, war er auch schon wieder weg.

Mit dem Ally Kanadier ging es gut voran flussabwärts. Vereinzelt begegneten uns andere Paddler. Seltener sind sie uns entgegen gekommen, zumeist einfach in die gleiche Richtung mit anderer Geschwindigkeit. Der Eisvogel sollte uns noch ein paar Male begegnen und es sind auch ein oder zwei brauchbare Bilder entstanden, aber das wurde getoppt von dem zweiten Eisvogel den wir gesehen habe. Der hatte es einfach drauf sich fotogener hinzusetzen und wir hatten mehr Glück mit dem Licht, denn zwischenzeitlich kam die Sonne raus und tauchte alles in traumhaftes, saftiges grün.

Wir hatten uns ein Ziel von gut 7km Strecke gesetzt, wohlwissend das wir gegen den Strom auch wieder zurück müssen. Was wir nicht bedacht hatten ist, gegen den Strom Paddel geht gut solange das Wasser tief ist. Im flachen Wasser kann man die Paddel nicht richtig eintauchen und kommt entsprechend nicht vorwärts. Das macht keinen Spass und ist sehr sehr anstrengend.

Wir haben es aber mit 3 Zwischenpausen geschafft nach 5 Stunden wieder das Womo zu erreichen. Beide völlig erschöpft. Deswegen würde auch beschlossen das wir essen gehen. In krutyn gibt es ja genug Restaurants. Also noch ’schnell‘ das Boot auseinander bauen, TROCKNEN und verstauen. Das trocknen ging ganz gut. Die Schaummatte allerdings trocknete erst nach einem Einfall von Alex sehr gut. Wir sind mit der Matte in die Sonne an den kleinen Strand gewandert und haben sie zur Sonne und in den Wind gehalten. 5min. später war alles trocken. Top, rein damit ins Womo und endlich Essen fahren.

Noch während des Essens haben wir überlegt wie es weiter geht. Wir wollten die Krutynia weiter paddeln und haben also einen Platz anvisiert den ich schon im Vorfeld rausgesucht hatte. Spannend daran, dort hin führt lt. Google Maps eine Straße. Straßen in Polen sind sehr vielfältig. Dazu gehören auch Schotterpisten und Feldwege. Das hier war aber was anderes. Ein Weg wie von einem Landwirt zu seinen Feldern, sandig und sehr uneben. Trotzdem kamen wir am Ziel an und das war ein gepflegter kleiner Platz mit Steg.

Von hier aus wollten wir am nächsten Tag weiter fahren. Am Abend haben wir aber den Wetterbericht gecheckt und das dann verworfen. Zwar sollte es nur leicht bewölkt werden, dafür aber mit starken Wind mit teilweise orkanartigen Böen. Das ist mit dem kanadier nicht mehr zu schaffen. Wir haben uns schlafen gelegt und wussten noch nicht was morgen werden würde. Viele Ideen aber noch keine konkrete.

16. September 2019

Nach einer unruhigen Nacht weil es zeitweise sehr stürmisch war und recht stark geregnet hat, sind wir wohlbehalten aber nicht wirklich ausgeschlafen aufgewacht. Herrliches Wetter und ein perfekter Platz für Alex‘ morgendliches Yoga. Dazu frischer Kaffee und ein ausgiebiges Frühstück in eben dieser wunderbaren Naturkulisse.

Die Wettervorhersage war nicht besser geworden über Nacht und wir haben beschlossen nach Mikolajki zu fahren und dort in den Aquapark zu gehen. Für mich war das eine Rückkehr nach etwas mehr als 2 Jahren denn genau hier war damals das Rallyezentrum der Rallye Polen 2017 wo ich mit Lukas einen 5 Tages Trip hin gemacht habe. Schöne Erinnerungen kommen hoch bei dieser kleinen Stadt.

Wir wollten es uns aber einfach relaxed gut gehen lassen und nach nur 35min Fahrt waren wir auch schon da. Ich habe Alex dann noch gezeigt wo Lukas und ich damals übernachtet haben und dann haben wir das Womo auch schon auf dem Hotelparkplatz abgestellt. Der Parkplatz hat 2017 als Rallyezentrum gedient. Jetzt war er fast leer und kostet 3 Zloty pro Stunde. Also lächerliche 0,75€. Das Bad war mit 40 Zloty p.P. einiges teurer, aber für 1,5 Std sind umgerechnet 10€ inkl Sauna auch nicht viel.

Wir haben so richtig relaxed und 2 Saunagänge mitgemacht. Da in Polen immer mit Badesachen sauniert wird ist das ganze sehr viel unkomplizierter. Es gibt keinen getrennten Saunabereiche, sondern man geht einfach in eine Sauna wann man will. Sehr entspannend.

Gerade als wir gehen wollten werden die Rutschen geöffnet. Schon beim reingehen ist mir dieser Rutschenbottich aufgefallen und ich wollte da unbedingt rein. War aber gesperrt. Jetzt war der offen …. Also nix wie los. 10 Mal … das musste einfach sein. Alex hat sich amüsiert und solange auf eine Relax-Liege zurückgezogen, wurde von mir aber zum Videofilmen verdonnert damit ich das auch schön festgehalten habe. Was ein Spass. Ich bin dann noch 10 Mal runter und nun war es wirklich Zeit. Wir mussten schon 30 min nachzahlen was aber mit umgerechnet 5€ für beide auch nicht die Welt ausmacht.

Draussen dann glücklich und vollkommen erholt. Noch schnell für nen Cappuccino in den schönen Ort Mikolajki. Daraus wurden zwei Bier und zwei Burger. Das ‚City‘ am Marktplatz von Mikolajki kann ich nur wärmstens empfehlen. Die Burger waren sehr sehr lecker. Nur die Bedienung war etwas lustlos machte es den Eindruck, aber sie hat ihre Arbeit Tip top gemacht und das ist ja das einzige was zählt.

Das Womo parkte in der Zeit auf einem Parkplatz unweit des Marktes. Von dort aus sollte es viel weiter Richtung Osten gehen. Richtig, wir haben ja noch nicht Weißrussland erreicht, also ist noch Luft nach Osten. Die Stadt ‚Olecko‘ ist in diesem Fall unser Transitplatz auf dem Weg in den Osten. Schön am See habe ich einen Platz rausgesucht. Der ist auch wirklich schön, leider ist der so schön das keine Ruhe einkehrt und irgendwie ungemütlich.

Obwohl schon in Wohlfühlklamotten habe ich also beschlossen das nochmal umgezogen wird. Ich hatte noch einen anderen Platz auf der gegenüberliegenden Seite des Sees gefunden. Bingo, der Platz ist ein Traum. Ankunft im fast dunklen aber auf morgen früh und den direkten Blick auf den See vom Alkovenfenster aus, freue ich mich jetzt schon.

17. September 2019

Wir haben beide lange und sehr gut geschlafen. Trotz ungemütlichen Wetters draussen war es im Womo angenehm ruhig. Die Bäume rund um den Platz haben den Wind komplett fern gehalten und Regen stört nicht weiter. Morgens offenbarte sich dann die ganze schöne Aussicht. Früh morgens ließ sich kurz die Sonne blicken und tauchte den See in ein tolles Licht. Damit war es aber schnell vorbei und es war wieder Einheitsgrau am Himmel.

