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Was machen wir im Herbst? 9 Tage Zeit und die Frage wohin es gehen sollte nach unserem 23 tägigen Italien Trip. Es sollte nicht so weit sein, so das wir viel von den 9 Tagen zum besichtigen und Urlauben nutzen konnten. Die Entscheidung fiel recht schnell auf die Normandie.

Italien war Alex´ Wunsch so war ich jetzt mal wieder an der Reihe. Und mich reizte die Gegend und die Geschichte der Normandie schon seit langem. Und auch wenn das Wetter dort Ende Oktober, Anfang November sicherlich nicht mehr sommerlich sein würde, so war uns das egal weil wir ja in Italien mehr als reichlich Sonne getankt hatten.

Die Entscheidung fiel allerdings erst nach Italien und so blieb nicht soviel Zeit um Pläne zu machen wo es überall hingehen könnte. Da ich aber wie bereits erwähnt, schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken an eine Reise in die Normandie spiele, habe ich natürlich bereits vorgearbeitet. Diese Liste musste also nur weitergeführt bzw. ergänzt werden. Vor allem um potentielle Übernachtungsmöglichkeiten.

Am Samstag den 27. Oktober fand noch die Orientierungsrallye statt die mein Vater mir zum 40. Geburtstag geschenkt hatte. 10 Teams a 2 Personen und ein 6er Team in der Organisation haben den Tag unvergesslich gemacht. Das WoMo war zu dem Zeitpunkt allerdings bereits vorbereitet so das wir Sonntag Mittag nur noch ein paar persönlichen Kram einräumen mussten und es dann direkt losgehen konnte.

– Sonntag, 28. Oktober 2018 –

Und los gehts direkt auf die Autobahn durch Belgien in Richtung Charleroi um dort die Französische Grenze zu passieren. Unser erstes Ziel war gut 560km weit weg, aber weil man mit dem WoMo reist und nicht rast war es nicht sicher ob wir den Punkt auch erreichen. Nun gut, Ende Oktober wird es schon recht früh dunkel und so sind wir bis in die Nacht rein gefahren. Da wir ja ausschlafen konnten an diesem Morgen, stellte sich auch keinerlei Müdigkeit ein und so sind wir um ca 21 Uhr tatsächlich dort angekommen wir ich mir als erstes eine Markierung gesetzt hatte. Leider war dort kein Weg den man hätte mir dem WoMo befahren können, so das Plan B in Kraft trat. Ich bin also den zweiten Punkt angefahren und dort war zwar ein Weg, aber auch eine Schranke. Wie sich im Nachhinein rausstellte war das auch gut so, denn den Weg wären wir mit dem WoMo niemals heile runter, geschweige denn wieder rauf gekommen.

Also musste tatsächlich Plan C herhalten. Plan C war zweigeteilt denn direkt nebeneinander lagen zwei interessante Plätze. Da der erste davon ein WoMo Verbotsschild hatte, war dann der zweite Platz derjenige den wir dann gegen 21:30 Uhr für unseren Nachtlagerplatz erkoren. Wir waren am ‚Phare du Antifer‘ angekommen. Hier kann man wunderbar oberhalb der Steilküste mit Blick auf den Ärmelkanal, nächtigen. Ich habe selten oder wahrscheinlich noch nie, einen schöneren Blick genossen morgens aus dem Fenster des Alkoven.

Die erste Nacht war sehr ruhig, der Wind war erträglich, obwohl die Normandie für recht starke Winde bekannt ist. Wir haben den Abend sehr gemütlich ausklingen lassen und haben eine entspannte Nacht verbracht. Die Heizung brauchten wir allerdings schon, denn es war teilweise nur noch 2 Grad kalt. Aber die funktionierte wie immer zuverlässig und nachdem ich ja Ende 2017 das neue Thermostat eingebaut habe, passt auch die Temperaturregelung ziemlich gut. Es ist schon sehr gemütlich im Womo wenn es draussen frostig ist und drinnen mollig warm. Schön mit nem kalten Bier und wenn es nicht dunkel ist, auch noch mit bestem Ausblick.

