22 Tage Rundreise durch Schweden und Norwegen. 9.602 km bis zum Nordkap und zurück. Viele Nordlichter, Sehenswürdigkeiten und tollste Natur in Wort und Bild.


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Auf meinem Youtube-Channel B.Reist habe ich für euch eine Playlist der Skandinavien-Reise angelegt. Immer mal reinschauen, es sind noch nicht alle Videos online.


Samstag, 5.9.20

Der Plan war um ca 16 Uhr loszufahren. Alex muss immer bis 14 Uhr arbeiten und wir haben in der letzten Woche schon soweit alles ins Womo gepackt. Es mussten also heute nur noch Kleinigkeiten rein und dann konnte es schon losgehen. 

Was soll ich sagen, um 16:15 haben wir den ersten Gang eingelegt und sind losgefahren. Perfekt. Der Plan war dann möglichst weit, am besten bis hinter Hamburg zu kommen. In den letzten Jahren sind wir ja immer Freitags nach der Arbeit losgefahren. Entsprechend kaputt war ich meist und so haben wir selten mehr als 400km geschafft. Heute war ich ausgeschlafen und Alex kann problemlos während der Fahrt schlafen. Als Optimum war die Grenze zu Dänemark angepeilt. Es lief alles super und so haben wir mit Zwischenstopps um rund 23:45 unseren Übernachtungsplatz 3,9km vor der Grenze, bezogen. Weil es sehr regnerisch war haben wir dann nur noch ein Bierchen genossen und sind schnell ins Bett. Direkt in der ersten Nacht war es sehr frostig, so das die Heizung zumindest schon am Abend ihren Dienst aufnehmen durfte. 

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Sonntag, 6.9.2020

Nach einer ruhigen Nacht sind wir Recht früh aufgestanden und auch mehr oder weniger sofort los, denn uns erwartet heute eine absolute Marathon-Etappe. Aufgrund der Corona Bestimmungen von Norwegen sind viele Länder für die Einreise gesperrt respektive müssen die Reisenden direkt nach der Einreise erstmal 10 Tage in Quarantäne. Norwegen war unser erstes Ziel. Das war leider ab dem 29.8.2020 in weite Ferne gerückt weil Deutschland in der Woche davor zu schlechte C-Zahlen erreicht hat. Teile von Schweden haben auch zu schlechte zahlen um nach Norwegen ohne Quarantäne einreisen zu dürfen. Außerdem die Mitte von Dänemark.

Wenn wir also noch nach Norwegen rein wollen, dann müssen wir uns 10 Tage in gelbem Gebiet in Schweden aufhalten. Und das war jetzt der Plan. Dafür mussten wir aber heute bis in die Mitte des Vänern Sees kommen. Mal eben knackige 815km. Mit dem Womo ist das nochmal ne andere Hausnummer als mit einem Pkw. Man kommt einfach nicht so zügig voran. 

Der Grenzübertritt zu Dänemark war vollkommen unkompliziert. Zwar wurde jedes einzelne Auto begutachtet, aber uns haben sie einfach durchgewunken. Weiter ging’s also bis zur ‘stoerebelt’ Brücke. Im Vorfeld habe ich mich schon um alle möglichen Maut Angelegenheiten gekümmert. Ich habe den dänischen ‘BroBIZZ’ besorgt, dort die norwegische ‘ferjecard’ mit gekoppelt, den Bropass Vertrag für die ‘öhresundbrücke’ abgeschlossen und mich bei der stoerebelt Brücke registriert. Das alles muss man nicht machen, man kann auch einfach an den Mautstellen bezahlen, oder in Norwegen und Schweden wird alles übers Kennzeichen erfasst und die Rechnung dann zugestellt, aber dann zahlt man eben auch bis zu 50% mehr als man muss. 10% mehr zahlt man aber immer. Außerdem ist es so herrlich unkompliziert wenn man einfach durch alle Mautstationen durchfahren kann und nicht anstehen muss. Also, das kann ich jedem nur empfehlen.

Sowohl stoerebelt als auch öhresundbrücke waren toll zu befahren und sind beide ein Erlebnis. Das Ende der Öhresundbrücke ist gleichzeitig die Grenze zu Schweden. Und auch hier wurden wir einfach durchgewunken. Und Zack … nur noch gute 500km bis zu unserem Tagesziel waren zu fahren.

Sobald wir den Großraum Malmö hinter und gelassen hatten wurde der Verkehr weniger. Außerdem wurde die Landschaft interessanter und irgendwann hörte auch die Autobahn auf. Ab hier ging es nur noch auf ein-, oder Zweispurigen Landstraßen weiter. Irgendwann unterwegs haben wir auch aus dem Augenwinkel die ersten Elche gesehen.

Nach vielen Stunden der Fahrerei durch malerische Landschaften haben wir den Vänern erreicht. Der See ist mehr als 10 Mal so groß wie der Bodensee und der größte See Schwedens. Außerdem der drittgrößte See Europas. Am Rande dieses Sees haben wir im vorbeifahren einen schönen Platz gefunden. Da es schon 19 Uhr durch war wollten wir auch endlich Feierabend haben und haben kurzerhand gedreht. In der gelben Zone waren wir ja schon und so konnten wir anhalten. Den Abend haben wir dann ruhig ausklingen lassen mit einem fantastischen Sonnenuntergang überm See. Das Womo hatten wir vorsorglich schon so gedreht das wir mit diesem Blick auch aufwachen werden. 

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Montag, 7.9.2020

Da wir durch die mittlere rote Zone von Schweden auch möglichst schnell durch wollen, sind wir zwar nicht ganz so zeitig, aber doch recht früh wieder aufgestanden. Diesmal allerdings sind wir bei tollem Wetter mit einem tollen Ausblick über einen Ausläufer des Vänern Sees, aufgewacht. Wir haben in Ruhe gefrühstückt und Kaffee am See genossen. Aber da schon wieder 450km auf dem Plan standen weil wir die rote Zone ja auch wieder komplett durchqueren müssen, sind wir dann doch irgendwann aufgebrochen. Unser Ziel war ein von mir im Vorfeld recherchierter Platz zum übernachten.

Auf dem Weg dahin wurde die Landschaft immer atemberaubender und wir haben immer mehr Spaß an Schweden gefunden. Irgendwann war es auch soweit das Alex fahren musste weil ich das Womo durch die Wälder Schwedens mit der Drohne begleiten wollte. Und irgendwann kamen wir auch zufällig am ersten Wasserfall vorbei. Hier haben wir gedreht und uns ausgiebig umgesehen. Es war zwar kein Mensch da, aber hoffen wir mal das uns das nicht an der  Norwegischen Grenze zum Verhängnis wird wenn wir nachweisen müssen das wir 10 Tage in der gelben Zone waren und die roten Zonen nur passiert haben ohne dort zu verweilen. Der erste Wasserfall auf dieser Reise und direkt ein richtig toller. Der ‘Noppikoski Vattenfall’ war direkt mal richtig beeindruckend, aber danach ging es auch direkt weiter. Wir hatten ja unser Ziel. 

Am Ziel angekommen war es bereits wieder früher Abend und recht kalt. Aber der Platz war der Hammer. Wir haben trotzdem es dort eine schöne Feuerstelle und eine Sitzgelegenheit mit Tisch gab, es vorgezogen im Womo zu essen und zu bleiben. Es gab zwar keine Mücken aber es war wirklich unangenehm kalt. Am Abend kam noch ein zweites Wohnmobil an, hat sich aber nach 2 Stunden wieder verzogen. Die Anfahrt zu dem Platz erfolgte erstmalig über berühmte Schwedische Nebenstraßen. Das geht bei uns als guter Feldweg durch. 

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Dienstag, 8.9.2020

Wir haben beide sehr gut geschlafen. Absolut ruhig trotzdem es in der Nacht stark geregnet hat und auch mal sehr stürmisch war zwischendurch. Aber dank Bäumen und Hanglage waren wir wirklich geschützt dort. Der Blick über den See am nächsten Morgen ist unvergesslich. Bis jetzt glaube ich auch nicht das dieser Platz noch zu toppen ist. Es war so windstill das der See ein sprichwörtlicher Spiegel war. Das was man immer so gerne sagt wenn ein tolles Seepanorama vor einem liegt, war hier wirklich so. Ich kann mich auf Anhieb nicht erinnern jemals einen so ruhigen See gesehen zu haben.

Wir haben deswegen auch gemütlich am See gefrühstückt. Es war kühl, aber nicht unangenehm und so hat Alex sich völlig übermütig entschlossen im See schwimmen zu gehen. So zum wach-werden quasi. Also spontan alle Sachen vom Körper runter und rein da. Sagen wir mal so … die Geräusche klangen nach Sex. Aber es war einfach nur kalt. So konnte ich das aber natürlich nicht auf sich beruhen lassen und nachdem Alex aus dem Wasser raus war, ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte und ich mich geistig auf 2cm kaltes Wasser eingeschossen hatte, hab ich auch die Hüllen fallen lassen und bin ebenfalls rein in den See. Und was soll ich sagen … es war 2cm kalt. Also dreimal mit den Armen gerudert und schnell wieder raus.

Jetzt waren wir beide natürlich absolut erfrischt und so konnte es nach dem Frühstück losgehen zu unseren nächsten Spots. Ursprünglich wollten wir wandern gehen. Das haben wir aber zugunsten zweier Wasserfälle auf morgen verschoben. Wir sind also zunächst zum ‘Ristafallen’ gefahren. Der lag mal wieder zufällig auf dem Weg zum zweiten anvisierten Wasserfall. Der Ristafallen ist auch ein beeindruckender Wasserfall, dessen größe sich aber dem normalen Wanderer nicht erschließt da man den größeren Teil des Wasserfalls von den Wanderwegen aus nicht sehen kann. Erst mit der Drohne habe ich das alles überhaupt gesehen und auf Foto und Film bannen können. Und wie ihr seht ist es toll. Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt schon lange gegen die Wanderung entschieden so das es jetzt zum ‘Tännforsen’ geht.

Der Tännforsen ist der größte Wasserfall Schwedens und außerdem der Wasserreichste. Zu dieser Jahreszeit, wo es hier in Mittelschweden schon mal schneien kann, ist quasi kein Tourismus mehr existent. So sind alle Läden am Tännforsen auch schon zu und verrammelt. Nur der Parkscheinautomat funktioniert. Bis jetzt haben wir in Schweden übrigens noch keinerlei Bargeld gebraucht. Auch hier kann man die Kreditkarte in den Automaten stecken. Wir haben keinerlei Schwedisches Bargeld und sind mal wirklich gespannt ob wir irgendwann mal da stehen und welches brauchen. 

Die Wanderung zum Tännforsen sind wir rechtsherum angegangen. Also von unten nach oben. Es geht erstmal sehr steil runter … weit runter. Dafür steht man dann unten am Fuß des Wasserfalls und kann diesen direkt in seiner ganzen Pracht bestaunen. Auch hier musste ich erstmal ausgiebig die Drohne steigen lassen. Dann ging es stück für Stück höher. Es gibt mehrere Aussichtspunkte bis hin zu einem wo man quasi fast im Wasserfall steht. Auf jeden Fall ist man der Gischt schon ausgesetzt. Beeindruckend sind die alle. Dieser Wasserfall ist eine absolute Empfehlung für jeden Schweden Reisenden.

Nach dem Tännforsen haben wir schonmal die Richtung eingeschlagen wo wir morgen dann die Wanderung antreten wollten die eigentlich schon für heute geplant war.

Das Ziel war, so dicht wie möglich ranzukommen und auf dem Weg einen Platz für die  Nacht zu finden. Das ist uns nahezu perfekt gelungen. Ich hatte zwar im Vorfeld auch hier wieder einige Plätze recherchiert, aber bis zu denen mussten wir gar nicht fahren, da wir ca 12km vor dem Ziel einen Rastplatz gefunden haben der auch wieder an einem Wasserfall liegt. Zu diesem Wasserfall gibts leider keinen Namen. Wir haben den Abend aber auf den Steinen am Wasserfall genossen und sind mit den tosenden Geräuschen des Wasserfalls gut eingeschlafen. Der Platz war so schräg das ich erstmals meine zurecht geschnittenen Bretter, die man modular als Unterlegkeile in verschiedenen Höhen zusammenlegen kann, benutzen musste. 

Damit gings aber wunderbar so das man im Bett auch nicht weggerollt ist in der Nacht.