Unser Plan wegen des Wetters heute zum Dreiländereck zu fahren wurde nach einem langen Frühstück langsam in die Tat umgesetzt. Zunächst stand aber noch ein Viadukt auf dem Programm. Die 2 Brücken bei Staatshausen. Beide Brücken sind älter als 100 Jahre und wurden ursprünglich als Eisenbahnbrücken gebaut. Die eine von 1912 bis 1914 und die andere 1918. Aufgrund der dann verschobenen Grenzen wurde das Eisenbahnprojekt wofür sie gebaut wurden, nie realisiert und so stehen die Brücken bis heute in der Gegend rum. Der Spot kostet tatsächlich rund 2€ p.P. Eintritt, was es aber absolut nicht wert ist um über 2 Brücken zu laufen.

Von da aus sind wir dann direkt zum Dreiländereck zwischen Polen, Litauen und Russland gefahren. Der Punkt ist wohl im Sommer auch ein Touristenmagnet, anders ist die gute Anlage nicht zu erklären. Witzig ist die Tatsache das man dort russischen Boden betreten kann, aber natürlich nicht darf. Steht auch 20 Mal da. Ratet mal was jeder Tourist als erstes macht? Richtig, um den Poller herumlaufen auf das russische Eck des Rondells. Fotografieren darf man die russische Seite des runden pollers auch nicht. Richtig, auch das macht natürlich jeder. Es kostet bis zu 125€ Strafe wenn man erwischt wird. Eine lächerliche Ankündigung wenn da jede Menge Kameras sind und trotzdem nichts passiert.

Schon im Vorfeld hatten wir recherchiert wo es weiter hingehen sollte. Der Fluss Biebrza steht auf dem Plan. Ein langer Fluss der überwiegend nicht annähernd mit dem Auto erreichbar ist und größtenteils durch Sumpfgebiet fließt. Außerdem alles Nationalpark. Wir würden aber gerne drauf paddeln, was man auch darf. Ist halt ein Problem erstmal ein Boot in die Nähe des Flusses zu kriegen. Und dann wäre da noch der Wetterbericht. Der sagt für die nächsten Tage wechselhaftes Wetter, was ja nicht so schlimm wäre, mit Sturmböen bis zu 55kmh voraus. Und das ist ein Problem. Den Kanadier bekommt man bei soviel Wind nicht mehr gesteuert und es macht auchh keinen Spass mehr. Da die Biebrza überwiegend nicht im Wald fliesst, ist man dem Wind auch komplett ausgesetzt.

Wir haben trotzdem einen schönen Rastplatz am Fluss gefunden und angesteuert. Auch ohne hier zu paddeln wollen wir die Natur genießen. Begrüßt werden wir mit starkem Regen und Orkanartigen Windböen. Die flachen aber glücklicherweise schnell ab und der Regen verzog sich auch, so das wir sogar noch einen grandiosen Sonnenuntergang erleben durften.

18. September 2019

Ausschlafen. Mittlerweile macht ausschlafen den Urlaub schon sehr besonders. Ausschlafen ist Luxus und wir gönnen uns viel davon. Und ausgiebiges Frühstück. Heute haben wir während des Frühstücks darüber geredet das Alex gerne wandern würde. Nun das Wetter im Biebrza Nationalpark spielt ja nicht mit, also haben wir einen anderen Nationalpark ins Auge gefasst

Den Bialowieski Nationalpark direkt an der weißrussischen Grenze. Der ist aber irgendwie so unübersichtlich das wir nicht richtig schlau werden aus Google Maps. Der erste anvisierte Parkplatz zum Wandern ist ein Reinfall. Dann geht es weiter zum zweiten Platz. Zwischendurch wird genau vor uns die Straße gesperrt. Der gute Mann probiert uns zu erklären wie wir jetzt ans Ziel kommen. Rechts, beim ‚asphalty‘ links und dann wieder links. Das haben wir verstanden …rechts rum war ein Waldweg.

Egal, mich schreckt sowas eh nicht ab, also ging es 5km schnurgerade aus durch den Wald. Dann kam Asphalt. Dann links, 8km schnurgerade durch den Wald. Dann links. 10km durch den Wald, ihr ahnt es, nicht geradeaus.

Am Parkplatz angekommen nimmt man uns direkt 10 Zloty ab. Für den ganzen Tag, der bei uns aber kaum 2 Std. Dauern würde. Auch wieder egal, wir sind dann genüsslich los in einen Park. Was das für ein Park war haben wir erst am Ende rausbekommen. Am Ende des Parks konnte man den Park verlassen und in den Nationalpark wandern. Das darf man aber nur mit Guide. Wo es die gibt und was das kostet stand da allerdings nicht. Wir sind zurück durch den Park und vorbei an schönen Gebäuden.

Dieser ganze Park mit seinen Gebäuden diente Zar Alexander III als Jagtschloss und ist wirklich sehr weitläufig. Mehr als 1km lang und imposante Gebäude, sogar für die Dienerschaft. Das Schloss selber gibt es nicht mehr, dort steht heute ein Hotel was der Form des Schlosses aber nachempfunden ist. Insgesamt nichts wofür man nach dort fahren muss, aber wenn man Mal in der Gegend ist, dann lohnt es sich schon sich Mal umzusehen.

Von dort aus wollten wir eigentlich nicht weit fahren und den Tag beenden. Da es aber kaum Viertel nach Drei am Nachmittag war, haben wir beschlossen in Richtung Zamosc zu fahren. 337km sind aber sicher zuviel, deswegen haben wir einfach einen Platz zwischendurch rausgesucht. Aber immerhin auch noch 157km weit weg. Nach zwei-drittel des Weges überkam uns beide die Unlust und der Hunger. Also kurz anhalten, Google Maps anwerfen und schnell Mal die Umgebung gechecked.

Ergebnis des ganzen waren kaum 10 min Fahrzeit bis zu einem See mitten in einer kleinen Stadt wo man am Rand komplett alleine ist und seine Ruhe hat. Mit Blick auf den See und einen Wahnsinns Sonnenuntergang genießen wir den Abend und lassen es uns einfach nur gut gehen. Morgen geht’s dann bestimmt, möglicherweise, vielleicht weiter nach Zamosc.

19. September 2019

Zamosc liegt knapp 225km weit entfernt. Wir haben es urlaubsmäßig gemütlich angehen lassen. Nach dem Frühstück eine Dusche und während Alex geduscht hat, habe ich einen naheliegenden Lost Place erkundet. Mutmaßlich ein nie fertigstelltes Hotel hier am See. 4 Stockwerke sind aber schon fertig und die Aussicht ist super.

Nach der Erkundungstour und ein paar Fotos gehe ich zurück zum Womo, wir packen die letzten Sachen zusammen und machen uns dann wieder auf den Weg. Auf der Liste stehen aber noch ein paar Dinge. Mit unterschiedlicher Dringlichkeit. Ganz oben steht tanken, denn wir schaffen vielleicht noch 100km. Tankstellen sind aber kein problem in Polen, also machen wir uns keine großen Gedanken.

Dann müssen wir einkaufen, Frischwasser bunkern und die Gasflasche wieder auffüllen. Achja, und Wäsche waschen. 

Gas wollte ich an der Tanke wieder auffüllen wo ich auch das Womo getankt habe, aber es war dort zuviel los. Also nur das Womo getankt und dann geht’s weiter. Irgendwo wird eine ruhige Tanke kommen und dann füllen wir dort auf.