– Montag, 29. Oktober 2018 –

Den konnten wir dafür am nächsten Morgen genießen, es war immer noch gemütlich warm im WoMo denn die Heizung macht schön schnell wieder warm nachdem sie ja Nachts auf rund 15 Grad runtergedreht wird. Bei einem (oder mehreren) Kaffee und bestem Wetter mit teilweise blauem Himmel, haben wir mit dem Blick aufs Meer den Tag geplant. Allerdings wollte ich als erstes, noch beim ersten Kaffee, die Drohne steigen lassen um mir alles mal von oben anzusehen und ein paar Fotos zu machen. Eine grandios schöne, leicht zerklüftete, Landschaft tat sich mit dem Blick aus luftigen Höhen vor mir auf. Eine wunderschöne Gegend wo wir hier gelandet sind, nicht weit weg von der Stadt ‚Etretat‘. Und diese war auch unser nächstes Ziel. Allerdings zu Fuß an der Küste, bzw. oben auf den Steilklippen entlang.

Nach kurzer Recherche das die Wanderung in etwa 6km sind und gut 1 Stunde dauert, haben wir uns entschieden nicht mit dem Roller nach Etretat zu fahren um von dort aus zurück zum WoMo zu laufen und dann später den Roller wieder zu holen, sondern wir wollten hin und zurück laufen. Ein Fehler wie sich später herausstellen sollte, aber dazu komme ich noch. Nachdem ich also die Drohne bewegt hatte, noch 2 Kaffee in den Kopf geschüttet hatte und Alex fertig gefrühstückt hatte, haben wir uns Wetter und Windfest angezogen, Kamera, Drohne und Getränke eingepackt und uns auf den Weg gemacht.

Direkt am Anfang begegnen einem Bunker aus den Kriegstagen die diesen Landesteil Frankreichs so berühmt gemacht haben. Ein kurzer Blick hinein und weiter gehts. Die Aussicht ist wirklich unglaublich grandios. Teilweise läuft man nur wenige Meter neben dem Abgrund der Klippen entlang die geschätzte 100m in die Tiefe gehen. Dann geht es aber steil bergab zu einem Einschnitt der auch die Möglichkeit bietet über eine Treppe bis unten ans Wasser zu gehen. Wir sind nicht dort runter gelaufen. Allerdings ging die Wanderung auf der anderen Seite genauso steil wieder hoch wie zuvor nach unten war sehr anstrengend war und Zeit gekostet hat. Das eine Stunde für die 6km nicht machbar sind war uns spätestens jetzt klar. Weiter gings also oben auf dem Kamm der Steilklippen, immer mit der grandiosen Aussicht auf die tolle Natur und die Weiten des Ärmelkanals.

Abermals ging es dann steil bergab, wieder mit der Möglichkeit bis ans Wasser zu gehen über einen befestigten Einschnitt in zwischen den Felsen. Diesmal sind wir bis unten gegangen und es tat sich, allerdings bei gerade herrschender Ebbe, ein großer, wunderschöner Strand vor uns auf. So groß das man auch nen ganzes Stückchen in beide Richtungen laufen konnte wenn man wollte. Wir haben hier das Meer und seine tolle Brandung genossen und uns fasziniert die Steilküste von unten angesehen. Die Auswaschungen in den Felsen und die sichtbaren Gesteinsschichten sind einfach toll anzusehen.

Von dort aus allerdings ging es nicht nur wieder hoch vom Strand, sondern auch noch wieder steil hoch bis auf den Kamm der Klippen. Danach brauchten wir beide wieder ein Sauerstoffzelt und die Stunde wandern hatten wir schon längst gerissen. Und das nach nichteinmal der Hälfte des Weges. Jetzt kam zwar nur noch ein solcher Einschnitt und der sollte auch nicht so tief runter gehen, aber dafür war es sehr windig und der Weg noch ordentlich weit. Ausserdem wurden jetzt erst die Klippen richtig interessant denn es gab jetzt diese Ausläufer wo man bis vorne gehen konnte und quasi wie so eine Drohne den Blick von weit draussen auf die Küsten und die Klippen genießen kann.

Wirklich atemberaubend diese Aussicht. Bis Etretat gibt es drei dieser Ausläufer und von dem mittleren hat man, wenn man in Richtung Etretat blickt, eine sehr bekannte und tolle Aussicht auf ein Felstor was sich im laufe der Jahrhunderte gebildet hat. Auch dort sind wir hingelaufen und haben von dort oben den Blick auf die Stadt Etretat genossen welche jetzt zu dieser Jahreszeit aber natürlich eher im Winterschlaf liegt. Relativ wenig Tourismus so das einige Restaurants und Geschäfte zu hatten, die allermeisten aber offen waren und keinesfalls überlaufen. Man hätte fast überall noch problemlos einen Tisch bekommen können.