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Mittwoch, 9.9.2020

Die Nacht wurde richtig frostig. 4 Grad meldete das Thermometer und wir waren sehr froh über unsere funktionierende Heizung. Aber der Morgen war sonnig. Kühl, aber sonnig. Und so haben wir wieder draussen gefrühstückt mit Blick auf den Wasserfall. Ein toller Morgen. Wir haben den auch sehr sehr ruhig angehen lassen und sind erst nach 11 Uhr losgefahren zum Parkplatz wo die Wanderung starten sollte.

Die 12km zum Parkplaz waren schnell abgespult und so haben wir den Rucksack mit Kamera, Drohne, Obst und Mineralwasser gepackt und sind losmarschiert. Auch hier im ‘Valadalens Naturreservat’ sind wir wieder von der Schönheit der Natur überwältigt. Die Wanderung sollte gute 12km lang werden. Das Ziel war der ‘Blanktjärn’ See.

Der See ist wegen seines Alkalischen Wassers total türkis. Mittlerweile ist hier alles von den Park Rangern eingezäunt worden und man sollte die Wege bitte nicht mehr verlassen damit die Natur sich erholen kann. Das haben wir natürlich auch nicht gemacht. An dem einzigen Aussichtspunkt den es gibt ist aber alles optimal vorbereitet. Es gibt genug Sitzgelegenheiten, eine Feuerstelle und Platz für ein oder zwei Zelte. Ausserdem tatsächlich ein WC Haus. Alles ist toll angelegt und sollte es locker ermöglichen das die Besucher keinen Nachteil haben und die Natur sich erholen kann. 

Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht das es ein Rundweg ist. Uns war zwar vorher, recht früh am Anfang der Wanderung eine Kreuzung aufgefallen, aber ich dachte trotzdem das es eine Einbahnstraße wäre und man den gleichen, recht unbeschwerlichen Weg auch zurück müsste. Aber der Weg ging weiter.

Der Rückweg (An der Kreuzung am Anfang sind wir rechts herum gelaufen. Das ist definitiv der leichtere Weg!) geht nicht um den Berg herum sondern darüber. Man sollte sehr trittsicher sein da hier keine gut angelegten Wege sind wie man das in Deutschland so kennt. Es sind einfach ausgelatschte Wege über Felsigen Untergrund. Aber auch hier immer wieder Rastplätze mit Feuerstellen wo man auch immer ein oder zwei Zelte aufbauen könnte. Beeindruckend wie die gesamte Landschaft. Es geht über Heide, durch dichte Wälder und steil hoch oder runter. Letztlich landen wir, untrainiert wie wir sind, ziemlich kaputt wieder am Wohnmobil. Eine tolle Wanderung die Nachhaltig beeindruckend war und ebenfalls jedem nur ans Herz gelegt sei. 

Unsere Weiterfahrt sollte nur noch solange gehen bis keine Lust mehr zum fahren da war und dann wollten wir Übernachten. Wo auch immer das sein sollte. Wir hatten sogar mal kurz wieder an den tollen Wasserfall-Platz von dieser Nacht gedacht. Aber nein, wir wollten schon noch ein Stück weiter kommen. Es sollte ja hoch in den Norden gehen. 

Wir haben uns mehrere Plätze ausgesucht die wir anvisiert haben. Aber unterwegs verließ uns einfach irgendwann die Lust. Dann haben wir die Karte aufgemacht, kurz gesucht und einen tollen, sehr einsamen Platz an einem Fluss gefunden. Ein großer und breiter Fluss und schlechtes Wetter. Im Sommer ist der Platz bestimmt beeindruckender. Wir wollten nur noch Feierabend haben. Bierchen auf, Essen auf den Herd und die Aussicht genießen solange noch Tageslicht da war. 

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Donnerstag, 10.9.2020

Wir haben beide toll geschlafen und die Aussicht war, trotz des recht trüben Wetters, toll. Die Drohnen Aufnahmen sind auf jeden Fall wieder toll geworden und wir haben lange geschlafen und uns Zeit gelassen beim Frühstücken. Wir sind schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. 

Dann ging es über eine Nebenstraße (Feldweg) zurück auf die Hauptstraße die uns jetzt in Richtung ‘Storeforsen’ Wasserfall bringen soll. Es war also wieder ein Fahrtag angesetzt denn wir mussten ja für unseren Plan immer weiter nach oben. Das wir den Storeforsen nicht mehr erreichen heute war klar. Also haben wir ab 100km vor dem Ziel angefangen ausschau zu halten nach schönen Plätzen. Irgendwann hat uns einer angelacht, der aber irgendwie nix war. Danach kam ein normaler, Asphaltierter, Rastplatz. Nicht schön, aber Zweckmässig. Auch weil es mir nicht so gut ging so das ich nach dem Essen recht zeitig ins Bett gegangen bin. Außerdem mussten wir hier erstmals mit Mücken kämpfen.

Mücken, das hört man ja von Schweden, sind hier eigentlich allgegenwärtig im Sommer. Aber eben im Sommer. Jetzt im Herbst soll es keine mehr geben. Zugegebenermaßen waren es nicht viele und es war auch kein Problem. Aber gestochen wurden wir trotzdem. Da es wieder kalt war draussen war uns aber eh nicht nach offenem Fenster zumute und so war das kein wirklich großes Problem. Hab ich schon erwähnt das auch dieser Fahrtag wieder durch beeindruckende Landschaften ging? Unser Running-Gag während der Fahrt ist mittlerweile das wir uns so Kanada vorstellen. 

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Freitag, 11.9.2020

Ich habe nicht gut geschlafen. Alex schon. Weil ich so früh ins Bett bin und Alex eh frühaufsteherin ist, sind wir wirklich zeitig aufgestanden. Nach einem kurzen Frühstück und einem tieffliegenden Kampfjet der wirklich Lärm gemacht hat, haben wir noch drei Mücken erschlagen und sind dann los in Richtung Storeforsen.

Wenn man die Landstraße dorthin entlangfährt, kommt man zunächst an eine Hotelanlage. Von dort aus hat man schon den totalen Überblick auf dieses faszinierende Naturschauspiel. Storeforsen ist ein Wasserfall der über mehrere ‘Terrassen’ fließt und so eine recht große Strecke überbrückt. Nichts desto trotz stürzen hier zur Schneeschmelze im Frühjahr mehr als 1000 m³/sec Wasser hinunter. Zu dieser Jahreszeit sind es aber immer noch fast 200 m³/sec.

Wir sind dort entlang gewandert und irgendwann haben sie anscheinend den Wasserfall auf seine heutige Strecke kanalisiert. Denn ein Teil der einzigartigen Landschaft war früher auch Wasserfall, ist heute aber eine geformte Steinwüste. Diese einzigartigen Felsformationen sind sicherlich im Sommer ein Badeparadies mit Chillout Area. Auch an Konzerte hat man hier gedacht und eine Bühne aufgebaut wo die Zuschauer einfach auf den Glatt Geschliffenen Steinen sitzen die das Wasser in Jahrtausenden so gemacht hat. Und das wie in einem Amphitheater … nach oben ansteigend. Perfekt! Das alles erschließt sich auch kaum aus Fotos und sei jedem Schweden Reisenden ebenfalls dringend ans Herz gelegt!

Seit ein paar Tagen haben wir Kontakt zu anderen Campern die mit einem Tesla mit Wohnwagen auf dem Weg zum Nordkap sind. Das fasziniert mich so sehr das ich die beiden auf Facebook angeschrieben habe und es hat sich ein toller Kontakt ergeben. Nun haben sie uns einen Platz empfohlen wo die beiden noch eine Nacht vor uns waren. Ein Platz an der Straße zwar, aber mit Sauna und Feuerstelle. Toll. Dieser Platz sollte es nun werden und die letzten 130km haben wir in Angriff genommen. Weil so ein Platz natürlich erfordert das man grillt, haben wir vorher noch im Coop einen Großeinkauf erledigt. Und leider nur tiefgefrorenes Elchfleisch gefunden. Ich hoffe es schmeckt trotzdem in den nächsten Tagen denn tiefgefroren konnte ich es natürlich heute nicht mehr auf den Grill schmeißen.

Wir sind sehr zeitig an dem Platz angekommen und ich hab es mir nicht nehmen lassen und hab direkt die Sauna angefeuert. Feuerholz gab es auch reichlich und so konnte die Party steigen. Das anfeuern ging nach ein paar Startproblemen doch ganz gut und der Ofen machte ordentlich Hitze. Wir haben gut geschwitzt und der angrenzende Fluss war sicherlich viel kälter als das Schock-Bad in jedem Saunapark. Egal, es war super erfrischend. Nach 2 Saunagängen war aber trotzdem erstmal Schluss.

Der Hunger kam auf und so habe ich erstmal die Feuerstelle angefeuert und danach den Grill aufgebaut. Es gab wirklich gutes Steak vom Argentinischen Rind. Den Abend haben wir dann noch an der Feuerstelle ausklingen lassen bis uns beiden trotz Feuer zu kalt wurde. Jetzt während ich den Text schreibe, zeigt das Thermometer nur noch 6 Grad an. Aber die Heizung zeigt sich von ihrer besten Seite und so kann ich ihn aller Ruhe die letzten Tage in diesen Reisebericht schreiben. 

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Samstag, 12.9.2020

Früh Morgens wurden wir geweckt von recht starkem Regen. Im Halbschlaf haben wir aber trotzdem noch eine Weile weiter döst und den Tag langsam begonnen. Es war kalt und wir haben nicht geplant heute besonders weit zu fahren. Wir wollen uns lediglich mit Kai und Karla in der Nähe von Töre treffen. Ohne irgendeinen Zeitdruck zu haben sind wir gegen Mittag dann mal losgefahren. Da wir dringend tanken mussten, habe ich eine Tankstelle in der Umgebung ausgewählt die auf der Strecke nach Töre lag. Und es gibt Zufälle im Leben. An genau dieser Tankstelle gab es auch einen Tesla Supercharger und dort standen die beiden beim aufladen des Teslas. Ein kurzer Schwatz und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Die beiden hatten eh schon andere Ziele und so haben wir unsere kurzerhand auch geändert. Wir sind also aufgebrochen nach Jokkmokk um endlich den Polarkreis zu erreichen. Der Polarkreis bedeutet das hier der Tag/Nacht Wechsel an mindestens einem Tag im Jahr nicht passiert. Im Winter bleibt es mindestens einen Tag komplett dunkel und im Sommer geht mindestens einen Tag die Sonne nicht unter. Je nördlicher man von hier aus kommt, desto mehr Tage werden das mit 24h in Dunkelheit oder eben mit Sonne. Jokkmokk liegt nicht direkt auf dem Polarkreis und so haben wir diesen schon ca 22km vor unserem anvisierten Ziel passiert.

Das erste Ziel war nicht hitverdächtig und so sind wir nach kurzer suche auf einen besseren Platz gestossen. Hier ist es traumhaft, wenn man die Mücken ausblendet. Wir sind natürlich viel viel früher als die beiden hier angekommen und haben uns schonmal häuslich eingerichtet. Irgendwann sind sie dann auch eingetroffen und wir haben uns toll unterhalten. Der Tesla musste aber zur Ladestation in Jokkmokk und so habe ich angeboten mit dem Womo den Fahrdienst zu machen damit bei dem leichten Nieselregen den wir zu dem Zeitpunkt hatten, nicht Fahrrad gefahren werden musste.

Das Laden eines E-Autos in dieser Gegend ist etwas komplizierter als in unseren Breitengraden. Hier gibt es nur noch sehr sehr wenige Ladestationen. Und man muss die richtige Ladekarte dazu haben. In diesem Falle funktioniert Plugsurfing glücklicherweise. Ich habe keine Ahnung was gewesen wäre wenn keine Karte und nix anderes funktioniert hätte. Leider hat der Tesla wohl eine defekte Ladebuchse für AC laden. So das aus der nominell 16A liefernden Buchse nur 5 bis 6A rauskommen. So dauert es natürlich ewig bis die beiden die rund 110km zum nächsten Supercharger fahren können. Aber ist nicht so schlimm, der Wagen kann ja die ganze Nacht laden. Der Wohnwagen steht toll und somit ist die Nacht gesichert. 