So kam es auch, bin rangefahren, habe die Gasflasche angeschlossen und wollte gerade lostanken, da kommt ein junger Tankwart. Anscheinend darf man an dieser Tankstelle nicht selber tanken. Egal, ich habe ihm gesagt das ich 20 Liter LPG haben will. Kein Problem gab er mir zu verstehen. Über den Google Translator hab ich dann noch nach Wasser gefragt. Und siehe da. Nachdem ich bezahlt hatte, führte er mich zu einem Wasserhahn im Hof. Wir durften tanken soviel wir brauchen. Kostenlos! Trotzdem hab ich ihm dafür 10 Zloty in die Hand gedrückt. Top Aktion. Seit dem können wir auch deuten was das TIR auf den Parkplatzschildern bedeutet. Das sind Truckerplätze mit einer gewissen Versorgung.

Von dort aus ging es weiter bis Zamosc. Leider ist der gewünschte Platz nicht anfahrbar, aber ein daneben liegender Platz ist ebenso gut, nur mit nicht so guter Aussicht. Da wir sehr früh hier sind ist ‚den Abend‘ einläuten natürlich keine Option. Aber erstmal essen. Fertige, aber frische Piroggen sollte es geben. Und wir sind jetzt sicher das Piroggen nur und wirklich nur frisch in einem guten Restaurant schmecken. Die gekauften, egal wie teuer und frisch, schmecken nicht.

Danach hab ich den Roller wieder abgeladen, wir haben ein paar dickere Sachen eingepackt nachdem wir ja beim letzten Mal noch im T-Shirt unterwegs waren. Denn es waren jetzt schon nur 10 Grad. Und wenn es dunkel wird, dürfte es merklich kälter werden.

Die Altstadt von Zamosc ist sehr klein aber ebenso sehenswert. Insbesondere der Marktplatz ist beeindruckend schön. Wir schlendern eine knappe Stunde durch den Ort, holen Mal wieder etwas neues Geld von der Bank, denn nicht überall kann man mit Karte zahlen. Und Trinkgeld ist ohne Bargeld auch schlecht. Dann haben wir mit dem Roller noch ne Runde um die Altstadt gedreht und sind dann zurück zum Womo. Gerade rechtzeitig denn als ich den letzten Spanngurt des Rollers festziehen beginnt es schnell Recht stark zu regnen.

Der Abend wird kalt. Das Thermometer sinkt sehr schnell auf 4 Grad, was wir aber dank der guten Heizung des Womos nicht merken.

20. September 2019

Da Zamosc einen kleinen Zoo hat haben wir bei einem gemütlichen und ausgiebigen Frühstück beschlossen erst diesen zu besuchen, dann einkaufen zu fahren und dann weiter zu fahren nach Radruz. OK, das hab ich beschlossen ohne Alex zu sagen wo es hingeht. Aber sie hatte diesen Spot vor dem Urlaub selber rausgesucht.

Der Zoo ist klein aber fein. Schön angelegt mit tollen Tieren, aber leider jetzt ausserhalb der Saison voll im Umbau. Trotzdem haben wir 2 schöne Stunden dort verbracht und uns in Ruhe die ganzen schönen Tiere angesehen.

Der folgende Einkauf war erledigt also sollte es auf die 170km weite Fahrt nach Radruz gehen. In Polen dauert das ja immer was länger so das wir tatsächlich erst um 16:45 dort ankamen. Alex hab ich die ganze Fahrt raten lassen und sie hat bis 1,6km vor dem Ziel gebraucht um es rauszufinden.

Leider macht die Kirche offiziell um 17 Uhr zu, man hat uns aber schon nicht mehr reingelassen. So blieb ein Gang drumherum das einzige was wir sehen konnten. Die Kirche ist komplett aus Holz gebaut und gehört zum UNESCO Welterbe. Sie ist sehr klein und sieht richtig schön aus. Sicherlich einen Besuch wert.

Es gibt bei Chotyniec noch so eine Kirche. Diese haben wir uns dann als Ziel gesetzt, allerdings mit dem Primärziel irgendwo zwischendurch einen Nachtlagerplatz zu finden. Das war diesmal gar nicht so einfach und zog sich leider bis in die Dunkelheit hin. Wir haben dann am Rande einer Landstraße auf einem kleinen Parkplatz gehalten und uns eingerichtet.

21. September 2019

Leider waren wir wohl mitten in irgendeinem Jagtgebiet gelandet, denn es wurde durchgehend die ganze Nacht geschossen. Unregelmäßig aber durchgehend. Sogar morgens um 7 waren noch Schüsse zu hören. So schlecht wie in dieser Nacht habe ich sehr lange nicht geschlafen.

Das hat mir so auf den Magen geschlagen das ich Bauchschmerzen hatte. Unser Ziel war ja heute die Kirche in Chotyniec und danach der Parkplatz von Morskie Oko. Die Kirche in Chotyniec war genauso schön anzusehen wie die in Radruz, allerdings fand hier gerade eine Taufe oder sowas statt. Da wollten wir natürlich nicht stören und sind wieder nur einmal drumherum gelaufen und dann wieder gefahren.

Bis zum Parkplatz des Morskie Oko sollten es 337km sein, also 5 Std Fahrt mit dem Womo. Im Womo geht das ganz gut, es ist sehr bequem zu fahren. Glücklicherweise sollten 270km davon auf nagelneuer polnischer Autobahn in Richtung Krakau verlaufen.

Ein schmorender Geruch den wir schon seit 2 Tagen wahrgenommen haben wurde immer intensiver so das wir zwischendurch mal auf einem Parkplatz angehalten haben um endlich die Ursache zu finden. Da der Geruch nur da war wenn wir fuhren, habe ich als erstes die Sicherungen kontrolliert und bin auch schnell fündig geworden. Die Sicherung des Kühlschranks war allerdings nicht durchgebrannt sondern schmorte vor sich hin. Man sagte mir hinterher das dies wohl aufgrund von Korrosion an den Kontakten des Sicherungshalters passieren kann. Zu Hause wird dann alles gereinigt und die Sicherung ersetzt.

Von Krakau aus ging es dann auf sehr guter 2 Spuringer Landstraße in die Berge. Irgendwann wurde es aber wieder einspurig, aber trotzdem noch sehr gute Straßen. Ganz anders als man das sonst so in Polen gewohnt ist, aber hier scheint Geld zu sein. Man wähnt sich in Österreich und überall wird Werbung für Schönheitsoperationen gemacht.

Eine tolle Landschaft durch die wir uns immer weiter nach oben fahren bis wir auf 1143m ankommen. Jetzt geht’s wieder 150hm runter und schon sind wir da. Komischerweise war es zwar schon 17 Uhr, aber es war immer noch alles voll Menschen und Autos. Wir hatten schon schlimmste Befürchtungen, kannten wir die Nummer ja schon vom Pragser Wildsee in den Dolomiten.

Der Parkplatz direkt am Eingang in das Gebiet war glücklicherweise schon so leer das es hinten in der Ecke einen Platz für unser Womo gab. Übernachten ist erlaubt also haben wir uns für 60 Zloty dort hin gestellt. Mir war das nur Recht, denn es ging mir immer noch nicht gut. Ich bin dann auch fast direkt ins Bett. Alex hat noch lange gelesen.