Wir haben uns überlegt wie es weiter geht. Die Wanderung war anstrengend und wir hatten beide keine Lust diese Strecke zurück zu laufen. Also blieben zwei Möglichkeiten. Ein Taxi nehmen oder aussenrum zurücklaufen was nur unwesentlich mehr Strecke ist, aber weniger Anstrengung versprach. Dann hatten wir überlegt vor dem Rückweg noch was zu Essen, aber als wir uns für ein Restaurant entschieden hatten, hatten wir das einzige erwischt was keinen Tisch mehr frei hatte. Pech gehabt, also haben wir uns für das Taxi entschieden und begannen ein Taxi zu suchen.

In unserer heutigen Zeit wusste ich nicht das es schwer sein könnte ein Taxi zu finden, aber in Etretat gibt es eine einzige Taxihaltestelle für ein einziges Taxi. Und das kommt nur auf Anruf … in etwas mehr als 1,5 Std. Das war uns zu lange und so haben wir dann nach etwas längerer Überlegung die Entscheidung gefällt außen herum zum WoMo zurück zu laufen. Anstrengend war das auch, denn auch außenrum ging es bergauf, bergab und das teilweise auch recht steil. Im Nachhinein wären wir wahrscheinlich genauso gut wieder an der Küste entlang gelaufen. Nach etwas mehr als 12km insgesamt waren wir wieder am WoMo, total platt vom Wandern und geflasht von den Eindrücken die wir erlebt haben und die erst einmal verarbeitet werden wollen.

Die Entscheidung das wir eine zweite Nacht dort bleiben ist schnell gefallen da wir beide geschafft waren. Also schnell Wohlfühlklamotten an, Bierchen auf und Essen auf den Tisch. Der Abend war wegen totaler Erschöpfung sehr kurz für uns beide. Die Nacht wurde allerdings unruhig. Gefühlt hatten wir Windstärke 8 und zumindest ich bin mehrere male in der Nacht wach geworden weil wir wirklich ordentlich durchgeschüttelt wurden. Ein WoMo was Abends noch in der Nähe stand, muss in der Nacht weggefahren sein, denn morgens war es nicht mehr da. Es war auf jeden Fall eine unruhige und ungemütliche Nacht.

– Dienstag, 30. Oktober 2018 –

Belohnt wurden wir nach dieser Nacht leider auch nicht mit gutem Wetter, sondern es regnete leicht und der Himmel war komplett grau. Aber gut, das kann uns die Laune nicht verderben. Kaffee aufgesetzt und los gehts mit Plänen für den Tag. Nach einer Stunde Frühstücken und überlegen sind wir zu dem Schluß gekommen das wir ein paar alte Schiffswracks in der Nähe von ‚le Havre‘ anfahren und von dort aus über den ‚Pont du Normandie‘ nach ‚Honfleur‘ fahren, uns dort kurz umsehen und dann quer rüber an den Rand der Bretagne zu fahren und uns den ‚Mont Saint Michel‘ anzusehen.

Gesagt getan, sind wir also nach dem Kaffee aufgebrochen auf die Kurze Fahrt zu den Wracks. Die ganze Zeit hat es leicht geregnet. Also haben wir uns Regenklamotten angezogen nachdem wir geparkt hatten und sind dann mit leichtem Gepäck losgelaufen. Die Wracks sind an einem Meeresmuseum Names ‚Aquacaux‘ und liegen bei Ebbe komplett frei am Strand, während sie bei Flut fast nicht mehr zu sehen sind. Um dort hin zu gelangen muss man allerdings gute 450 Stufen runter laufen. Die Treppe war teilweise sehr steil und der Gedanke das wir da hinterher auch wieder hoch müssen war nicht angenehm. Aber das ist auch alles machbar und so sind wir irgendwann unten angekommen.