Da Kai sehr gerne Kocht war schnell beschlossen das wir in seinem Kupferkessel überm Feuer kochen werden. Ich habe noch schnell einen zweiten Baum gefällt, denn Brennholz gab es hier leider keines. Das nasse, frische Holz brennt zwar sehr schlecht, aber in Verbindung mit Laub und ein wenig altem, trockenen Holz ging es doch ganz gut. Es hat auf jeden Fall für eine ordentliche Suppe im Topf und leckeres Elchfleisch mit Zwiebeln in der Pfanne, gereicht. Wir haben den Abend sehr genossen und viel erzählt, bis dann irgendwann am Himmel die Nordlichter auftauchten. 

Kai & Karla haben auch einen Instagram Kanal: Electric_Camper, und Kai betreibt einen Shop unter anderem für Destillieranlagen Ätherische Öle: https://www.destillatio.eu

Tja und jetzt kommt dann mal was wirklich ärgerliches. Ich hab wirklich an alle möglichen Objektive gedacht und hab alles mitgenommen um nichts, aber wirklich nichts, dem Zufall überlassen zu müssen wenn Nordlichter auftauchen, aber meine Kamera streikt seit Beginn des Urlaubs. Ich hatte so einen Fehler schon letztes Jahr einmal, jetzt ist er aber immer da und die Kamera macht nichts mehr. Kein einziges Bild ist mehr drin. Und so konnte ich die Nordlichter nur mit meinem Handy fotografieren. Und so wird es wohl leider für den Rest des Urlaubs bleiben. Nach kurzem Lesen im Internet wird da wohl entweder die Elektronik kaputt sein oder der Verschluss. Das ist hier natürlich nicht zu beheben und so muss ich damit leben.

Die ersten Nordlichter die wir in unserem Leben gesehen haben waren aber wunderschön Wenn auch nicht so intensiv wie es die Fotos vielleicht vermuten lassen. Aber wunderschön.

Draußen kühlt es in diesen Breitengraden, in denen es im Winter nach Aussage der Bewohner hier, auch mal -45°C werden kann und nicht selten -30°C hat, schnell ab und es wird irgendwann ohne Feuer, die Bäume sind bereits komplett heruntergebrannt und es ist nix mehr da zum verbrennen, wirklich ungemütlich. Nachdem die Nordlichter abgeklungen waren haben wir uns auch irgendwann ins warme Wohnmobil verabschiedet. Die Heizung war bereits den ganzen Abend an so das es darin angenehm und wohnlich warm war. Direkt mal in Wohlfühlklamotten geschmissen und noch ein letztes Bier aufgemacht. Dann noch eben diese Zeilen schreiben und ab ins Bett.

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Sonntag, 13.9.2020

Nach einer ruhigen Nacht sind wir mit totalem Nebel über dem See aufgewacht. Auch weil der Vorabend recht spät wurde haben wir wirklich lange geschlafen und den Morgen ganz gemütlich begonnen. Alex ist aber irgendwann aufgestanden und zu Karla und Kai rausgegangen. Ich habe in aller Ruhe geduscht, Kaffee gemacht und bin dann erfrischt und gut ausgeschlafen auch irgendwann raus. Zu dem Zeitpunkt war die Sonne auch schon wieder rausgekommen und wir hatten strahlend blauen Himmel.

Allerdings sind auch die Mücken schon wieder wach gewesen und haben echt rumgenervt. Ich will mir nicht vorstellen wie es im Sommer hier sein muss. Für mich ist der jetzige Zustand schon kaum noch erträglich. Und so trinken wir einige Kaffee, tauschen uns über vieles aus und verabschieden uns dann von Karla. Kai bringen wir zu seinem Tesla, der im Ort an der Ladestation steht.

Das Angebot mal eine Runde fahren zu dürfen konnte ich natürlich nicht ausschlagen. Kai hat wohl gemerkt das ich ein sehr großer Fan der Elektro-Autos bin. Tesla ist da weit vorne und ich mag die Autos sehr. Ich bin noch nie einen gefahren und so war die Gelegenheit perfekt. Ein Tesla Model S 85D. Einer der ersten Modell, also sicherlich noch weit vom heutigen Stand der Technik entfernt. Und trotzdem lässt er sich einfach super fahren. Wirklich super. Und wenn man Strom gibt … schiebt der sowas von an. Ich hab schon Autos mit fast 600PS bewegt … keiner hat so angeschoben. Und das ist nichtmal das stärkste erhältliche Modell gewesen damals. Heute sowieso nicht mehr. Faszinierend und bestärkt mich nur darin das ich auch einen Tesla haben will. Ein E-Auto sowieso, aber wenn machbar auch einen Tesla. Mal sehen wie lange mein Ford noch hält.

Weiter gehts. Wir haben uns dann auch von Kai verabschiedet und sind dann aufgebrochen in Richtung Kiruna. In Jokkmokk haben wir aber noch getankt und an dieser Tankstelle auch unser Frischwasser aufgefüllt. Das kostet hier nichts und ist sehr unkompliziert. Man kann seinen eigenen Schlauch einfach per Gardena Adapter anschließen und dann mit recht hohem Druck das Womo betanken. Super!

Bis Kiruna sind es gut 200km … wieder durch tollste schwedische Natur. Das Land wird aber zunehmend karger und die Bäume bunter. Es wachsen hier immer weniger Nadelbäume und die Laubbäume hier sind voll im Herbst. Ein tolles Farbenspiel. 

In Kiruna haben wir für Kai noch kurz eine Ladestation in der Stadt gecheckt und sind dann weiter zum anvisierten Ziel für die Nacht. Oben auf einem Berg war das Ziel. Leider waren wir nicht alleine, haben aber so gut es ging Abstand gehalten zu den anderen. Man will ja nicht kuscheln. Ganz ohne ging es aber nicht. Die Aussicht war es aber wert. 

Wie erwartet klarte in der Nacht der Himmel auf und ab ca. 23 Uhr waren Nordlichter zu sehen. Erst verhalten und als Strich der in den Himmel ragte und später um uns herum. Nach Mitternacht fingen die Nordlichter richtig das tanzen an. Unvorstellbar wenn man sowas noch nicht gesehen hat. Und unfassbar schön. Da meine Kamera ja kaputt ist musste ich so gut es ging mit dem Handy Aufnahmen fertigen. Es ist mir ganz leidlich gelungen. Auf die Idee das ich mit meiner guten Kamera noch filmen könnte, bin ich leider erst später gekommen als wir uns gemütlich ins Womo zurückgezogen hatten. Bei der nächsten Nordlichtgelegenheit wird das also ausprobiert und ich hoffe ich kann euch dann Bewegtbilder dieses tollen Naturschauspiels zeigen.

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Montag, 14.9.2020

Die Nacht war, obwohl es ein wenig windig war, sehr sehr ruhig und ich habe sehr gut geschlafen. Da wir heute keinerlei Eile hatten, es stand nur Gasflasche auffüllen und die Weiterfahrt nach Abisko auf dem Programm. Dazu kam noch das Alex sich noch warme Unterklamotten kaufen wollte und so musste in Kiruna noch ein Bekleidungsladen angesteuert werden.

Die Abfahrt von dem Berg musste ich unbedingt mit der Drohne filmen. Da Alex nicht fahren wollte habe ich die Drohne erstmals einfach so platziert das die ganze Abfahrt einfach gefilmt wird. Dank langer Akkulaufzeit der Mavic Pro ist das ja kein Problem mehr. Es ging dann direkt nach Kiruna rein zum Gasflaschen füllen. Das kann man hier aber nicht selber machen wie bei uns einfach an der Tankstelle. Hier gibt es im ganzen Land keine LPG Tankstellen. Mit einem Auto mit LPG ist man hier aufgeschmissen und muss mit Benzin fahren.

Es gibt nur Gas Spezialisten die einem die Flaschen mit Propangas füllen. Das war auch sehr unkompliziert und ging schnell. Allerdings für einen sehr hohen Preis. Rund 32 Euro hat die Füllung der nicht leeren Flasche gekostet. Also rund 9,5kg Propangas. Das ist schon sehr sehr viel Geld für das bisschen. Zum vergleich: Eine Gasflasche im Tausch kostet bei uns im Baumarkt zwischen 17 und 20 Euro. Die ist dann randvoll mit Propangas. Oder man füllt selber, was bei der Menge ca 19l LPG gewesen wären. Also etwas weniger als 12 Euro je nach aktuellem Preis. Die dreifachen kosten sind also schon sehr happig und ich hoffe dass das in Norwegen besser ist.

Ich bin aber trotzdem erstaunt das wir doch 9 Tage hingekommen sind. Also ca 1kg Gas/Tag. Da wir jetzt noch 22kg haben, müssten wir damit sogar hinkommen. Ich weiß aber noch nicht ob ichs drauf ankommen lasse. Das mache ich davon abhängig wie die Gastankstellen in Norwegen sein werden und vor allem wann die nächste Flasche leer geht. 

Weiter ging es auf jeden Fall zu Intersport für die Klamotten und auch hier vergeht einem die Kauflust schnell. Trotzdem hat Alex 2 wärmende Teile gekauft und dann ging es auch schon in Richtung Abisko

Auf dem Weg dahin sind uns 3 Rehe vor das Womo gesprungen. Ich habe aber gut reagiert und das Auto hinter mir ebenfalls und so konnten wir ohne Stress den tollen Tieren zugucken wie sie die Straße überquert haben. Danach haben wir zahlreiche Parkplätze angefahren. Wir mussten die Toilette leeren, war hier in Schweden absolut kein Problem ist. Jeder größere Rastplatz hat ein Toilettenhäuschen welches fast immer auch eine Entsorgungsmöglichkeit für die Kassette bietet. Frischwasser gibts nicht überall, ist aber auch kein Problem. Und dann haben wir einfach Nachtplätze abgecheckt.

Wir haben uns aber gegen alle entschieden und sind direkt nach Abisko gefahren. Tanken und noch Resteinkäufe erledigen. Das Tanken hier am Ende von Schweden, 75km von der nächsten Tankstelle entfernt, war sehr teuer. Gute 30ct/Liter mehr als noch in Kiruna. Der Einkauf war ebenfalls sehr teuer und das Sortiment sehr überschaubar. Ich wollte eigentlich nochmal Elchfleisch kaufen und vor allem habe ich in der Heimat versprochen eine Dose ‘Oskars Surströmming’ mitzubringen. Das habe ich leider nicht gekauft bei unserem einzigen bisherigen Einkauf in Schweden und hier gab es das nicht mehr. Meine Hoffnungen ruhen nun auf Kai und Karla die ich gebeten habe in Kiruna nochmal in einen Supermarkt zu gehen und eine Dose zu kaufen.

Dort wo der ‘Kungsleden Trail’ beginnt und wir morgen was wandern wollen, sind zwar Plätze zum übernachten, aber blöd von der Platzbeschaffenheit und vor allem stehen da jede Menge Wohnmobile. Und kuscheln liegt uns ja nicht. Die letzte Nacht hat eigentlich gereicht. Der Beschluss wieder zurück zu fahren und einen anderen Platz zu suchen, war schnell gefasst. Leider waren alle anderen Plätze entweder nicht nutzbar weil Häuser in der Nähe sind (Ungeschriebenes Gesetz: Nicht in Sichtweite von Häusern freistehen mit dem Wohnmobil!) oder der Platz gar nicht nutzbar war. So sind wir auf einen Parkplatz ca 5km vor Abisko wo auch schon ein anderes Womo stand, aber wir haben uns möglichst weit entfernt hingestellt und hoffen niemanden zu stören.

Der Abend war noch jung aber mir ging es irgendwie nicht so gut. Ich habe mich also erstmal 2 Stunden hingelegt nachdem Alex herrlich leckeres Essen aus Köttbullar und Kartoffeln gemacht hat. Kartoffeln auch deshalb weil wir nicht dran gedacht hatten das man nach Norwegen keine rohen Kartoffeln mitnehmen darf. Nach den 2 std. Ruhe ging es mir wieder gut und wir haben einen schönen Spieleabend draus gemacht. Wir haben zwei Runden ‘Isle of Skye’ gespielt und noch eine Runde ‘Phase 10’ drangehangen. Am Himmel sind jetzt wieder Nordlichter zu sehen, ich habe aber keine Lust mehr mir was anzuziehen und so geht Alex alleine raus und schaut sich das Schauspiel an. Ich bin sicher das wir noch desöfteren Nordlichter sehen werden in diesem Urlaub und so mache ich mir den Stress nicht.