22. September 2019

Der Wecker stand auf 6 Uhr, wir wollten vor 7 Uhr los um vor den Touristenströmen oben zu sein. Das Thermometer zeigte -1°C an, was man im Womo aber nicht merkt dank der guten Heizung.

Das Aufstehen fiel nicht schwer, hatte ich doch viele Stunden geschlafen. Meinem Bauch ging es so lala, aber besser. Also Kaffee, Klamotten an und los.

9km bergauf sollte es nun gehen. Alex war der irrsinnigen Annahme wir würden das in etwas mehr als einer Stunde schaffen. Ich hab ihr dann Mal unser Tempo gezeigt und das es wohl noch steiler werden würde und sicherlich Pausen dazukommen werden. Ich rechnete mit 2,5std für den Weg. Dank Asphalt war es aber gut zu laufen und zahlreiche Möglichkeiten Mal eine Pause einzulegen machten es uns recht leicht.

Nach knapp 2,5std sind wir oben angekommen und was soll man sagen ausser WOW. Der Anblick war genauso ein flash wie damals am Pragser Wildsee und wir hatten tatsächlich Glück, es waren auch noch nicht soviele Menschen hier oben. Wir haben die Natur genossen, sind ein wenig hin und her gelaufen und haben Fotos gemacht. Dort wo noch keine Sonne war, war es nach wie vor eiskalt so das wir die Stellen gesucht haben wo die Sonne es schon bis zum See geschafft hat.

Es wurde Stück für Stück warm und der See würde in schönstes Licht getaucht. Wir haben dann die Möglichkeit wahr genommen im Gasthaus am See eine Kleinigkeit zu essen. Dafür daß es hier der pure Tourismus ist, haben wir für 2 Tee und 2 kleine Wärme Mahlzeiten zusammen nur unglaublich preiswerte 7,5€ bezahlt. Es war lecker und für meinen Magen auch sehr gut das endlich Mal wieder Nahrung drin war.

Nach dem Essen haben wir noch draussen ein paar Minuten die Sonne genossen und dann in Anbetracht der immer größer werdenden Menschenmengen, den Rückweg angetreten. Von nun an 9km bergab. Klingt aber einfacher als es ist wenn man schon 10km in den Knochen hat.

Ca 3km vor dem Ziel wurden wir auf deutsch angesprochen. Da es hier sonst nur Polen gab war das eine echte Überraschung. Aber eine schöne. Anna und Patrick, ein junges Paar aus Augsburg, waren die beiden und wir haben uns gut unterhalten. Die letzten 3km gingen so wie im Flug rum. Sie haben sich von dort aus nach Danzig aufgemacht was wir natürlich absolut empfehlen konnten weil unsere eigene Erfahrung ja noch nicht sehr alt war.

Wieder am Womo angekommen war schlicht unglaublich wie voll der Parkplatz war. Es war strahlender Sonnenschein und wir haben erstmal 2 Stühle rausgestellt und vor dem Womo einen Kaffee genossen. Danach sollte es weitergehen nach Auschwitz. Wir wollen uns morgen die beiden Lager ansehen und deswegen schonmal die knapp 140km bis dort fahren.

Kurz auf der Karte geschaut habe ich nach einer Minute einen granatenschönen Platz gefunden der uns dann für den Abend und die Nacht dienen sollte.

Die Ankunft in Auschwitz war schon eigenartig, denn der Weg zu unserem geplanten Platz führte uns an beiden Lagern vorbei. Am Stammlager haben wir kurz angehalten und wollten schonmal Karten kaufen. Das geht aber nur morgens um 7:30 Uhr oder 3 Monate im voraus. Na toll. Auf dem Weg zu unserem Platz fuhren wir dann noch am Lager 2 vorbei. Die Straße führt genau auf das ehem. Eingangstor zu. Ein sehr komisches Gefühl.

Unser Nachtlagerplatz war fantastisch, ruhig und umgeben von Seen.

23. September 2019

Weil Alex durch die 19km laufen so starken Muskelkater hat das sie nicht mehr laufen kann, haben wir beschlossen heute hier zu bleiben und nichts zu tun. Nichts zu tun ist nicht ganz richtig, denn ich habe eben das erste Mal Wäsche im Womo gewaschen und schreibe jetzt den Reisebericht der letzten Tage. Die Wäsche hängt jetzt im Fahrerhaus des Womo und trocknet bei 10 Grad Aussentemperatur und 2 offenen Fenstern hoffentlich Recht gut.

Die Nacht war komisch, denn wir sind keine 3km vom Vernichtungslager Auschwitz-birkenau entfernt und haben die ganze Nacht Rauchgeruch gehabt und Unmengen an Zügen die rangiert haben und gehupt und überhaupt laut waren. In 4km Entfernung ist ein Bahnhof den man hier mehr als deutlich hört. Das alles in Verbindung mit dem geschichtlichen Hintergrund dieses Ortes ist schon ziemlich spooky.

Den Tag haben wir ansonsten mit nichts-tun verbracht. Wir hatten kurz die Überlegung auf einen Platz in der Stadt umzuziehen, aber für die 10min Fahrt ist es das nicht wert.

24. September 2019

In aller Frühe aufstehen fällt mir erstaunlich leicht. Ich hab die Nacht nicht gut geschlafen und bin trotzdem ausgeschlafen. Das ist auch gut so, denn der Tag sollte geschichtlich anspruchsvoll werden.

Das Frühstück fiel kurz und knapp aus, denn wir wollten rechtzeitig am Auschwitz Museum sein um noch Eintrittskarten für diesen Tag zu bekommen. Laut hörensagen ist es nicht so einfach an der Tageskasse noch Karten für den jeweiligen Tag zu bekommen. Zumindest in der Nebensaison kann ich euch aber beruhigen, sogar nachmittags gab’s noch Karten für den frühen Abend. Das lohnt sich angesichts der schieren Masse an erlebbarem allerdings nicht in meinen Augen.

Die Tickets bekommt man am Infostand vor dem Museum. Das Museum ist im Prinzip das Stammlager Auschwitz 1. Wenn man früh da ist kann man sogar direkt vor der Türe parken. Legal und problemlos. Die Tickets für das Museum sind kostenlos aber Zeit und namensgebunden. Nur Touren mit einem Guide kosten Geld. In unserem Falle war es eine 3,5std Tour durch das Stammlager und Birkenau für umgerechnet 15€ pro Person. Das ist ein mehr als fairer Preis wenn man bedenkt was für ein Wissen hier vermittelt wird.

Unsere Tickets waren für die erste deutsche Tour um 10:30 Uhr und so haben wir uns um das Lager herum umgesehen und uns dann nochmal für eine Stunde ins Womo gesetzt. Noch nen Kaffee getrunken und nochmal auf die Toilette gegangen. Dann war es aber auch schon 5 vor 10 und wir durften rein.

Die Tour begann Recht pünktlich und unser Guide, ein älterer Herr dessen Name ich leider nicht richtig verstanden habe, glänzte direkt mit sehr umfangreichem Wissen. Vieles hatte ich schon auf Wikipedia gelesen aber hier gab es direkt noch ne Menge Hintergrund Infos. Die ersten Ausführungen fanden direkt vor dem berühmten Eingangstorbogen statt, der alle Häftlinge des Stammlagers, und das war die weit geringste Zahl der insgesamt dort inhaftierten Menschen, mit den Worten ‚Arbeit macht frei‘ begrüßt.