Zunächst wollten wir von der Östlichen Seite des Piers auf den Strand und zu den Wracks gelangen. Dort waren aber Hindernisse die bei der kommenden Flut nicht mehr zu überwinden waren. Also sind wir nochmal komplett auf die Westliche Seite des Piers gelaufen und von dort direkt zu den Wracks gelangt. Ein Schauspiel sondergleichen während die Flut die Wracks immer mehr verschluckt und mit teilweise meterhohen Wellen für grandiose Fotos sorgt.

Irgendwann hat die Flut den Strand soviel überspült das wir zurück auf den Pier mussten. Ein paar Fotos von schräg oben noch und wir haben noch ein paar Minuten das Schauspiel genossen bevor wir dann langsam den Rückweg hoch zum WoMo angetreten haben. In der Zwischenzeit hatte es komplett aufgehört zu regnen. Nass waren wir trotzdem als wir oben ankamen. Durchgeschwitzt!

Ein Kaffee zur Stärkung bevor wir aufgebrochen sind in Richtung ‚Honfleur‘. Der Pont du Normandie ist eine beeindruckende Brücke und zur Zeit seines Baus war es die längste Schrägseilbrücke der Welt. Heute (2018) ist das die ‚Russki-Brücke‘ Bei ‚Wladiwostok‘ über den ‚Östlichen Bosporus‘. Die Überfahrt kostet mit dem Wohnmobil 6,80€ für die einfache Fahrt. Für PKW sind die Gebühren mit 4,30€ geringfügig niedriger. Direkt nach der Brücke geht es von der Autobahn runter nach Honfleur.

Honfleur ist ein sehr kleines und beschauliches Städtchen auf der anderen Seite der Seine ggü. Von Le Havre. Eine alte Havenstadt mit einem wirklich wunderschönen Altstadtkern. Definitiv eine Reise Wert, aber uns war hier jetzt zuviel los und wir haben beschlossen auf der Rückreise hier anzuhalten und uns hier umzusehen. Ohne große Pause sind wir also auf dem Landweg die rund 200km in Richtung ‚Mont Saint Michel‘ gefahren. Da wir heute schon recht früh losgefahren sind, waren wir am späten Nachmittag bereits am Ziel und haben direkt nach einem Nachtlagerplatz ausschau gehalten welcher aber in Rollerreichweite zum Klosterberg sein sollte. Wir sind direkt an der Landstraße fündig geworden und haben uns häuslich eingerichtet. Da hier um diese Jahreszeit nicht viel Verkehr herrscht war es zu keinem Zeitpunkt ungemütlich auf dem Parkplatz. Da wir erst gut 17 Uhr hatten und es noch 2 Stunden Zeit war bis es dunkel werden sollte, haben wir kurzerhand den Roller abgeladen und sind aufgebrochen um uns den Berg schon einmal am Abend anzusehen.

Die Fahrt von knapp 6km war unaufregend, aber als wir dann dort ankamen ging mein Puls direkt in die Höhe. Sogar für Roller und Fahrräder ist dort alles gesperrt. Nun halten mich solche Sperren nicht auf normalerweise, aber in diesem Falle habe ich die erste Erkundungsrunde gedreht und bei der Zweiten Runde, als ich gerade durchfahren wollte durch ein Gebüsch, fuhr die Polizei um die Ecke. Ich bin dann auf einen regulären Parkplatz (Wo man mit einem Roller auch nur draufkommen wenn man unter der Schranke durchschiebt!) und von dort aus über eine breite Allee zu einem Hotel was direkt am Zugang zum Saint Michel liegt. Wir haben also gerade den Roller geparkt da kommt die Polizeistreife von eben, sieht uns und kommt auf direktem Wege zu uns.

Glücklicherweise konnte der eine Polizist von dreien sehr gut Englisch, so das die Verständigung kein Problem war. Er fragte uns wie wir hier reingekommen wären und ob wir den Roller über einen Zaun gehoben hätten. Das hab ich natürlich verneint und ihm gesagt das wir einfach hier reingefahren sind. Kein Zaun und nix. Er sagte uns dann das wir hier nicht rein dürfen, aber fragte auch wie lange wir bleiben wollen. Viel war eh nicht los, sonst hätten die sicher nicht so entspannt reagiert, denn sie erlaubten uns dann für 2-3 Stunden dort zu parken und haben uns gehen lassen. Top! Ich habe mir natürlich dann direkt eine Zufahrt nach hier für den nächsten Tag gesucht und die Ausfahrt die wir später nehmen würden war dann auch unsere Einfahrt für morgen. Sehr viel kürzer und unkomplizierter als unser erster Weg. Aber natürlich auch mit Risiko für Ärger. Nur will ich nicht kilometer laufen und mit einem Roller weit ab parken. Dafür hab ich das Ding ja, um bis nah dran zu fahren und überall einen Parkplatz zu haben.