Stattdessen schreibe ich diese Zeilen und sitze im warmen mit einer kalten Dose Bier. Unser Biervorrat ist mittlerweile auf ein Norwegen-verträgliches Maß geschrumpft. Es gibt ja Einfuhrgrenzen. Einmal ist die Gesamtmenge begrenzt, welche aber recht hoch ist und dann gibt es noch die Zollfreigrenze die sehr niedrig ist. Wir sind jetzt mit allem was wir dabei haben unter der Zollfreigrenze, brauchen also bei der Einfuhr nichts mehr anzumelden. Wer da auf Nummer sicher gehen will lädt sich die App ‘KvoteAppen’ runter. Dort kann man einstellen ob man alleine oder zu zweit nach Norwegen einreist und was man dabei hat.

Dann sagt die App einem ob man innerhalb der Freigrenze oder der erlaubten Grenze ist und wenn man über der Freigrenze ist, was man bezahlen muss für den mitgebrachten Tabak oder Alkohol. Man kann auch direkt in der App bezahlen, das darf aber frühestens 2 std. vor Einreise geschehen. Das macht es natürlich sehr unkompliziert legal nach Norwegen zu reisen und sei jedem wärmstens empfohlen.

Wir stehen hier zwar direkt an der E10 nach Abisko, aber der Verkehr hier ist sogar Tagsüber gering. Nacht ist hier niemand mehr und so werden wir sicherlich eine ruhige Nacht verbringen.

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Dienstag, 15.9.2020

Die Nacht war ruhig wie erwartet. Wir haben beide gute geschlafen und sind nach einem ausgiebigen Frühstück aufgebrochen zum Parkplatz am Beginn des ‘Kungsleden Trail’. Hier haben wir diesmal nur unseren kleinen Wanderrucksack gepackt da wir ja nur ca 6km Rundwanderweg vor uns hatten. Der Kungsleden der hier beginnt wird hier schön in Szene gesetzt. Unter anderem mit einem Holzverschlag wo man durchläuft wo liebevoll die Berge und Sehenswürdigkeiten des Trails aufgelistet sind. Direkt danach geht es vorbei am ‘Border defense Museum’ wo aufgezeigt wird wie dieser Nationalpark mit der nahen Grenze zu Norwegen, einst bewacht wurde bzw. wie die Straße gebaut wurde. Fast 5 Jahre hat es gedauert bis die Beiden Länder hier eine Straße hatten die miteinander verbunden war. 

Wir sind dann direkt an dem Wildfluss auf den Kungsleden drauf und direkt von der Natur sowas von beeindruckt das es kaum in Worte zu fassen ist. Ein Fluss der wild durch tollste Gesteinsformationen fließt die er selber sicherlich im Laufe der Jahrtausende geschaffen hat. Das alles fließt durch eine Berg-, und Tallandschaft in tollsten Herbstfarben vor der Kulisse eines Berges der über allem thront. Zu allem Überfluss ist das Wasser des Flusses an den Stellen wo es keine Gischt hat weil es mal ruhig fließen kann, glasklar … und teilweise einige Meter tief. Trotzdem kann man durch das Stahlblaue Wasser bis zum Grund sehen. Absolut umwerfend!

So geht es eine ganze Weile den Trail entlang bis wir abbiegen müssen und es dann ohne Fluss weiter in die Tundra-ähnliche Landschaft geht. Sowas kannten wir schon von der ersten Wanderung die wir gemacht hatten und eine gewisse Ähnlichkeit zum Hohen Venn bei uns in der Eifel ist nicht zu verleugnen.

Nach 6km wandern sind wir natürlich nicht total kaputt. Also haben wir unsere Sachen zusammen gepackt, noch nen Kaffee aufgesetzt und sind frohen Mutes aufgebrochen zur Grenze. Wie ich ja schonmal angerissen hatte, muss man sich in Schweden 10 Tage in gelben Zonen aufgehalten haben um nach Norwegen einreisen zu dürfen. Das hatten wir, mit einem zugedrückten Auge, auch gemacht. Zugedrückt deswegen weil wir einmal für einen Wasserfall in der Roten Zone angehalten haben und weil wir eben noch keine vollständigen 10 Tage aus Deutschland ausgereist waren sondern erst gute 9,5. 

An der Grenze erwartete uns ein Polizeifahrzeug. Wir wurden angehalten und sehr freundlich gefragt woher wir kommen, was wir vorhaben und ob wir uns der Quarantäne Regeln bewusst sind. Wir konnten mit unserem GPS Track aber gut nachweisen wo wir uns wann aufgehalten haben und vor allem das wir durch die roten Zonen (Dänemark und Teile des südlichen Schwedens) nur durchgefahren sind. Er hat dann noch unsere Ausweise und meinen Führerschein kontrolliert und sich vorbildlich vor der Entgegennahme der Dokumente, die Hände desinfiziert. Da natürlich alles in Ordnung war hat er uns eine gute Fahrt gewünscht und wir sind in Norwegen angekommen. Legal und nur mit leichter Verzögerung. 

Für heute stand nur noch Fahren in Richtung Nordkap auf dem Programm. Soweit bis ich keine Lust mehr hatte. Zunächst aber Richtung Narvik, denn anders geht es ja gar nicht von Schweden aus. Dann war noch die E10 gesperrt, was Google aber noch nicht wusste und uns somit in die Sackgasse geführt hat. Wir mussten also wirklich bis Narvik fahren und dann den Umweg über die Brücke auf die E6 nehmen. Nicht schlimm und hat uns insgesamt nur 15 min. gekostet. Auf dem Weg dahin konnten wir auf einem schönen großen Parkplatz auch direkt das erste schöne Foto vom Womo in Norwegen schiessen. 

Wir haben noch ein gutes Stück geschafft und haben uns einen tollen Platz mit einer noch besseren Aussicht gesichert. Leider war es uns nicht vergönnt eine klare Nacht zu haben und die Sonnenaktivität war auch nicht sehr hoch, so das quasi keine Nordlichter zu sehen waren.

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Mittwoch, 16.9.2020

Wir haben wirklich beide sehr gut geschlafen. Und weil wir einen Platz mit einer Top Lage hatten, konnte Alex nicht anders als sehr früh aufzustehen und trotz eisiger Kälte, direkt rauszugehen und eine Runde spazieren zu gehen. Auch das Frühstück musste draussen stattfinden. Und während ich so mit der Drohne geflogen bin um ein paar Perspektiven aus der Luft aufzunehmen und dabei immer mal wieder Kaffee getrunken habe, sind vor uns doch wirklich Delfine aufgetaucht. Schwer zu erkennen weil sie nicht so nah waren, aber dann doch eindeutig Delfine.

Was ein Wahnsinn. Sonnenschein, perfekter Platz mit Wahnsinns-Aussicht und dann noch Delfine?! Besser kann ein Tag nicht beginnen. Und noch dazu wollten wir es heute bis zum Nordkap schaffen. Das ist der nördlichste Punkt Europäischen Festlandes den man mit dem Auto erreichen kann. Sicherlich eine Touristenfalle, aber wir wollten eben mal dagewesen sein. Bis dahin sind es allerdings mal eben 550km von hier aus und so waren wir noch nicht sicher ob wir das Ziel heute erreichen würden.

Frohen Mutes sind wir aber trotzdem irgendwann losgefahren, nur um direkt mal in einer Sackgasse der alten E6 zu landen. Es gibt ja diesen neuen Tunnel, Alex wollte aber gerne aussen um den Berg herumfahren. Auf Google Maps gibt es die Straße auch und sie ist nicht gesperrt. Aber sie ist gesperrt. Dauerhaft. Na gut, war auch kein riesen Umweg. Und ab jetzt ging es um Fjorde herum und durch die Berge. Wahnsinns-Landschaften aller Art wechselten sich ab mit unfassbar tollen Aussichten über die Fjorde. Und das hier ist der Norden des Landes, das soll im Süden noch viel besser sein. Wir werden es erleben, denn durch den Süden geht unsere Reise ja wieder zurück nach Hause.

Wir haben die Fahrt sehr genossen und immer mal wieder nen Foto gemacht. Als ich auf einer Hochebene mit der Drohne hinter dem Womo hergeflogen bin und es auf einmal leicht anfing zu regnen, haben wir an dem Platz den wir zum landen der Drohne angefahren haben, doch echt 2 Regenbögen gesehen. Beide sind sogar auf dem Drohnenvideo noch drauf und auch ein Foto vom Womo unter den beiden Regenbögen durfte natürlich nicht fehlen. Weiter ging es auf jeden Fall durch teilweise einfach nur atemberaubende Landschaften.

Ca. 125km vor dem Nordkap, in einem kleinen Ort, sollten wir für Kai und Karla noch Tesla Destination Charger auf Funktion überprüfen. Denn die sind für die beiden absolut wichtig um Ihr Ziel mit dem Tesla und dem Wohnwagen überhaupt erreichen zu können. Es gibt 3 Charger und alle 3 waren funktionstüchtig. Also kein Problem. Wir haben im gleichen Ort dann nach guten 6 Std fahrt, endlich mal Pause gemacht und was gegessen. Alex hat wie immer toll gekocht und wir haben es uns schmecken lassen. Viel zu viel zwar, aber das konnten wir ja später am Nordkap noch essen. Das Ziel für heute stand jetzt fest. Die restlichen 125km schaffen wir auch noch.

Wir haben sie geschafft und sind noch mehr beeindruckt. Die Landschaft wird immer karger bis sie nur noch felsig ist. Bäume gibts alsbald nicht mehr und man fährt sehr oft einfach nur an der steilen Felsenküste entlang. Zum Nordkap muss man durch diverse Tunnel fahren. 3 sind etwas länger. Der erste Tunnel steht direkt am Anfang der Route und wird wohl nicht mehr sehr lange genutzt. Denn direkt daneben entsteht gerade ein neuer Tunnel der auch schon ziemlich fertig aussieht.

Der Tunnel ist aber abenteuerlich. Die Einfahrt sehr eng da alle Tunnel in dieser Gegend Tore haben die im Winter geschlossen werden damit der Wind den Schnee nicht in die Tunnel drücken kann. Ausserdem sehr schlecht beleuchtet und ziemlich eng. Auch ist der Tunnel einfach in den Felsen gehauen und nicht wie wir das bei uns kennen, innen ausgebaut. Nackter Fels! Sicher nichts für Klaustrophobiker.

Noch Krasser sollte aber der Nordkaptunnel werden. Das ist der Tunnel der die Nordkap Insel mit dem Festland verbindet. Der Tunnel ist 7km lang und führt mit bis zu 9% Gefälle bzw. Steigung 212m tief unters Wasser und dann wieder hoch. 9% Steigung klingt nicht so schlimm, aber das Womo muss schon ganz schön ackern um da hoch zu kommen. Geht auch nur im 4. Gang. Der Tunnel ist ebenfalls sehr schlecht beleuchtet und zu allem Überfluss bildet sich hier im Tunnel auch schonmal Nebel. Das muss wohl daran liegen das er ebenfalls einfach in den Fels gehauen wurde und in keiner Art und Weise verkleidet wurde. Fels und Asphalt, mehr nicht. Auch dieser Tunnel ist sehr eng und wenn man die Steigung vor sich hat und somit bis kurz vor Schluss einfach nur unterirdisch in den Himmel fährt, dann ist das wirklich eine krasse Erfahrung.

Auf dem Weg zum Nordkap haben wir hin und wieder Rentiere gesehen. Teilweise auch kleinere Herden. Wir haben uns gefragt ob auf der Insel auch Rentiere leben und was soll ich sagen: Hunderte! Es ist unmöglich ihnen aus dem Weg zu gehen und es gibt eine Garantie Rentiere zu sehen. Wundervoll. Alte und junge, einzelne und Herden, friedlich grasende und Kämpfende. Alles dabei.

Irgendwann, rund 17km vor dem Nordkap kommt man in ‘Honnigsvag’ an. Dort könnte man nochmal einkaufen oder eben weiter fahren zum Nordkap. Ca 6,5km vor dem Kap biegt man links ab. Das ist der berühmte Abzweig wo es im Winter nur noch im Konvoi weiter geht. Die Fahrt bis dahin war schon abenteuerlich und ich will die Strecke im Winter eher nicht mit einem normalen Wohnmobil fahren müssen, aber das letzte Stück zum Nordkap hat es in sich. Bei Regen ist das schon eine Respekteinflößende Strecke, aber im Winter wenn der Schneepflug erstmal alles freimachen muss, Respekt allen die das machen! Gute Schneeketten sind die absolute Mindestanforderung!