Das Konzentrationslager wurde sehr schnell nach seiner Gründung ausgeweitet auf eine Fläche von 40km². Ja, ich habe mich nicht verschrieben. Zum Schluss bestand das Lager inkl. Aller Nebenlager aus 49 einzelnen Lagern. Der weitaus größte komplex war das Lager Birkenau. Dafür wurde der Ort Birkenau kurzerhand umgesiedelt und komplett dem Erdboden gleich gemacht. Und das nur wegen einer excellenten Eisenbahnanbindung der Orte Auschwitz und Birkenau.

Birkenau wurde zunächst für 100.000 Häftlinge konzipiert, aber noch in der Planungsphase auf 200.000 Häftlinge ausgeweitet. Aber dazu sind wir erst später gekommen. Zunächst stand das Stammlager auf dem Programm. Das Lager Birkenau benötigt auch keine Eintrittskarten, jeder kann während der Öffnungszeiten jederzeit rein und raus. Es gibt auch keinerlei Sicherheitsvorkehrungen wie man sie bei uns heut zu Tage überall findet. Es fährt ein Pendelbus kostenlos hin und her. So kann man also problemlos irgendwo einen Parkplatz suchen und sich dann den Bus nehmen.

Im Stammlager ging es direkt informativ zur Sache. Es wurden Baracken besucht die natürlich informativ hergerichtet waren. Als erstes wurde uns eine Baracke gezeigt welche das leid der Menschen personalisiert hat. Der lange Gang in den man durch den Eingang reintrat war in Dreierreien mit Portraits von ehem. Häftlingen mit Geburtstag, Beruf, Inhaftierungstag sowie Todestag versehen. So verschlägt es einem direkt die Sprache.

In den Nebenräumen des Gebäudes wird auf die einzelnen Gräueltaten eingegangen, die Selektion die medizinischen Experimente an Kindern usw. usf.

Im einzelnen will ich hier darauf gar nicht eingehen, denn das ist ja alles präzise nachzulesen, wird im Lager aber so anschaulich vor Augen geführt daß es einigen die Tränen in die Augen treibt. Vor allem angesichts der Fotos der Menschen über die gerade berichtet wird.

Von der Baracke ging es weiter zur Gestapo Baracke am hinteren Ende des Lagers. Hier wurden Häftlinge vor Schnellgerichten verurteilt oder für leichte vergehen im Lager bestraft. Harte vergehen sowie Flucht wurden eh grundsätzlich mit dem Tod bestraft. Und zwar in den meisten Fällen sofort und der dafür im Hof extra aufgestellten Erschießungswand. Hier starben in etwa 5.000 Menschen durch Genickschuss.

Nazis wären aber nicht Nazis wenn es nicht viel grausameres hier gegeben hätte. Im Keller des Hauses waren sog. Stehbunker. Die Zellen waren 90x90cm groß, hatten einen Eingang wo man nur reinkriechen konnte und war jeweils für 4 Personen gleichzeitig vorgesehen. Die mindeststrafe war 3 Nächte dort zu verbringen. Tagsüber musste gearbeitet werden und die Nächte mussten dann in diesem Bunker verbracht werden. Je nach Strafhöhe auch einige Wochen. Das bekam man für leichtere vergehen. Für Bekannte von flüchtigen Häftlingen waren die Verhungerzellen vorgesehen. Hier wurden wahllos 10 Menschen eingesperrt die dem jeweils flüchtigen potentiell Nahe standen. Sie wurden eingesperrt und nach 2 Wochen holte man dann ihre Leichen aus den Zellen. Verhungert und verdurstet.

In einem bekannten Fall hat ein inhaftierten Priester sich für jemanden anderes geopfert und sich in diese Zelle zum Sterben stecken lassen, hat aber nach 2 Wochen noch gelebt. Kurzerhand wurde ihm eine Phenolspritze ins Herz gesetzt an der er dann sofort verstarb.

Direkt neben dem Gerichtsraum im Erdgeschoss war ein Waschraum. Hier mussten sich die soeben zum Tode verurteilten komplett nackt ausziehen bevor sie dann im Hof erschossen wurden. Die Kleidung konnte man ja noch brauchen. Überhaupt war alles in diesem Lager auf Effizienz ausgelegt. Alles wurde verwertet. Sogar die exkremente der Häftlinge in Birkenau wurden in einer ersten Art Biogasanlage weiterverwendet. Heute findet man das auf jedem Bauernhof.

In der nächsten Baracke führten dann genau diese Sammlungen der Nazis vor Augen wieviele Menschen dieses Lager nicht überlebt hatten. Wir haben Räume voll Koffer, Prothesen, Schuhe, Haare, kämme, Brillen, Rasierpinsel, bürsten und Töpfen gesehen. Hunderte m² voll. Und das war nur ein Teil dessen was gefunden wurde in den beiden Warenlagern. Genannt Kanada 1 und 2. Kanada deswegen weil Kanada damals als reiches Land galt und somit die Lager am besten beschrieb.

Im Obergeschoss einer weiteren Baracke wurde dann auf die perfektionierten Tötungsmethoden der Nazis eingegangen. Auf das Zyklon B, eigentlich ein Entwesungsmittel auf Blausäurebasis, kam man erst nach einigen Versuchen. Der erste Test mit Zyklon B war aber so erfolgreich das direkt über 700 russische Kriegsgefangene starben. Im Laufe des Krieges brachten die Nazis es auf bis zu 2.000 Tote in einer Gaskammer. Deren gab es eine im Stammlager, die aber nach der Eröffnung von Birkenau nicht mehr genutzt wurde und 6 in Birkenau.

Hier wurde ein Modell des krematioriums-gaskammer komplexes gezeigt was sehr anschaulich zeigt wie perfide durchdacht diese Methode war. Kein Risiko für die Angestellten des Lagers (in all den Betriebsjahren gab es nur einen Gasunfall eines Bediensteten) und maximale Tötungsmenge. Die beiden großen Krematorien schafften bis zu 1400 Leichen am tag. Das reichte natürlich nicht für die Menge der getöteten Menschen so das viele leichten einfach auf einer Art riesen Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Von dieser Baracke ging es wieder quer durchs Lager durch den Zaun zum Galgen von Rudolf Höß dem bekanntesten Lagerkommandanten von Auschwitz. Höß war 1947 von den Polen zum Tode verurteilt worden und in ’seinem‘ Lager gehenkt. Rechts davon ist die ehem. Villa die er mit seiner Frau und den Kindern bewohnte während direkt nebenan das absolute elend herrschte. Wir sind in die andere Richtung gegangen zur einzigen nicht gesprengten Gaskammer.

Die Gaskammer 1 mit dem angeschlossenen krematorium im Stammlager wurde nach 1941 nicht mehr gebraucht und deswegen demontiert. Aus diesem Grund haben die Nazis sie wohl auch nicht gesprengt und so kann sie heute Zeitzeuge sein.