Wir sind dann auf jeden Fall an die Bushaltestelle für die Shuttlebusse zum Berg gelaufen und direkt kam auch ein Shuttle was uns in gut 5 Minuten entspannt zum Mont Saint Michel gebracht hat. Wenn man den Berg das erste mal so aus der Nähe sieht ist das ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Aber trotz der Jahreszeit und der Uhrzeit war hier immer noch relativ viel los. Wir haben ein paar Fotos gemacht und sind dann rein in die Stadtmauern des Berges. Sehr beeindruckend und alt. Sehr gepflegt aber absolut touristisch. Alles hier ist auf Tourismus ausgelegt. Bankautomaten an allen Ecken, Fresstempel und Souveniershops. Einer am anderen dran. Durch die engen Gassen waren die Menschen die hier waren dann doch noch recht dicht gedrängt. Ich will nicht wissen wie es im Sommer hier ist, aber ich werde es erleben. Im Sommer 2019 geht es nochmal auf einen kurzen Abstecher zum Mont Saint Michel. Wir wollten das Kloster selber eigentlich noch besichtigen, die hatten aber schon geschlossen. Das war für uns nicht so schlimm weil wir ja am nächsten Tag nochmal wieder kommen wollten. Auch um den Berg von der Flut umspült zu sehen. Also haben wir den Abend noch schlendernd durch die Gassen ausklingen lassen und sind dann in der Dunkelheit zurück zum WoMo um dort den Abend sehr relaxed ausklingen zu lassen.

Die Pläne für den nächsten Tag waren schon relativ klar. Wir wollten früh aufstehen um spätestens um 10 Uhr am Berg zu sein, denn um 11 Uhr sollte der Höchststand der Flut sein. Leider so niedrig das der Berg nicht umspült werden würde, aber trotzdem hoffentlich schön anzusehen.

– Mittwoch, 31. Oktober 2018 –

Eine sehr ruhige und gemütliche, aber auch sehr kalte Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, haben wir verbracht. Die Temperaturen haben uns einmal mehr die gute Heizung im WoMo schätzen lassen, hatten wir es doch durchgehend gemütlich warm im WoMo. Wie gesagt sind wir früh aufgestanden, haben zügig gefrühstückt und haben uns dann dick eingepackt auf den Roller gesetzt. Die Ausfahrt von gestern Abend hatte sich bewährt und um die Uhrzeit ist da eh noch nix los, so das wir die einfach wieder genutzt haben um an der gleichen Stelle den Roller zu parken. Diesmal allerdings haben wir den Roller so hingestellt das er nicht direkt von der Straße aus zu sehen ist. Man muss ja nicht auffallen.

Wir sind diesmal nicht mit dem Shuttle zur Insel gefahren sondern gelaufen. Das hatte zwei Gründe. Erstens wollten wir die Natur drumherum auch mal sehen und zweitens wollte ich mit der Drohne hoch und ein paar Fotos machen. Da das direkt am Berg verboten ist, wollte ich das etwas weiter weg von den Menschen machen so das ich keinen gefährde und auch nicht auffalle. Die Bilder von dort Oben sind so gut geworden das sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt hat.

Während wir in Richtung Berg gewandert sind, haben wir dem Wasser beim steigen zugesehen und in der Hoffnung auf einen komplett umspülten Berg immer weiter abgewartet. Leider war irgendwann Ende mit steigendem Pegel und wir mussten die Hoffnung begraben. Aber so schlimm war das nicht. Es war trotzdem super anzusehen und ist ein Grund nochmal wieder zu kommen wenn die Flut sehr hoch ist und der Berg komplett umspült ist.