Wir sind gegen 18:20 am Nordkap angekommen. Auf dem Weg hab ich noch, dank durchgehend sehr guter Internetverbindung, völlig Problemlos live bei Instagram die Fahrt gestreamt.

Das Nordkap an sich ist völlig unspektakulär. Es ist aufgeteilt in einen riesigen Parkplatz für Fahrzeuge aller Art und die Touristenbusse. Um diese Jahreszeit und dank Corona war hier aber nix los. Zumal die Öffnungszeiten eh nur von 10:30 bis 16:30 Uhr sind. Die Schranken sind sogar nur von 11 bis 16:30 besetzt. Der ‘Eintritt’ kostet übrigens pro Person ca 25 Euro und für ein Wohnmobil nochmal rund 35 Euro. Der Wahnsinn und total unsinnig. Es wird ja nix geboten. Ok, das Nordkap-Center konnten wir jetzt nicht von innen sehen, ich denke auch dafür ist der Eintritt gedacht, aber das war für uns eh nicht interessant.

Uns interessierte der Globus und auf dem Weg dahin stand direkt mal ein Ex-Mo dort wo normalerweise die Touribusse anhalten. Wie der das dahin geschafft hat? Na er hat die Buslinie genommen. Das hab ich mir dann für morgen auch vorgenommen, denn ich will ja mit dem Womo noch ein Foto vor dem Globus machen. Für heute haben wir nur noch Fotos vom Globus, der küste und uns selber gemacht und uns dann ins warme Womo verkrochen.

Der Platz war zwar nur mit 12 Womos belegt (inkl. uns selber), aber für uns ist das schon sehr voll. Würden wir nochmal zum Nordkap fahren, würden wir hinfahren, alles ansehen Fotos machen und dann wieder wegfahren. Auf dem Weg dahin gibt es unzählige schöne Plätze mit tollster Aussicht wo man garantiert alleine stehen kann und vor allem nix bezahlen muss, selbst wenn man ausschläft. Nordlichter am Nordkap waren aber auch noch unser Ziel. Aufgrund der geringen Sonnenaktivität und recht starker Bewölkung war das aber leider nicht drin. Ein gemütlicher Abend sollte es auch nicht werden da der Wind draussen doch ziemlich aktiv war so hoch oben auf dem Kap. Da hier auch keinerlei Schutz wie Bäume oder umliegende Berge mehr ist, ging jeder Windstoß auch direkt gegen das Womo. Es wird wohl eine unruhige Nacht.

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Donnerstag, 17.9.2020

Tatsächlich habe zumindest ich sehr gut geschlafen. Alex hat der Wind anscheinend mehr ausgemacht. So schlimm war es aber nicht, wir hatten eh vor früh loszumachen. Kurzentschlossen haben wir aber einfach nur das nötigste eingepackt, ich hab mich angezogen und wir sind mit dem Womo zum Globus gefahren. Die Overlander von 4xtreme.ch, die mit ihrem Ex-Mo die hier gestanden hatten, sind schon weg und so haben wir auch niemanden gestört als wir das Womo in der strahlenden Sonne vor dem Globus platziert haben.

Um die Uhrzeit und wieder mal dank Corona, gibt es hier keine Touristen und so konnten wir ungestört ein paar Fotos schießen. Der Beschluss dann an einen schönen ruhigen Platz mit toller Aussicht zu fahren und dort zu frühstücken und sich in Ruhe fertig zu machen, war vorher schon gefasst worden. Lange fand sich aber kein geeigneter Platz wo noch niemand stand. Und so haben wir kurz vor dem kleinen Souvenirshop auf dem Weg zum Kap, einen Platz gefunden. Und, oh Wunder, jede Menge Rentiere die wir beim Frühstücken beobachten konnten. Wunderbar. Eigens hierfür habe ich extra das 300er Tele auf meine Kamera geschraubt und das Einbein darunter um ein paar schöne Videoaufnahmen aus der Distanz machen zu können.

Nach sehr ausgiebigem Frühstück und der Rentierbeobachtung in bester Heinz Sielmann Manier, sind wir wieder weitergefahren. Grobes Ziel war der Fährhafen ‘Olderdalen’ in der Nähe des Tunnels wo wir gestern morgen gestartet waren.

Es ging wieder zurück durch die wunderbaren Landschaften bis wir irgendwann gegen 18:20 Uhr wirklich am Fähranleger standen. Vorher gecheckt wussten wir das jetzt noch eine Fähre fährt und so haben wir in der App ‘Troms Billet’ direkt ein Ticket gebucht. Alles lief reibungslos und zügig ab und um 18:45 Uhr legte die Fähre schon wieder ab. 40min Überfahrt bei ganz leichtem Seegang und recht unangenehmem Wind waren aber dann doch schnell vorüber. Da es schon sehr stark dämmerte wollten wir nur noch einen Platz für die Nacht finden.

Auf dem kurzen Stück von 15km bis zur nächsten Fähre, gar nicht die einfachste Aufgabe. Aber am Rand der Straße war mal wieder ein schöner Platz mit 2 Feuerstellen. Wir wollen zwar heute kein Feuer mehr machen, aber dort kann man gut stehen, viel Verkehr ist hier eh nicht zu erwarten und wir haben einen tollen Blick direkt in den Fjord. Und mal sehen … wenn ich heute ganz viel trinke, vielleicht gehe ich morgen früh schwimmen. Wahrscheinlich aber nicht denn hier kündigt sich der Winter mit großen Schritten an. Morgen soll es erstmal bis nach Tromsö gehen und danach mal sehen wie weit. Grobes Ziel für die nächsten Tage sind die Lofoten. Wir haben ja auch nur noch 13 Tage Zeit und so müssen wir uns diese recht gut einteilen damit wir nicht auf den letzten Drücker nach Hause kommen.

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Freitag, 18.9.2020

Die Nacht war stürmisch und regnerisch. Genaugenommen hat es geschüttet wie aus Eimern und da wir schon Abends als wir auf den Platz fuhren, festgestellt haben das dieser rutschig und schlammig ist, hat es mich schlecht schlafen lassen ungewiss zu sein wie gut oder eben nicht gut, wir mit dem frontangetrieben Womo wieder hier wegkommen würden. Mich beruhigte nur das die wirklich steile Einfahrt geschottert war und eben keine nasse und schlammige Wiese. Aber darauf standen wir nunmal.

Der Morgen war irgendwie lustlos. Beide nicht gut geschlafen, trübes Wetter und ein gut zu einem viertel gelehrter Akku im Womo. Was ziemlich viel ist, denn normalerweise schafft die Solaranlage es den Akku wieder voll zu machen bevor ich aufstehe. Ein viertel ist nicht so schlimm aber der Akku der im Aufbau von mir verbaut wurde ist ein Gel-Akku der nur zu maximal 70% entladen werden sollte. Besser sogar nur zu 50%. Ergo hatten wir die hälfte des Stroms der uns zur Verfügung stand aufgebraucht. Auch nicht schlimm, da wir ja viel fahren, schlimm wäre das erst wenn wir einige Tage an einem Ort stehen würde wollen bei dem Wetter. Nach 3 Tagen wären die Lichter ausgegangen. 

Wir sind irgendwann in Richtung Fähre aufgebrochen, denn auf dem Programm stand Tromsö. Wir wollten Kai und Karla noch einmal wiedersehen und die beiden hatten ein Geschenk aus Schweden für uns im Gepäck. Ich habe Freunden versprochen ‘Surströmming’ Fisch mitzubringen aus Schweden, hab aber vergessen vor der Ausreise welchen zu kaufen.

Die Fähre fuhr planmäßig ab und es ging alles reibungslos wie schon auf der ersten Fähre. Die Fahrt sollte nur 30min dauern. Nach 20min. ging aber ein Sturm los der das Schiff mal gut durchschüttelte. Wir waren froh als wir es dann im Hafen verlassen konnten und unsere Fahrt in Richtung Tromsö fortgesetzt haben. Die Strecke ist überschaubar und Landschaftlich nicht besonders außergewöhnlich. Wir haben Kai und Karla am Tesla Service Center getroffen denn ihr Tesla hat ja ein Problem mit dem Laden. Und ohne Aufladung gehts eben nicht weiter mit einem E-Auto. Das wäre als ob man seinen Verbrenner nicht tanken kann. Das ist doof und macht keinen Sinn.

Wir haben eine gute halbe Stunde gequatscht und uns dann verabschiedet mit den besten Wünschen für die schnelle Reparatur ihres Teslas. Unser Weg führte jetzt rein nach Tromsö. Wir sind da zwar vorher schon durchgefahren, aber eben nur durch das Tunnelsystem unter der Stadt. Tromsö ist komplett untertunnelt und die Hauptstraßen führen durch diese Tunnel. Inkl. Kreisverkehren versteht sich. Das macht es Leuten wie uns, deren Navigationssysteme ausschließlich mit GPS funktionieren, nicht wirklich einfach. Aber letztlich haben wir uns nur einmal vertan, am nächsten Kreisverkehr gewendet und dann richtig abgebogen. Es sollte zur ‘Magic Ice Bar’ gehen welche aber nicht erst um 16 Uhr öffnete sondern dann auch noch 250NOK Eintritt (ca 25 Euro) pro Person verlangte. Das wäre mir eh zu viel gewesen um mir eine Bar aus Eis anzusehen, aber ok, die Frage stellte sich eh nicht. 

Weiter ging es zur ‘MACK’ Brauerei. Die stellen ein Bier her das ‘ISBJÖRN’ heisst. Es dürfte bekannt sein das ich Björn heisse und so muss ich dieses Bier haben. Leider gab es an der Brauerei keinen Shop und so mussten wir auf den nächsten Supermarkt zurückgreifen. Da wir eh noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen wollten, haben wir einen ‘REMA 1000’ angesteuert und eingekauft. Kleinigkeiten … für 131 Euro. Naja ok, 18x 0,5L ISBJÖRN Bier haben auch mal eben schlappe 45 Euro gekostet. Alkohol kostet in Norwegen mal so richtig viel. Aber egal, das musste jetzt sein.

Von da aus ging es zur Gedenktafel der Tirpitz. Das Deutsche Schlachtschiff, baugleich der bekannten Bismarck, wurde am 12. November 1944 in der Bucht vor Tromsö versenkt. Eine Gedenktafel, geschnitten aus dem Stahl der Tirpitz, erinnert an die Opfer. Bei Ebbe soll man Reste der Tirpitz sehen können. Wir hatten das Glück leider nicht, es war gerade Flut.

Der Tag war sehr verregnet und windig bis stürmisch. Nicht schön. Wir hatten vor von dort aus die Fähre von ‘Brensholmen’ nach ‘Botnhamn’ zu nehmen und sind also quer rüber gefahren nach Brensholmen. Dort stand ‘Ingen avanger den neste timen’ auf der Anzeige. Übersetzt heisst das soviel das Keine Abfahrt in der nächsten Stunde stattfindet. Ok, wir wollten die Zeit nutzen uns mal zu informieren wann denn die Fähre dann fahren würde und wie die weiteren Fährverbindungen von Senja nach Andoya sein würden. Denn dort wollten wir ja eine Walsafari mitmachen. 

Meistens kommt es anders …. Wir haben dann irgendwann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit herausgefunden das die Fähre von Brensholmen nicht mehr fährt dieses Jahr. Auch die Fähre von Senja nach Andoya fährt nicht mehr. Und die Walsafari … bis Donnerstag ausgebucht. Hmm, ok, also dann untenrum zurück zur E6 in Richtung Narvik und dann nachdenken wie es weitergehen soll. Zeit war ja während der Fahrt genug. Der Beschluss Senja ganz fallen zu lassen und auch Andoya nicht mitzunehmen sondern direkt vor Narvik abzubiegen und dann weiter auf die Lofoten zu fahren ist der naheliegendste und sinnvollste in unseren Augen, wenn man nur noch wenig Zeit zur Verfügung hat und immer noch 2800km weit weg von zu Hause ist.

Auf dem langen Weg zur E10 haben wir noch ein schönes altes Sägewerk am Strassenrand entdeckt. Das stand, an einem Flußlauf mit Blick in den Fjord einfach Fotogen dort.