Man ging durch den Eingang nach rechts in die Umkleide. Hier wurde sich ausgezogen um dann in den Duschraum zu gehen. Hier waren noch ehem. Echte duschen installiert zu dem Zeitpunkt und durch 2 Öffnungen in der Decke wurde zyklon B eingefüllt. Der Tod trat je nach Menge der Menschen zwischen 3 und 15 bis max 20 min später ein. Je mehr Menschen im Raum desto schneller ging es. Unmittelbar daneben war das krematorium mit 4 Öfen. Hier konnten die Leichen jeweils zu zweit direkt verbrannt werden. Dieses Testobjekt war ausschlaggebend für die zukünftige strategie der Massenvernichtung mit maximaler Effizienz.

Dies war die letzte Station im Stammlager.

Von hier aus ging es im Transferbus zum Lager Birkenau. Dieses Lager ist von Anfang an als reines Vernichtungslager angelegt worden. Am Anfang wurden die ankommenden Züge noch ausserhalb des Lagers abgefertigt, später aber auf den bekannten 3 Gleisen innerhalb des Lagers wo direkt die Selektion stattfand. Von hier aus schickte man Zehntausende Menschen umgehend in die 500m entfernten Gaskammern. Alle anderen wurden in den 3 Lagerkomplexen untergebracht. Das waren ausschließlich solche die als arbeitsfähig oder nützlich eingestuft wurden.

Die ersten Baracken waren noch aus Ziegelstein. Gebaut aus den Resten des abgerissenen Dorfs. Hier wurden die Häftling untergebracht die das ganze Lager bauten. Spater wurden nur noch Holzbaracken gebaut. In diesen Baracken mit jede Menge Hochbetten wo wir heute maximal zu zweit drin schlafen würden, wurden zeitweise bis zu 1000 Menschen untergebracht. So musste jedes Bett mit bis zu 12 Personen belegt werden. Unvorstellbar. In der Mitte 2 Öfen um die Baracken zu beheizen

Es gab ausserdem noch Toilettenbaracken. Hier saß man Hintern an Hintern in 6 langen Reihen um sein Geschäft zu machen. Das Problem war nur das vor Arbeitsbeginn soweit Zeit war das man sich entscheiden musste ob man seine Notdurft verrichtet oder was isst. Dann wurden die Arbeiter zu den jeweiligen Arbeitsstätten gebracht. Da diese oft außerhalb des Lagers lagen gelang den meisten hier die Flucht. Insgesamt sind knapp unter 1000 Häftlinge erfolgreich geflohen. Einige wurden später wieder gefasst. Aber nicht alle.

Wenn man durch dieses riesen Lager geht, es hat immerhin 100ha Fläche, kann man sich ein wenig vorstellen wie es damals gewesen sein muss. Das leid der Gefangenen ist für uns heute ausserhalb der Vorstellungskraft, aber wie das Lagerleben ablief und wie unfassbar viele Menschen dort gelebt haben und gestorben sind. In Birkenau sind nach einer Tafel vor dem Museum 80% aller Sinti und Roma ermordet worden. Insgesamt schwanken die Schätzungen zur Gesamtzahl der Opfer zwischen 1,1 und 1,5Mio. Menschen.

Nachdem der Guide seine Tour dann beendet hat haben wir uns noch weiter in Birkenau umgesehen um die schiere Größe noch besser erfassen zu können. Auch haben wir uns nochmal in Ruhe die Ruinen der gesprengten Krematorien angesehen. Am Ende der Bahnschienen steht ein riesiges Mahnmal. Es symbolisiert die verschiedenen begräbnisarten der vielen verschiedenen Kulturen die hier ermordet wurden. Passend dazu sind in allen Sprachen die die Menschen dort starben sprachen, Gedenktafeln vor diesem Mahnmal gesetzt worden.

Ein schrecklicher Ort und es ist nicht so einfach das zu verarbeiten. Wir haben ziemlich wenig geredet im Laufe des Tages und haben uns nach einem kurzen Einkauf mit dem Womo an einen neuen Ort inmitten von Seen, zurückgezogen.

25. September 2019

Der morgen war endlich Mal wieder stressfrei da heute ein reiner Fahrtag werden sollte. Wir müssten nur tanken um die restlichen Zloty Bargeld auszugeben und wollten dann nach Prag.

Also gemütlich frühstücken und dann langsam alles einpacken und den wirklich schönen Platz verlassen. Unser Plan sah vor das wir direkt tanken fahren, aber nur für exakt 146 Zloty, denn 146,19 Zloty Bargeld waren noch übrig. Die tschechische Grenze sollte in ca 95km kommen, weswegen ich kurz vorher nochmal tanken wollte da der Diesel in Polen günstiger ist. Ausserdem bräuchten wir noch Frischwasser da der Tank nahezu leer war.

Wir sind also nach Plan los und haben zweimal getankt. Wasser war an einem Hahn mit richtig viel Druck auch kein Problem so das wir kaum anderthalb Stunden nach Abfahrt bereits in Tschechien waren. Jetzt wurde es aber doof, hatten wir doch verpennt uns nach einer Autobahnmaut zu erkundigen. Glück für uns war das ich eh immer mautfrei einstelle im Navi weil ich keine Überraschungen mag. Nachteil sind natürlich u.u. wesentlich längere Strecken. So auch nach prag.

Wir haben die Autobahn verlassen, kurz gegoogled und Mal die Strecken verglichen. 2 Std Zeitersparnis sind uns die Mautgebühren wert. 10 Tage unter 3,5to kosten 12€. OK, wenn man denn CZK, also tschechische Kronen hat. Zahlt man in Euro, natürlich nur bar an den kleinen Tankstellen, dann kostet es 15€. War mir aber jetzt egal, Plakette rein und über meistens gute Autobahnen ging es in 5,5 Std nach Prag. Von der langen Autofahrt und dem Stau in Prag etwas geschafft haben wir auch direkt Lager aufgeschlagen. Heisst bei uns ja nur: Parken!

Noch schnell bei ein paar Bierchen die Planung für Prag gemacht, Pinterest und Reiseberichte sei Dank, und schon gings ab ins Bett.

26. September 2019

Voller Vorfreude auf Prag und einem tollen Wetterbericht haben wir Recht zügig gefrühstückt. Ich habe den Roller abgeladen und dann ging es auch schon los. Wie in jeder Stadt ist die Orientierung am Anfang holprig und so habe ich den anvisierten Parkplatz wieder verworfen und wir sind wieder aufgestiegen und nochmal weiter gefahren.

Es offenbarte sich auch hier wieder der massive Vorteil einen Roller dabei zu haben, insbesondere wenn der Verkehr so dicht ist wie in Prag. Aber, hier haben sich die e-scooter schon komplett durchgesetzt. An jeder Ecke gibt es einen Lime Roller zu mieten. Einfach mit der App freischalten und los. 25czk (ca 1€) für die Freischaltung und 4czk (ca 9ct) pro Minute.

Wir haben als erstes den städtischen Ring angesteuert. Umgeben vom Rathaus, Tynekirche und vielen sehr sehr sehenswerten Gebäuden ist dieser Platz eine Augenweide. Da wir um 10 Uhr dort waren, war es nicht sehr voll und gut zu überblicken. Das sollte sich aber schon im Laufe der kommenden Stunde ändern. Die vielen fressbuden rundum wurden so langsam wach und uns lachte ein HAM-stand an der sehr lecker aussah. Die Bestellung eines Stückes von mir sowie kartoffel-sauerkraut-schweinefleisch für die Alex machten zusammen …. 36€. Bäm, wir waren in die erste Tourifalle getappt und haben auch direkt Mal gelernt das die Preise in Prag so hoch sind wie in jeder Tourihochburg.