Da wir das Kloster ja noch nicht besichtigt hatten, sind wir dann geradewegs hoch zum Eingang gelaufen. Dort war tatsächlich eine kleine Schlange, aber die Wartezeit von gut 10 Minuten bis wir Eintrittskarten kaufen konnten war absolut zu verschmerzen. Die Besichtigungstour beginnt mit der Geschichte des Klosters auf dem Berg und geht dann durch die einzelnen Sääle und Hallen des Klosters. Durch teils auch sehr enge Gänge und schmale Treppenhäuser. Es ist alles sehr verwinkelt so das man sich hier, wenn nicht ein gutes Leitsystem da wäre, auch gut mal verlaufen könnte. Alles in allem ist das Kloster seinen Eintritt von 10 € p.P. absolut Wert und sollte für jeden Besucher des Berges Pflicht sein.

Nach der Besichtigungsrunde sind wir relativ zügig zurück zum Roller und damit zum WoMo. Mittagessen, denn es war ja schon rund 14 Uhr. Unser Plan von dort aus die Küste zurück hoch zu fahren und uns irgendwo einen Platz zu suchen wo wir bleiben können änderte sich unterwegs als wir gemerkt haben das wir es bis zum ‚Dead Mens Corner Museum‘ schaffen können welches wir am nächsten Tag gerne besichtigen wollten. Damit wollten wir dann auch endgültig in die Geschichte dieser Gegend eintauchen. In der nähe des Dead Mens Corner Museum gab es einen kleinen Pendlerparkplatz den wir für die Nacht genutzt haben.

– Donnerstag, 1. November 2018 –

Obwohl auch dieser Parkplatz direkt an einer Landstraße liegt haben wir ebenfalls eine sehr ruhige und entspannte Nacht verbracht. Auch heute ging es wieder relativ früh raus, denn wir haben und die ‚D-Day Experience‘ sowie das ‚Dead Mens Corner Museum‘ auf die Fahnen geschrieben und wollten dann weiter nach ‚Saint Mere Eglise‘. Von dort aus sollte es dann zum ‚Utah Beach‘ gehen, einem der Hauptschauplätze der Alliierten Landung in der Normandie am 6. Juli 1944.

Gesagt getan, Kaffee und Brot, danach die 1,5km zum Museum gefahren, Eintrittskarten gekauft und rein. Sehr beeindruckend wird hier die Geschichte des Ende des zweiten Weltkriegs hier am Dead Mens Corner erzählt und ist mit vielen Szenen authentisch nachgestellt in dem alten Haus direkt an der Kreuzung. Es bringt einem das Elend des Krieges schon Recht nahe und geht spätestens wenn man dann nachfolgend in der D-Day Experience ist unter die Haut. Hier erlebt man in einer Art 3D Kino zunächst eine Einsatzbesprechung und dann in einem Originalen alten Flugzeug den Flug der Fallschirmspringer über den Ärmelkanal unter feindlichem Feuer bin hin zum …. nein, erlebt es selber. Das Flugzeug ist interaktiv und bewegt sich originalgetreu wie auf diesem Flug. Alle Fenster sind Monitore die wirklich die Atmosphäre erzeugen als ob man in diesem Flieger säße.

Das alles ist sehr sehr beeindruckend und macht Nachdenklich. Wir sind dann gefahren. Saint Mere Eglise stand auf dem Programm. Auch hier gibt es ein Museum. Es ist nicht annähernd so liebevoll und gut gemacht wie das am Dead Mens Corner, aber trotzdem sehenswert. Auch wenn ich den Eintritt in Höhe von 9,90 € p.P. etwas zu hoch für das Gebotene empfinde. Nichts desto trotz ist es ebenfalls sehr sehenswert und die berühmte Kirche im Dorfkern ist ebenfalls ein Foto wert. Von hier aus hat es uns aber auf direktem Wege nach Utah Beach gezogen.

Wir haben das WoMo kostenlos geparkt auf dem großen Parkplatz direkt am Strand. Im Sommer ist der wohl für Wohnmobile nicht freigegeben, aber jetzt im Winter waren die Höhenbegrenzungen weg und man konnte drauf fahren. Da auch nicht viel los war, war es komplett problemlos einen Parkplatz zu finden. Also ab an den Strand und die dort stehenden Sehenswürdigkeiten und Mahnmale. Hier kommt nicht wirklich eine Stimmung auf. Das daneben liegende Museum haben wir uns gespart, da wir ja schon 2 Museen besucht hatten heute.