Wir wollten also fahren bis keine Lust mehr vorhanden war und dann dort übernachten wo wir eben waren. Irgendwann war es soweit und wir haben gesucht. In der Nähe ein paar Plätze ausgesucht, zwischendurch noch tolle Plätze angefahren die aber leider ohne 4×4 nicht nutzbar waren, zumal es dauerhaft weitergeregnet hat und keiner sagen kann wie so ein Platz am nächsten Morgen dann aussieht. Auf der E10 zu den Lofoten angekommen haben wir recht schnell einen Platz am See gefunden. Zwar kein Seeblick, der war mit Bäumen versperrt, aber das war angesichts des Stürmischen Wetters auch nicht so schlimm. Der Abend wurde nicht lang. Wir haben gegessen, Alex ist dann fast direkt ins Bett und ich bin auch um 22:40 hinterher. Für mich ist das sehr ungewöhnlich früh. Aber das war ein komischer Tag der jetzt trotzdem noch jede Menge Zeilen gefüllt hat.

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Samstag, 19.9.2020

Alex hat unruhig geschlafen, ich habe gut geschlafen. Es war sehr ruhig dort da die Straße an der wir standen eine Sackgasse ist und nach uns nur noch ein einziges Haus stand. Es hat allerdings die ganze Nacht geregnet. Aufstehen, ein bisschen was frühstücken und dann ab auf die Lofoten. Immerhin standen uns heute wieder 260km bevor was bei den Straßen auf den Lofoten einfach mal mehr als 4 std Fahrzeit sind.

Und wir wollen ja noch nach ‘Henningsvaer’ und dort auch noch was rumlaufen. Von den Fotostopps zwischendurch mal gar nicht zu reden. Die Fahrt war zwar wieder von durchwachsenem Wetter begleitet, was ganz schnell von mäßiger Sonne zu starkem Regen wechseln konnte, aber sie führte uns durch allerschönste Landschaften, tolle Buchten und malerische Ortschaften. Tundra wechselte sich mit Gebirgen ab und zwischendurch ging es steil hoch und wieder runter. Hin und wieder kam auch mal ein Tunnel.

Auch einer der dem Nordkap-Tunnel ähnelte und unter dem Meer durchging. Nur war der nicht ganz so lang, aber ähnlich Steil. Es ging über Brücken die wie die berühmten Brücken der Atlantik-Straße gebogen waren und über tolle Fjorde führen. Überhaupt waren die Fjorde und Buchten ein Highlight. Insbesondere dort wo die Flut gerade das Wasser durch Brücken und Rohre drückte und beeindruckende Strömungen erzeugte.

Es ist sehr schwer das alles zu beschreiben was wir gesehen haben, aber es ist mit das schönste was man sich landschaftlich vorstellen kann in unseren Augen. Wir haben als erstes einen Spot in der Nähe von ‘Gunnför’ angesteuert. Hier gibt es eine Schutzhütte für Radler und Wanderer die stylischer nicht sein könnte und auch nicht besser liegen könnte.

Sie ist zweigeschossig und oben komplett aus Glas. Man hat also bei perfektem Wetterschutz eine Wahnsinns Aussicht. Die Hütte steht auch nur 30m vom Meer weg was das ganze nochmal begünstigt. An der Hütte ist auch ein Parkplatz und eine weitere Hütte. Die hat wohl ein ‘Rolf’ mal gebaut und es ist eine urgemütliche Bar wie einige sie zu Hause im Keller haben. Eine Bar, eine Theke, ein Tisch mit 2 Bänken und ein Feuerofen. Alles was man zum benutzen braucht muss man aber natürlich selber mitbringen. Die Hütte ist aber ansonsten eingerichtet uns wirklich gemütlich. Jede Menge Inschriften von Besuchern an den Wänden und ein ausliegendes Gästebuch. Leider ist das bereits voll und so habe ich nur eine Visitenkarte zwischen zwei Deckenpaneele geschoben mit dem Datum von heute drauf. 

Draußen gab es auch noch eine schöne Feuerschale und einen großen Grill, montiert auf dem Gestell einer alten Singer Nähmaschine. Warum das für mich wichtig ist: Die Firma Singer war früher in der Nähe meiner Heimat, in der Stadt Würselen, angesiedelt. An diesem Ort hätten wir Tage bleiben können, aber wir mussten weiter weil wir noch Henningsvaer sehen wollten und noch weiter in Richtung Leuchtturm Eggum um evtl. noch einmal Nordlichter sehen zu können. 

Der weitere Weg von dort in Richtung südlicher Lofoten führte durch immer beeindruckendere Natur. Und auf einmal sagte Alex ‚ELCH‘! Also Stop, zurücksetzen und Elche gucken. 2 tiefentspannte Exemplare chillten einige Meter von der Straße entfernt. Zunächst haben sie sich von uns auch nicht gestört gefühlt und so konnten wir in aller Ruhe Beobachten, Filmen und Fotos machen. Toll. Weiter ging es hin zu einem Fjord wo uns sowohl ein Kreisrunder Regenbogen erwartete, der sich auch noch im Spiegelglatten Wasser gespiegelt hat, als auch das erste mal recht starke Gezeitenströmung vom Fjord ins Meer die hier nur durch eine kleine Brücke getrennt wurden.

Die Fahrt nach Henningsvaer führte direkt am Meer, entlang der Steilküste über eine schmale Straße. Die Schotten nennen sowas ‘Single-Track-Road’. Die Fahrt hat Spaß gemacht und am Ende standen wieder zwei schöne Brücken bevor man in den Ort selber kam. Der Ort ist bekannt geworden weil er einen Fußballplatz auf einer Zunge der Insel hat. Henningsvaer selber ist unspektakulär, aber schön anzusehen. Mit dem Ortskern haben sich die Stadtväter viel Mühe gegeben und im Sommer wenn der Tourismus hier hoffentlich wieder blüht dann kann man es sich dort mit Sicherheit sehr gut gehen lassen.

Jetzt aber war alles zu ausser einem Souvenirshop und einem Restaurant. Wir sind zurück zum Womo um uns dann nach Eggum zu begeben. Immer mit dem Hintergedanken, einen guten Platz finden der den freien Blick nach Norden ermöglicht, reicht uns auch. Eggum mussten wir nicht unbedingt sehen. Und so kam es und wir haben einen schönen Platz in einer kleinen Bucht mit perfektem Blick nach Norden gefunden. Leider war die Natur nicht auf unserer Seite, denn Nordlichter haben wir heute keine gesehen. Es war total bewölkt und die Sonnenaktivitätswerte sind auch denkbar schlecht. Trotzdem ein gemütlicher Abend mit leckerem Essen und dem einen oder anderen ISBJÖRN.

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Sonntag, 20.9.2020

Das Wetter verschlechterte Sich im Laufe der Nacht. Ich war lange wach, aber selbst als ich ins Bett gegangen bin konnte ich nicht schlafen. Alex ging es ähnlich weil der Wind und auch der Regen immer stärker wurden. Immerhin standen wir auf Sand und direkt am Wasser.

Um kurz vor 4 Uhr haben wir uns entschlossen den Platz jetzt zu verlassen. Starkregen und Starkwind machten die rangiererei im Sand nicht einfacher, aber wir sind problemlos vom Strand wieder weggekommen. Auf der Straße wurde die Fahrt aber kaum angenehmer. Der Wind schüttelte das Womo ordentlich durch und der Regen kam absolut horizontal. Ich war sehr dankbar für die Lightbar die ich zusätzlich am Womo montiert habe. Auch wenn diese wohl nach dem Urlaub gegen eine ordentliche ersetzt wird. Das China Modell bringt nicht genug Licht.

Die nächtliche Suche nach einem Platz wo man wenigstens noch für ein paar Stunden Ruhe finden konnte, gestaltete sich zunächst nicht einfach. Entweder waren die Plätze nix, man störte jemanden oder sie waren gesperrt. Letztlich haben wir einfach auf einem großen Platz mitten in Leknes Ruhe gefunden. Da man das Womo so gut Lichtdicht machen kann das es auch tagsüber fast dunkel darin ist, konnten wir doch noch für ein paar Stunden die Augen zumachen und wenigsten etwas Schlaf nachholen.

Wir haben dann den Tag ruhig begonnen und geplant wie wir weiter machen. Sinnig war es angesichts des Wetters nicht, die geplanten Wanderungen zu unternehmen und so haben wir uns entschlossen noch ein bisschen Sightseeing am ‘Nusfjord’ und den diversen kleinen Orten auf dem Weg nach ‘Reine’ zu machen. Wir haben nach erneutem Studium des Fahrplans der Fähre nach Bodö herausgefunden das diese doch direkt nach Bodö fährt und zwar um 15:30. Diese Fähre wollten wir nehmen und haben alles daraufhin geplant.

Nusfjord lag nahe, es führt eine kleine Straße von der E10 aus dort hin. Die Straße führt durch eine unbeschreibbare Felsenlandschaft. Ich konnte mich daran kaum satt sehen. Der Ort selber ist sehr touristisch, aber in meinen Augen recht langweilig. Schön gelegen, ja, aber mehr als ein paar Drohnenflüge habe ich nicht gemacht.

Auf dem Weg weiter nach Süden haben wir noch Nebenbei einen ‚Karibikstrand‘ und den nördlichsten Surfspot Europas gesehen.

Wir sind dann wieder gefahren und die 2 Örtchen vor Reine haben uns dann als nächstes die Sprache verschlagen. Eingebettet in Meer und Berge ist die Kulisse einfach wunderbar. Postkartenmotive wohin das Auge reicht. Um diese Jahreszeit ist auch spontanes parken für ein paar Fotos, kein Problem.

Reine … ja Reine sieht auch toll aus, entfaltet seine Wirkung aber sicherlich erst aus der Luft. Entweder vom ‘Reinebringen’ aus, eine der Wanderungen die wir aufgrund des Wetters nicht gemacht haben oder eben mit der Drohne. Das fiel aber ebenfalls aufgrund des Wetters auch aus. Der Ort selber hat uns nicht zum spazierengehen angezogen und so sind wir weiter. Am Fähranleger angekommen hatten wir noch 1 Stunde Zeit und so sind wir noch die 10km weiter bis zum Ort ‘A’ gefahren. Alles malerisch, alles sehenswert, aber nix besonderes mehr. Wir haben umgedreht, noch ein Erinnerungsfoto gemacht und sind dann in die Warteschlange der Fähre.

Mittagessen vor einer 3,5std. langen Fährfahrt. Macht Sinn dachten wir uns und so haben wir die Zeit in der Schlange genutzt um noch schnell eine Suppe zu essen.

Die Fähre kam sehr pünktlich und hat schon um rund 15:10 angelegt. Dann erfolgte das boarding was auch ziemlich unkompliziert von statten ging und dann ging es auch schon aufs Deck wo wir uns gemütliche Plätze in der ersten Reihe gesichert haben. Ausblick ist alles, auch wenn das Wetter weder einen schönen Ausblick noch eine ruhige Überfahrt voraussagte.

Pünktlich um 15:31 legte das Schiff ab und es ging fast unmittelbar nach dem Hafen zur Sache. Die See war so rau das alsbald die Wellen die sich am Schiff brachen über das ganze Schiff spritzten. Und nein, das war kein kleiner Kahn! Der Seegang war so heftig dass das Schiff Sprünge machte und dann wie in den schlechten Youtube Videos von Schiffen in schwerer See, regelrecht wieder eintauchte. Beeindruckend anzusehen, muss ich aber nicht haben.

Es hat keine Stunde gedauert bis ich bereute das wir eben noch was gegessen hatten. Ich brauchte die Beutel und musste mich übergeben. Das hatte ich noch nie erlebt und so geil die Achterbahnfahrt auch war, es war der blanke Horror für mich. Alex ist da fester vom Magen her, aber sogar ihr hat der Seegang so zugesetzt das Lesen oder sowas nicht mehr ging. Ich habe mich dann für schlafen entschieden und das hat meinen Magen tatsächlich so beruhigt das ich den Rest der Fahrt ohne weiteres ‘durch-den-Kopf-gehen-lassen’, überstanden habe.