Lecker war es trotzdem und danach ging es zu den verschiedensten Sehenswürdigkeiten. Schon auf dem Weg zum Altstädter Ring haben wir das geniale ‚Glühbirnentreppenhaus‘ im ‚Haus der schwarzen Madonna‘ gesehen. Es ist in echt sehr viel unspektakulärer, aber eben schön anzusehen.

Jetzt sollte es der Bücherturm in einer der vielen Bibliotheken Prags werden. Ebenfalls sehr spannend und toll anzusehen. Es entlockt jedem ein WOW wenn er reinschaut. Warum, das verrate ich nicht. Die Erfahrung müsst ihr selber machen.

Wir sind dann zum jüdischen Viertel weiter. Ein Klick auf den jüdischen Friedhof der aber in Gänze unspektakulär ist. Mir erschließt sich nicht wieso man sich für sowas in eine Schlange stellt und vielleicht noch Eintritt zahlt. Weiter ging’s durch die vielen schönen Gässchen und Straßen zurück zum Roller. Wir wollten weiter. Erstmal zum ‚Metronom‘ was wir aber dann doch links liegen gelassen haben weil wir erstmal keine Lust hätten die ganzen Treppen zu steigen.

Weiter ging es dann zur Ampelgasse und zur Karlsbrücke. Die Ampelgasse ist einfach der ampelgeregelte Zugang zu einem Restaurant direkt an der Moldau. Und das nur weil er so eng ist. In Fés in Marokko lachen die sich tot über solche Gassen. Da laufen die noch mit Karren durch. Wie dem auch sei, die Karlsbrücke war dann voll. Aber auch schön anzusehen. Wir sind bis etwas über die Hälfte gelaufen und dann umgedreht. Zurück zu den kleinen Gässchen rund um die Karlsbrücke. Hier ist alles sehr touristisch, aber schön. Durch Zufall haben wir die ‚John Lennons wall‘ gefunden. Eine sehr schön anzusehende Graffiti Wand die jeder nach Herzenslust besprühen darf. Hier ist viel Trubel aber eine schöne Stimmung und die Wand ist toll anzusehen.

Direkt um die Ecke war der ‚john Lennons pub‘ dessen Eingangsbereich aufgemacht war wie ein gelbes U-Boot mit dem Schriftzug, ihr ahnt es, ‚yellow submarine‘ auf der Wand. Sehr stylisch und wir hatten eh Durst also rein da. Ein Bierchen für uns beide und weiter ging’s. Zurück zum Roller, wir wollten ins Diplomatenviertel zur deutschen Botschaft wo 1989 quasi der Grundstein der Wiedervereinigung gelegt wurde.

Angekommen im Viertel haben wir geparkt. Wir hätten aber auch reinfahren können, doch dann hätten zwei Polizisten uns durchsucht. bzw. den Roller. Zu Fuss ist auch schön und so sind wir einfach reingelaufen. Nirgendwo sonst ist so wenig Sicherheit und alles so zugänglich an den Botschaften wie hier. Zwei Wachleute vor der us-amerikanischen Botschaft. Mehr nicht. Keine Poller, keine Sicherheitsvorkehrungen, nichts. Hier ist die Welt noch in Ordnung. An der deutschen Botschaft hätten wir sogar einfach Reinmarschieren können wenn wir wie Handwerker ausgesehen hätten. Dort wurde fleissig gearbeitet und alles für den 30. Jahrestag der DDR Flucht der Menschen die dann letztlich der Auslöser für die wende war, vorbereitet. Als Touristen hat man uns leider nicht reingelassen und das berühmte Trabbi Kunstwerk im garten der Villa war Dank zelten im garten für die Feier, auch von der Rückseite aus nicht mehr zu sehen. Schade.

Von dort ging es einmal um den Berg herum zum kleinen Eifelturm Nachbau. Muss man nicht gesehen haben aber der Park ist schön gemacht. Dann durfte der Roller endlich Mal wieder bergab fahren und es ging zum tanzenden haus. Am Tage Recht unspektakulär und lediglich architektonisch schön, wollten wir am Abend nochmal wieder kommen um es bei Nacht zu sehen.

Jetzt sollte es in den Rieger park gehen. Schenkt euch den. Es wird erzählt das man eine tolle Aussicht über die Stadt hätte und es dort einen tollen Biergarten gäbe. Den Biergarten gibt’s nicht mehr und der kleine der noch da ist, ist eher ein Kiffergarten. Gemütlich zwar aber auch ohne Aussicht. Überhaupt ist dieser Park schön aber dank Bäumen gibt es keinerlei Aussicht auf Prag. Frustriert sind wir also wieder runter in die Altstadt. Ich wollte jetzt unbedingt so eine süße TraditionsgebäckRolle namens ‚trdlnik‘ probieren.

9€ für 2 Stück voll mit Eis war dann wieder preiswert finde ich. Denn die Dinger sind sehr groß. Und es war sehr lecker. Normalerweise stehe ich ja nicht so auf Süßigkeiten, aber das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Noch ne Runde über den Markt und wieder zurück zum Roller. Der Abend brach rein und wir wollten zum Ufer der Moldau um die Abendstimmung zu genießen und ein paar schöne Fotos zu schießen.

Voll war es auch hier, aber wir haben noch Plätze am Geländer gefunden. Es war noch zu hell und so mussten wir 1,5 std warten bis die Beleuchtung überall angeschaltet war und es wirklich schön wurde. Nach ein paar Fotos und weil es so langsam etwas kühler wurde, haben wir uns dann noch zum tanzenden Haus aufgemacht und das sah dann ins der Abendbeleuchtung wesentlich schöner aus. Auch hier, ein paar Fotos, die Stimmung genießen und dann nach fast 11 Stunden in der Stadt, wieder zurück zum Womo.

Völlig kaputt habe ich noch ein paar Bilder gesichtet, Bilder gesichert und noch ein wenig was gepostet und bin dann um 23 Uhr ins Bett wo Alex schon seit einer Stunde lag.

27. September 2019

Eine unruhige Nacht mit viel Wind und Regen bescherten mir einen unruhigen Schlaf. Trotzdem haben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück und dem ersten blauen Himmel der sich zwischen den Wolken zeigte, langsam aufgemacht mit dem Roller die Prager Burg zu besichtigen. Die Fahrt dorthin war wie immer mit dem Roller sehr spaßig und problemlos, denn der Verkehr nervt ja nicht.

Angekommen kamen uns schon Horden von Touristen, meist Asiaten, entgegen. Wir hatten halb 10 und wunderten uns wie diese Menschenmengen schon fertig sein konnten mit der Besichtigung. Oben angekommen mussten wir durch die erste Sicherheitskontrolle mit Taschenkontrolle unseres Urlaubs. Das lag mutmaßlich daran dass das Burggelände auch den Präsidentenpalast des amtierenden Tschechischen Präsidenten beinhaltet. Abgesehen vom Burggelände kostet hier alles Eintritt. Sogar die Gasse wo Kafka mal in Hausnummer 22 gewohnt hat, kostet Eintritt. Wir schenken uns das, das Gelände ist ansehnlich genug und Touristenabzocke hatten wir ja gestern schon.