Nach einer guten Stunde gemütlichen schlenderns haben wir uns überlegt das wir ein Stückchen weiter über Nacht bleiben wollen. Fast direkt am Meer und hier sollte es riesige Austernfelder geben. Die haben wir zwar an dem Tag nicht mehr gesehen, aber wir haben auf einem kleinen Parkplatz am Strand einen guten Platz für die Nacht gefunden. Da sich hier auch der Verteidigungswall der Deutschen befand waren die Dünen komplett voll mit Bunkern. Kleinere und größere. Die meisten allerdings nur noch zu erkennen und komplett verschüttet. 2 allerdings noch begehbar. Sehr unspektakulär aber noch sehr gut erhalten.

Direkt hinter der Düne war es angenehm windstill und so sollte der gemütliche Abend auch ein sehr ruhiger werden. Pläne für den nächsten Tag wurden gemacht so das es am Freitag wohl weiter an der Küste entlang gehen sollte hin zu den anderen berühmten Stränden, allen voran ‚Omaha Beach‘ wo die größte und härteste Schlacht der Invasion geschlagen wurde. Aber auch den ‚Pont du Hoc‘ und die Batterie von Artilleriekanonen bei ‚Longues sur Mer‘ standen auf dem Plan für den Tag.

– Freitag, 2. November 2018 –

Die Nacht war erwartungsgemäß sehr ruhig und entspannt. Wir haben ausgeschlafen da es keinen Grund gab irgendwo besonders früh zu sein. Nach einem ausgiebigen und entspannten Frühstück haben wir uns aufgemacht an der Küste, entlang der schönen Landschaft und kleinen Ortschaften in Richtung ‚Pont du Hoc‘. Hier ist eine Spezialeinheit des Ranger Batallions damals gelandet und hat, weil viel schief gelaufen ist im Vorfeld massive Verluste erlitten, auch weil sie erst die Steilklippen hoch mussten um angreifen zu können. Noch heute Zeugen unmengen an zerstörten Bunkern und Bombenkratern von dem heftigen Kampf der hier getobt haben muss damals. Der Eintritt ist frei und eine Wanderung über das Gelände ist nachhaltig beeindruckend. Ebenfalls ein absolutes Muss für jeden Normandietourist.

Weiter gings entlang der Küste zum ‚Omaha Beach‘. Dieser berühmteste Strand ist auch gleichzeitig der größte mit einer beeindruckenden Küstenstraße. Ein großes Mahnmal in mitten des Ortes direkt am Strand zeugt von den schrecklichen Ereignissen die hier 1944 stattfanden. Auch hier gibt es natürlich ein Museum, aber Alex hatte keine Lust mehr auf ein weiteres Museum und so bin ich alleine rein. Auch hier wieder sehr viele Szenen nachgestellt wie das Leben damals war, aber bei weitem nicht so liebevoll wie bspw. Die ‚D-Day Experience‘. Der Eintritt ist allerdings human und so kann man sich dieses Museum guten Gewissens ansehen wenn man eh in der Gegend ist.

Wir sind weiter gefahren zum Amerikanischen Soldatenfriedhof in der Normandie, direkt am Omaha Beach gelegen. Der Friedhof kommt am Anfang des Films ‚Der Soldate James Ryan‘ vor. Ein sehr großes und ebenfalls beeindruckendes Areal welches mit ein paar Schaubildern veranschaulicht was an dem 6. Juni 1944 alles passiert ist und wie die Operation Overlord funktionierte. Unzählige Kreuze zeugen von den tausenden Toten die dieser Krieg alleine bei der Landung in der Normandie gefordert hat.

Von dort aus ging es zu den Artilleriebatterien bei ‚Longues sur Mer‘. Davon sind sogar 3 Stück noch einwandfrei erhalten so das man einen guten Eindruck von diesen schrecklichen Waffen bekommt. Dort in der Nähe gibt es einen kleinen Parkplatz wo man direkt oben an der Steilküste gut stehen kann. Ein paar andere Wohnmobilisten hatten zwar die gleiche Idee, aber wir konnten uns abseits genug stellen so das wir weder jemanden gestört haben (Obwohl ich glaube das die das nicht gestört hätte, denn die anderen 5 Wohnmobile haben sich wirklich direkt nebeneinander gestellt, obwohl Platz genug war das jeder seinen Raum gehabt hätte.), noch uns jemand gestört hat. Mit Blick aus dem Fenster auf den Kanal hatten wir einmal mehr einen grandiosen Schlafplatz gefunden.