In Bodö ging es dann zügig von der Fähre, allerdings nicht ohne weiteren Spaß. Eine rote Warnlampe im Cockpit des Womo ging an. Eine die ich noch nie gesehen habe. Ich habe das für Kühlwasser gehalten. Da wir aber gerade erst losgefahren sind, konnte das kaum Überhitzung sein. Also sofort auf dem nächsten Supermarkt Parkplatz angehalten und die Motorhaube auf. Kühlwasserstand war gut und die Temperatur niedrig. Also alles gut.

Google sagt das es auch Wasser im Dieselfilter sein kann. Wie soll denn Wasser in den Dieselfilter kommen? Nach dem neustart blieb die Lampe aus und für mich war alles gut. Ich wollte dem später auf den Grund gehen. Wir sind dann an einer Tanke vorbei gekommen wo der Diesel aktuell nur rund 1,05 Euro kostet. Ok, das mussten wir nutzen und sind rausgefahren. Naja und jetzt weiß ich woher das Wasser im Tank kam. Ich hab beim letzten mal Tanken vergessen den Tankdeckel wieder draufzuschrauben. Seit dem hatten wir aber schon ne Menge schlechtes Wetter. Wie gut das der Dieselfilter nen Wasserabscheider hat. Direkt mal aufgefüllt bis oberkante Unterlippe und dann einen Tankhandschuh mit einem Gummi als Provisorium drauf. Das sollte das Wasser erstmal fern halten aus dem Tank. 

da es mittlerweile draussen fast dunkel ist, macht es keinen Sinn mehr sich den naheliegenden ‘Saltstraumen’ anzusehen. Also haben wir in der nähe einen ruhigen Platz an einem Friedhof bezogen und werden uns morgen in aller Ruhe den stärksten Gezeitenstrom der Welt ansehen. Danach allerdings steht Kilometerfressen auf dem Programm. Unser nächstes Ziel liegt 915km weiter im Süden und wir müssen ja langsam aber sicher auch nach Hause. 

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Montag, 21.9.2020

Wir haben gut geschlafen am Friedhof. Der LKW Fahrer der seinen Tankzug morgens abgeholt hat war sehr leise. Überhaupt haben wir festgestellt das die Norweger sehr höflich und leise sind wenn ein Womo da steht. Auf dem Parkplatz in Leknes hat neben uns ein Radlader geparkt. Der wurde ausgeparkt ohne das wir das mitbekamen und später, während wir frühstückten, wurde ein anderer eingeparkt … wieder ohne das wir das groß mitbekommen hätten. DIREKT neben uns! 

Es hat aber die ganze Nacht sowas von gestürmt aber dank der Bäume um uns herum war es super erträglich. Der Regen sorgt im Womo ja eher für eine gemütliche Atmosphäre. Der Wind ist mittlerweile zum Sturm geworden und nach dem Frühstück sind wir die 500m zum Parkplatz des Saltstraumen gefahren und haben uns dann aufgemacht um hinzulaufen. Es hat so stark gestürmt und geregnet das wir nicht nur aufpassen mussten nicht von den Felsen geweht zu werden, nein wir waren auch durchnässt nachdem wir uns nur ein paar Minuten dort unten aufgehalten hatten. Der Saltstraumen ist aber eine Reise wert. Ein beeindruckendes Schauspiel was wir bei Ebbe beobachten durften. Was da an Wassermassen unter der Brücke hindurch gedrückt wird ist nicht vorstellbar. Mich wundert ehrlich dass das nicht für eine Gezeitenkraftwerk genutzt wird. Ich will gar nicht wissen wieviel Energie da drin steckt.

Wir wollten aber dank des Wetters und 700km die uns bevorstanden, denn wir hatten die ursprünglichen Pläne erstmal korrigiert zugunsten von Trondheim wo wir vorher irgendwo einen Platz suchen wollten um dann je nach Wetterlage zu entscheiden ob wir die Atlantikstraße fahren oder nicht. Denn das Wetter, ja das liebe Wetter, es ist heftig. Wie wir mittlerweile wissen kommen hier im Norden Ausläufer des Tropensturms Sandy an. Und das mit voller Wucht.

So stark das ich zeitweilig überlegt habe ob das Womo das so problemlos aushält. Der Spritverbrauch war auch nicht ohne. Normalerweise verbraucht das Womo je nach Fahrtstrecke zwischen 9,5 und 11,5L. In Skandinavien bewegen wir uns im Schnitt bei knapp 11 Litern. Auf dieser Etappe jedoch sind 13,11L/100km durch die Leitungen geflossen. Der Wind hat jedem guten Verbrauch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber auch seitliche Böen die so stark waren das ich meistens in der Mitte der Fahrbahn gefahren bin, oder mindestens nahe dran, das ich den Satz den das Womo macht wenn so eine Böe das Womo trifft noch vor dem Graben abfangen kann.

Jetzt im Nachhinein wissen wir auch wie stark der Wind war. Er hatte zeitweilig Böen mit Orkanstärke. Windstärke 12. Glücklicherweise nur Böen, denn einen dauerhaften Wind in dieser Stärke hätte das Womo wohl kaum überlebt. Durch den tagelangen starkregen in der Nördlichen Region Norwegens ist es außerdem zu weitläufigen Überschwemmungen gekommen. Jeder noch so kleine Berg hatte unzählige Wasserfälle von denen einige glatt zu beeindrucken wussten. Dadurch sind aber die Bäche und Flüsse auch rasant gewachsen und haben ausgeprägte Wasserfälle gebaut. Teilweise kilometerlange gefällestrecken in riesige Wildwasser Paradiese verwandelt. Beeindruckend auch nach mehreren hundert kilometern Fahrt. Die letzten 150km vor Trondheim wurde die Fahrt aber dann eher langweilig. Die Landschaft wird grün und sieht aus wie bei uns in der Eifel. Schön immer noch, aber eben altbekannt. 

Ich hatte mir vorgenommen nahe an Trondheim ranzufahren um dann mit einer gefällten Entscheidung Pro oder Kontra Atlantikstraße, sinnvoll abbiegen zu können. Irgendwann war es soweit. Eine kurze Suche bei google Maps ergab einige Plätze. Die ersten habe ich aber direkt ausgeschlossen weil sie noch zu weit weg von Trondheim lagen. Der erste Platz den wir angesteuert haben, war eine klitzekleine Landzunge am Rande der Bundesstraße E6.

Eine spitze und steile Einfahrt führte hinunter und ich bin da in einem Zug rumgekommen. Alex schaute mich nur ungläubig an, aber das kenne ich schon wenn ich wieder solche Aktionen mache. Nur diesmal war es eng unten. Wir mussten aber drehen. Und alles war schlammig. Es hat keine 2 min. gedauert bis ich mich festgefahren hatte.

Ok, diesmal wollte ich aber nicht schaufeln wie in Polen oder mich rausziehen lassen müssen wie in Italien. Ich wollte es selber schaffen. Also Schneeketten. Und bei Regen und im Schlamm mit guten Klamotten … naja, es gibt schlimmeres. Zumal ich das nur trocken in der Halle bei mir geübt hatte. Und trocken ist alles ja immer ein wenig anders. Aber egal, ich habe es geschafft beide Schneeketten anzulegen und was soll ich sagen, das Womo fuhr wie auf Schienen aus dem Matsch. Wir waren beide wirklich überrascht. Leider gibt es davon weder Bilder noch ein Video. Das ist dem Stress der Situation geschuldet. Aber es war spannend.

Wir haben uns entschlossen dann doch einen anderen Platz zu nehmen. Mit den Ketten konnte ich ja wirklich einfach aus dem Loch rausfahren. Oben angekommen mussten die aber wieder runter … auch kein Problem. Hatte ich mir schwerer vorgestellt. Ok, wir haben sie dreckig wie sie sind in eine Tüte verpackt und in den Stauraum geworfen. Bei Gelegenheit werde ich die mal im Wasser reinigen. Spätestens zu Hause. Auf jeden Fall haben die perfekt Ihren Dienst getan und ich kann jedem der auch gerne mal abseits der Wege unterwegs ist, nur empfehlen Schneeketten dabei zu haben.

Der Platz wo wir dann hingefahren sind liegt etwas ausserhalb der E6 was aber natürlich gut ist. Denn ausserhalb bedeutet auch keinen Lärm der Straße. Und so gab es dann gemütlich im warmen Motorhome, Tortellini und ein oder zwei Bierchen. 

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Dienstag, 22.9.2020

Wir haben beide gut geschlafen, sehr ruhig und vor allem sind wir mit ein wenig Sonne geweckt worden. Es war kühl aber nur leicht bewölkt. Da steigt auch direkt die Stimmung. Wir haben ganz entspannt gefrühstückt und Alex ist dann ein wenig in der Umgebung rumgelaufen während ich das womo aufgeräumt habe. Dann musste neues frisches Wasser her. Die Quelle wo wir gestern getankt hatten war nicht gut. Das Wasser hatte einen komischen Beigeschmack. Ja, es stand dran das es kein Trinkwasser ist. Normalerweise ist das aber kein Problem und wir nutzen es nur für kochen und Zähne putzen.

Aber ok, das war nicht gut, also neu. Kurz gecheckt wo die nächste offizielle Zapfstation ist. War nicht weit, direkt an der E6 gelegen. Also hin da, 150L Wasser raus und 150L Wasser neu rein. Bei der Gelegenheit habe ich auch nochmal den Tank durchgespült bevor ich das neue Wasser hab reinlaufen lassen. Das alles sehr zum leidwesen des nächsten Womos was anscheinend auch tanken wollte. Aber meine Schneeketten mussten auch noch sauber gemacht werden und ein starker Wasserstrahl ist dafür sehr hilfreich. Danach aber alles schnell zusammen gepackt und Platz gemacht für den nächsten. 

Unser Entschluß stand fest: Es geht zur Atlantikstraße und morgen dann zum Geiranger. Hier ist es ein sehr krasses Verhältnis zwischen zu fahrenden Kilometern und der dafür benötigten Zeit lt. den Google Berechnungen. Mit dem Womo ist das Verhältnis in der Regel sogar noch schlechter. Bis zur Atlantikstraße waren es gute 300km wofür wir aber mehr als 5 std. gebraucht haben werden am Ende.

Um Trondheim herum lief es aber recht flüssig, hier haben wir erstmals wieder zweispurige Straßen gesehen. Wenn auch nicht überall. Und man durfte eine kleine Strecke sogar 100 fahren. Was eine Wonne. Kurz noch einkaufen gewesen und dann weiter in den Westen. Es fing irgendwann wieder stark an zu regnen, glücklicherweise aber noch ohne nennenswerten Wind. Die Fähre die wir nehmen mussten, fuhr und das problemlos. Das Wetter verschlechterte sich aber zunehmend.

Die Atlantikstraße war trotzdem ganz ok, für Alex aber sogar ein Highlight weil sie sich so sehr an den Meeresströmungen erfreut. Ich war mit ein paar Fotos zufrieden und wir sind die Straße dann noch bis ‘Bud’ zu Ende gefahren. Hier kommt kein Highlight mehr und man kann diesen Teil in unseren Augen getrost auslassen. Von dort aus haben wir uns einen Platz gesucht der auf dem Weg zum Geiranger lag. Dahin wollen wir ja morgen fahren. Der Platz war ok, ein Wanderparkplatz mit guter Aussicht in den Fjord. Regen war uns ja egal und der Wind war angenehm ruhig. Ein gemütlicher Abend mit leckerem Essen.

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Mittwoch, 23.9.2020

Wir sind von Sturmböen und starkem Regen geweckt worden. Kurze Lagebesprechung und ein Wettercheck. Am Geiranger sollte es heute im Laufe des Nachmittags anfangen zu schneien. Zumindest in den Höhenlagen. Das sollte bis Donnerstag Abend so weitergehen. Mehr als 10cm Neuschnee. Dazu kam ein nicht unerheblicher Wind der Angesagt war und so war für uns nach einigem hin und her klar, der Geiranger und alle Fjorde und Wasserfälle die wir danach noch geplant hatten, fallen weg. Wir fahren ins Landesinnere, wo die Ausläufer von Sally nicht toben. 

Die Fahrt begann allerdings überhaupt nicht witzig. Denn die Kühlwassertemperatur des Womo ging schlagartig nach oben an den Anschlag. Sie sank dann zwar ganz leicht ab, aber für mich natürlich Alarmstufe rot. Ich hab bei der nächsten Gelegenheit angehalten, Motor aus und erstmal alles checken. Kühlwasser war drin, Schläuche zum Kühler waren lauwarm. Wir waren ja auch gerade erst losgefahren. Also soweit alles ok.