Als wir an der Seite der großen Kirche ankamen, wo auch der Balkon des Präsidentenpalastes ist, war dort das Ende einer Schlange die um die Kirche rumging zum Eingang der selbigen. Alex wollte zwar gerne in die Kirche, ich stelle mich aber in so eine Schlange nur um zu sterben, nicht um die 200. Kirche in meinem Leben zu besichtigen. Wir sind also weitergedackelt und haben dann noch zufällig die Wachablösung am eigentlichen Haupteingang gesehen. Nichts besonderes in meinen Augen, steht aber in den Touriführern drin. Witzigerweise läuft ein Stück vom Haupteingang entfernt eine öffentliche Straße entlang, dort gibt es aber keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. Sehr kurios das ganze.

Das Burggelände ist ansonsten eher unspektakulär, auch wenn es das größte geschlossene Burgareal der Welt sein soll. Wir sind dann zurück zum Roller und dann zum Wenzelsplatz. Das ist eine lange Straße wo immer viel Trubel ist. Der Platz in der mitte der beiden Fahrspuren wird wohl immer für alles mögliche genutzt. Hier stehen gute Hotels und gute Restaurants. Ausserdem gibt es hier das ‘Cold War Museum’ und eine kurze Nachfrage im Hotel Jalta, worunter sich der Atombunker befindet worin das Museum ist, ergab das die Touren regelmässig stattfinden. Wir hatten viertel vor 12 und um 13 Uhr sollte die erste Tour starten. 8€ Eintritt waren für uns auch ok und wir waren erstaunt über das preisgünstige. Ansonsten ist in Prag einfach alles ziemlich teuer.

Um die Zeit zu nutzen und weil wir schon hungrig waren haben wir ein Restaurant aufgesucht und nach dem studium der Karte, welche sehr gut aufgemacht und in 3 Sprachen, darunter Deutsch, verfasst war, haben wir uns für Essen entschieden. 45€ inkl. Trinkgeld sind in unseren Breitengraden in einem Restaurant absolut angemessen für gutes Essen. Das Essen war excellent und das Geld absolut wert. Weil wir etwas Zeitdruck hatten da ja um 13 Uhr die Führung losgehen sollte und wir ein wenig früher da sein sollten um zu bezahlen, habe ich das Essen und die Getränke schon vorab bezahlt damit wir schnell gehen konnten nach dem Essen. Soviel Zeitdruck war aber gar nicht nötig, denn alles lief ruhig und gechillt ab und wir waren ohne Stress 15 minuten vor 13 Uhr im Hotel Jalta und warteten nun auf den Guide.

Der erschien aber leider nicht nur nicht pünktlich, bis 13:15 Uhr war er immer noch nicht da. Ich hasse es wenn man Menschen warten lässt weil das absolut Respektlos ist und so haben wir uns entschieden unseren Urlaub hier zu beenden. Nach dieser Tour wollten wir eh zum Womo zurück, einpacken und uns auf den langen Heimweg machen, so haben wir das jetzt eben vorverlegt.

Ab auf den Roller und zurück zum Womo. Den Roller verladen, alles einpacken und verstauen, Noch schnell ein Abschlußvideo für Youtube machen, das Navi programmieren (754km) und dann gings auch schon los. Von Prag bis Deutschland ist es nicht sehr weit. Da der Preis an der Tankstelle gerade sehr niedrig war, haben wir auch noch eben in Prag vollgetankt für 32,90 CZK was ungefähr 1,27€ entspricht und dann entgültig die Stadt verlassen. Schöne Landschaft begleitete uns von da an. Vorbei an Dresden, Gera, Jena usw. usf. Nach 400km brauchte ich eine Pause und wir wollten eh zu Abend essen. Das Womo brauchte mal wieder ein bischen Sprit und so hab ich ne Tankstelle rausgesucht.

Willkommen in Deutschland! Beim Tankvorgang hat Alex vorbildlich unseren Müll in eine große Mülltonne am Rand der Tankstelle entsorgt. Trotzdem wurde sie angemacht von der Kassiererin das diese Tonnen nicht für unseren Müll gedacht wären. Das ist uns in Polen in mehr als 2 Wochen nicht einmal passiert. Ein Land wo es quasi keinen wilden Müll gibt. Überall stehen Mülltonnen und Dixiklos rum. Auf jedem noch so kleinen Parkplatz. Ein Vorbild für uns!

Egal, wir haben uns dann in der Nähe der autobahn an den Rand gestellt und erstmal gekocht. Dazu ne Kanne starken Kaffee für die letzten 400km und dann ging es auch schon weiter. Das Navi prognostizierte jetzt schon 23:50 Uhr als Ankunftszeit. Letztlich waren wir fertig und kaputt aber um 00:15 Uhr am Ziel. Wieder zu Hause. Jetzt nur noch rein, das nötigste eingepackt und morgen wird das WoMo ausgeräumt.

Fazit:

Polen ist ein tolles Land. Wenn wir nochmal in die Masuren zum paddeln fahren dann aber im Mai/Juni wenn das Wetter hoffentlich weniger windig und regnerisch ist. Wir haben ausschließlich nette und tolle Menschen getroffen und kennengelernt. Es ist für unsere Verhältnisse alles sehr viel preiswerter dort so das man Polen als Urlaubsort für das kleine Budget auf jeden Fall auch in die enge Wahl einbeziehen sollte. Die Ostsee ist eine eigene Reise wert, hier ist es im Sommer wie in der Karibik. Türkises Meer und weiße Sandstrände gibt es hier kilometerweit.

Man könnte sich noch viel mehr ansehen. Wenn man auf Städtereisen steht würden sich Krakau, Warschau, Katowiz, Lodz und viele andere Städte noch anbieten. Sicherlich kann man ein Land in so kurzer Zeit nicht vollständig kennenlernen, aber der Eindruck täuscht nach dieser Zeit nicht mehr. Leider ist Polen aber abseits der großen Städte auch recht Arm an Sehenswürdigkeiten wenn man mal von den Naturparadiesen absieht. Das ist aber auch auch wirklich der größte Nachteil an diesem Land.

Für freistehende Wohnmobile ist es in Polen so leicht wie in keinem bislang von mir bereisten Land. Es gibt überall Platz und niemand stört sich an einem. Seen ohne Ende an denen man meistens auch schön Platz findet. Frischwasser ist dafür ein größeres Problem. Wir haben herausgefunden das es an den meisten Tankstellen die auch Infrastruktur für Trucker anbieten (gekennzeichnet meistens mit TIR) auch Wasserhähne gibt und man sich dort gut versorgen kann. Nachfragen wurde niemals abgelehnt.

Statistik:

  • 4877km Gesamtstrecke mit dem Womo
  • ca 400L Frischwasser verbraucht
  • 30km gepaddelt
  • 18,5kg Gasverbrauch
  • 19km gewandert am Morskie Oko
  • Alex hat 6 Bücher gelesen
  • Björn hat 1 Buch gelesen
  • 1592,13€ Gesamtreisekosten
  • davon 672,71€ für Diesel
  • 533,12 ltr Diesel
  • 10,88 ltr/100km Durchschnittsverbrauch
  • 15€ Mautbebühren
  • über 2000 Fotos
  • 26 A4-Seiten Reisebericht
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