Da das Jahr 2018 für uns recht anstrengend war wegen der vielen Reisen und weil wir einfach viel gesehen haben, stellte sich so langsam etwas ermüdung ein und wir haben nichts mehr gemacht, obwohl es noch hell war. Bier auf und Essen machen. Nur noch chillen war angesagt.

– Samstag, 3. November 2018 –

Auch hier haben wir eine tolle und ruhige Nacht verbracht mit dem grandiosesten Blick aus dem Alkoven den ich mir vorstellen kann. Ich habe immer davon geträumt oben an der Steilküste zu stehen und nach dem Aufwachen den Blick aufs Meer zu haben. Wir hatten strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel. Ein Traum wurde wahr! Besser kann ein Tag nicht beginnen und so haben wir ihn dann auch ganz ruhig mit einem ausgiebigen Frühstück und einigen Kaffee begonnen. Pläne für den Tag gab es noch nicht wirklich und wir mussten ja auch spätestens morgen Abend wieder zu Hause sein.

Da sich unser Kurztrip also dem Ende zuneigte und wir auch irgendwie nicht mehr soviel Lust auf Besichtigungen und wandern hatten, fiel die Entscheidung nicht so schwer das es heute nicht mehr zum ‚Juno Beach‘ geht, sondern wir uns nur noch die Reste eines alten Bedarfshafens und der verrottenden Pontons in ‚Arromanche‘ ansehen. Hier haben wir auf einem kostenlosen Stellplatz mitten in der City geparkt und uns dann zu Fuß durch den Ort begeben. Hier gibt es noch ein sehr interessant aussehendes Museum was sich mit dem Krieg auf dem Meer beschäftigt. Leider war es geschlossen und wir wollten nicht mehr warten.

Da wir uns ja noch Honfleur ansehen wollten, war dies unser nächstes und zugleich letztes Ziel für diese Reise. Wir haben auf dem Hinweg durch den Ort einen schönen Platz gesehen wo man mit dem WoMo gut parken kann und hat dann nur einen guten Kilometer zu laufen. Das ist es aber wert, denn der alte Hafen von Honfleur ist wirklich schön. Wir sind eine gute Stunde herumgeschlendert und haben die Atmosphäre genossen. Aufgrund dessen das wir uns nicht hetzen wollen bei der Rückfahrt, haben wir beschlossen diese auch jetzt anzutreten und dann noch irgendwo einen Zwischenstop für die Nacht einzulegen.

Das haben wir dann auch irgendwo auf einer Autobahnraststätte getan und dort ebenfalls eine ruhige Nacht verbracht.

– Sonntag, 4. November 2018 –

Nach dieser ruhigen Nacht haben wir auch nur kurz gefrühstückt. Wir mussten noch tanken und hatten die Überlegung das der Sprit in Belgien deutlich preiswerter als in Frankreich ist. Dem war nicht so und wir mussten zähneknirschend 15ct. mehr zahlen als wir noch in Frankreich gezahlt hätten. Naja, so kann man sich eben auch verzocken.

Wir sind dann am frühen Nachmittag wieder zu Hause gelandet. Haben noch eben das WoMo ausgeräumt und haben es dann noch zur Halle gebracht wo es seinen festen Stehplatz hat. Reinigen und aufräumen tun wir dann immer ein paar Tage später in Ruhe in der Halle. Da ist alles was man braucht so das man ganz ordentlich arbeiten kann.

Es war ein toller Trip und sicherlich nicht der letzte in die Normandie. Zuviel anderes gibt es dort noch zu sehen und auch die dahinter liegende Bretagne läd definitiv noch zum bereisen ein. Jedoch wann, das steht in den Sternen.

– Ein paar Statistiken –

  • Hinfahrt an einem Stück in 8std für 560km
  • 459 Stufen runter und hoch am Aquacaux
  • 1900m Reichweitenrekord mit der DJI Spark Drohne
  • 1791 km Gesamtfahrstrecke
  • 212,52L Diesel verbraucht
  • 11,75L Diesel / 100km Durchschnittsverbrauch
  • 697,17€ Gesamtreisekosten
  • 63,80€ für Eintritt
  • 256,74€ für Lebensmittel
  • 15,50€ Mautgebühren
  • 2€ Parkgebühren
  • 304,23€ für Diesel
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