Vielleicht ein defekter Sensor? Ich hab die Kabel mal abgezogen und wieder draufgesteckt. Danach war alles gut. Ok, nicht alles, denn jetzt zeigte das Instrument auch nach 30km keine Temperatur an. Also wieder anhalten. Kühler warm, schläuche heiß und alles unter Druck. Also alles gut. Kühlwasser war auch immer noch drin. Nochmal den Stecker ab und wieder drauf.

Danach ging die Anzeige wieder … hoch bis auf 110 Grad. Da blieb sie aber und sank langsam ab. Im Laufe der nächsten 50km auf rund 80 Grad. Das ist nur noch leicht über der Normaltemperatur. Und plötzlich ging die Nadel auf 70 Grad und blieb da. Bei Bergauffahrt ging sie dann wieder leicht hoch, aber genau so wie immer. Bei einer 4km langen 8% Steigung ging sie wieder auf 90 Grad … auch wie immer. Die nächsten 250km lief alles wie immer. Ich tippe daher auf einen Elektrofehler, genau wie bei der Bremswarnleuchte. Nach dem Urlaub muss die Elektrik komplett gecheckt werden. Da ist irgendwo der Wurm drin.

Unser Ziel war der ‘Stor-Elg’, ein 10m hoher, 11m langer, Chrom-glänzender Metall-elch. Der Weg dahin war aber weit und führte uns durch den ‘Rondane Nationalpark’. Ich hatte von diesem Park noch nie zuvor was gehört oder gelesen. Komisch eigentlich denn uns hat der sofort in seinen Bann gezogen. Wenn wir nochmal nach Norwegen reisen, dann werden wir hier sicherlich einige Tage verbringen. Mit Wandern oder einfach die Natur genießen. Ein Highlight und obwohl meine Stimmung wegen Geiranger und den anderen Fjorden und natürlich den Elektrikproblemen des Womos, nicht die beste war, haben wir angehalten und wenigstens mal eine sehr kleine Runde durch die schöne Natur gedreht. 

Dann aber weiter zum Elch. Der in seiner ganzen Pracht direkt an der E3 steht. Nicht zu übersehen und zu dieser Jahreszeit auch nicht gut besucht. Abgesehen von ein paar Leuten hatten wir also unsere Ruhe. Da es bestes Wetter war, 19 Grad und strahlender Sonnenschein, konnten wir es uns nicht entgehen lassen und haben vor Ort gekocht und das Essen dann auf einem der Zahlreichen Tische dort genossen. Natürlich mit Blick auf den Elch. Ein sehr gemütlicher Nachmittag. Unsere Pläne für die nächsten Tage stehen auch schon halbwegs fest. Es geht zügig wieder nach Schweden rein und dann immer weiter nach Hause. In Schweden gibt es auch noch schönes zu Sehen, aber wir werden nochmal nach Norwegen kommen. Das Wetter hat uns leider vieles in diesem Land verregnet und so hat sich Schweden für diesen Urlaub als das schönere Land herausgestellt. 

Vom Elch ging es nicht weit bis zum anvisierten Platz für die Nacht. Ein Platz am Rande eines Flusses der meist von Fischern zum parken genutzt wird. Abseits der Straße in wunderschöner Natur gelegen. Die Einfahrt ist etwas abenteuerlich, aber das Womo ist das gewohnt. Den Abend haben wir mit gemütlichen Gesellschaftsspielen verbracht denn es hat wieder angefangen zu regnen. Trotzdem konnten wir noch eine gemütliche Stunde draussen verbringen was uns zur Abwechslung der letzten Wochen, sehr gut getan hat. 

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Donnerstag, 24.9.2020

Erneut war die Nacht stürmisch und es gab starken Regen. Da wir an einer schönen Stelle im Wald standen, die über eine Sandige und Steinige Piste führte, hatte ich um ca 4:30 die Schnauze voll und wir haben uns zum zweiten mal in diesem Urlaub nachts aus Wettergründen von einem Platz verzogen. Auf dem nahegelegenen Rastplatz haben wir uns einfach zwischen die LKW gestellt und hier wenigstens in Ruhe geschlafen. Recht lange sogar denn für heute stand ‘nur’ noch die Fahrt zum ‘Bastnäs’ Auto Friedhof’ auf dem Programm.

Knappe 300km bis rein nach Schweden. Die Fahrt war begleitet von Regen und sehr viel Wind. Soviel das der Wind schon wieder genervt hat. Aber das Womo lief zuverlässig wie eh und je, trotz der Elektrikprobleme mit den Anzeigen in den letzten Tagen. gegen 15:45Uhr ging es kurz vor der Grenze von der E18 auf eine Nebenstraße nach bester Schwedischer Art. Eine Schotterpiste. Aber wir waren ja noch gar nicht in Schweden. Das war aber egal und die Fahrt ging über Stock und Stein bis wir irgendwann an der Grünen Grenze ankamen.

Die Norweger hatten hier zwar überall Warnschilder hingestellt das die Grenze Videoüberwacht ist, gesehen haben wir aber keine. Die Schweden haben gar nichts aufgestellt. Nichtmal ein Landesschild. Der Weg ging dann noch 3km durch den Wald so weiter bis wir an dem Autofriedhof angekommen sind. Und was soll ich sagen, ich bin hin und weg. Soviele Autowracks aus sovielen Epochen des Automobilbaus, habe ich noch auf keine Schrottplatz gesehen, geschweige denn wie hier in der Natur.

Irgendwann mal von irgendjemandem gesammelt, gestapelt und teilweise sogar sortiert. Hier stehen unzählige VW Käfer rum, viele alte amerikanische Straßenkreuzer, alte Volvo P155, Ford Taunus usw. usf. Soviele das wir es kaum glauben konnten und je weiter man in den Wald, der sicherlich mal eine Wiese war als diese Fahrzeuge abgestellt wurden, eindrang, desto mehr Fahrzeuge wurden es. Desto beeindruckender wurde es. Ein Linienbus stand auch mitten drin. Wir hatten ausserdem noch Glück mit dem Wetter. Hatten wir die vergangenen Tage ja quasi nur Regen und Wind, war es hier recht ruhig und …. Sonnig!

Super, wir sind eine ganze Weile zwischen den Wracks durchgelaufen, haben viele Fotos gemacht, noch mehr Eindrücke mitgenommen und sind dann, natürlich nach einem Rundflug mit der Drohne, aufgebrochen in Richtung ‘Berg’. Der Beschluss uns jetzt zum Ende der Reise noch ein paar Ziele in Schweden anzusehen, wurde auf dieser Fahrt gefasst und so steht jetzt die 7-fach Staustufe des Götakanals in Berg auf dem Programm.

Bis dahin sind es aber mal wieder gute 340km die wir heute nicht mehr fahren werden. Aber wir wollten noch ein wenig weiter. Auf der Fahrt zeigte die Aurora App an das man heute aufgrund außergewöhnlich starker Sonnenwinde, sogar hier Nordlichter würde sehen können. Also mussten wir an einen Spot wo man nach Norden gucken kann, der Wettertechnisch möglichst Wolkenfrei sein wird in der Nacht und wo man gut und ruhig stehen kann.

Nach kurzem Studium der Karte kamen 2 Orte in Frage. Der erste war direkt ein Volltreffer. Ein schöner Platz, ein Wanderparkplatz zwar, direkt am See. Vom See aus gab es perfekten Blick nach Norden und hier ist es dank Bäumen rundherum, absolut windstill. Regen ist nicht angesagt und so erwarten wir eine ruhige Nacht. Zum Essen gab es diesmal rustikales. Steak für mich, Würstchen für Alex und dazu nen Salat. Sättigend und lecker. Leider sind die Nordlichter diesmal nicht bis hier gezogen. Trotz guter Prognose haben sie sich sehr schnell überall wieder verzogen. Warum, das wird wohl nur ein Experte beantworten können. Den tollen Platz haben wir trotzdem und so genießen wir einfach den ruhigen Abend ohne nochmal rausgehen zu müssen zu den Mückenplagegeistern die es hier leider wieder gibt. War aber auch irgendwie klar an einem See mit sommerlichen 16 Grad Lufttemperatur um uns rum und kein Wind. 

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Freitag, 25.9.2020

Ein herrlicher Morgen. Endlich mal wieder ohne Regen, ohne Wind, aufgewacht. Alex ist direkt wandern gegangen denn hier am Parkplatz geht ein 5,7km langer Rundwanderweg los. Ich für meinen Teil habe noch ne Stunde geschlafen, hab dann Kaffee gemacht, mich angezogen und hab mich an den See gesetzt. Und während ich so auf Instagram und Facebook rumgestöbert habe, ein neues Bild hochgeladen habe und so auf den See hinaus geblickt habe, kam Alex auch schon zurück.

Gute 2 Stunden war sie unterwegs. Total glücklich kam sie zurück. Duschen, umziehen und dann kam sie mit einem Kaffee zu mir. Wir haben noch eine Weile gequatscht und uns dann auf die Socken nach ‘Berg’ zu der Schleusentreppe des Götakanals gemacht. Die Fahrt war unspektakulär und wir sind irgendwann kurz vor 15 Uhr dort eingetroffen. Da wir keine Ahnung hatten was es hier gibt uns wieviel man laufen kann und muss, haben wir für 30SEK mal ein Parkticket gezogen. Das sind 2 Stunden, die aber mehr als genug waren. Nach gut 45min. schlendern waren wir zurück. Weiterfahren? Oder doch schon was essen. 16 Uhr ist eine gute Zeit für ein gutes warmes Essen und  weil wir eh noch Zeit ohne Ende hatten, gab es Essen. 

Während Alex kochte hab ich mir aus dem Fenster bei angenehmen 17 Grad ein wenig die Gegend angesehen. 

Nach dem Essen ging es weiter. Nur 80km in die Nähe von ‘Vimmerby’ (Wo Astrid Lindgren aufgewachsen ist und gewohnt hat) zur ‘dicksten Eiche Europas’. Die Eiche ist zwischen 900 und 1000 Jahre alt lt. der Tafeln die dort angebracht sind. Sie hat einen Stammumfang von 14 Metern und liegt leider im sterben. Allerdings nicht bedingt durch Klimawandel, sondern weil der Mensch die Eiche schützen wollte und ihr dadurch geschadet hat.

Ein Metallband was mal angebracht wurde um die Eiche am auseinanderbrechen zu hindern, hat für einen Nährstoffmangel in den Zweigen gesorgt. In Folge dessen sind Blätter abgefallen und die Eiche konnte noch weniger Nährstoffe verarbeiten. Dann sind deswegen Wurzeln abgestorben und es gab wieder weniger Nährstoffe. Ein Teufelskreis dem die Wissenschaftler zwar mittlerweile entgegen arbeiten, aber ob das sterben noch aufzuhalten ist, ist leider fraglich. Aus dem Grund darf man aber nicht mehr an die Eiche ran. Dort wurden bewusst Flechten angesiedelt die dem Baum helfen. Auch wurde der Boden aufgelockert und durch gezieltes mulchen soll die Nährstoffversorgung wesentlich verbessert werden. Das Metallband ist mittlerweile auch weg und ersetzt worden durch eine Konstruktion aus einem Stahlseil und Befestigungsösen. Das soll den Nährstofftransport nicht mehr beeinflussen. Hoffen wir das die Eiche es schafft. Ein beeindruckender Baum auf jeden Fall.

Da es jetzt schon 18:30 Uhr war, und es langsam aber sicher dunkel wurde, war es an der Zeit einen platz für die Nacht aufzusuchen. Ich hatte im Vorfeld schon einige Plätze rausgesucht die wir jetzt der Reihe nach angefahren sind. Der erste Platz war zwar ok, aber langweilig. So sind wir zum zweiten Platz. Der ging vorbei am dritten Platz, einem Fischerplatz der sehr gemütlich am See zwischen den Bäumen angelegt ist. Der zweite Platz hatte eine Schranke und war Privatbesitz so das wir uns für den Fischerplatz entschieden. Eine Position war schnell gefunden und einmal mehr habe ich mich über meine Auffahrbretter gefreut mit denen ich mir modular in der Höhe variable Keile bauen kann.

So stehen wir jetzt auch hier auf dem unebenen Gelände ziemlich gerade. Gegessen hatten wir schon, also rein, Heizung an und gut gehen lassen. Der Platz war zwar schön, aber draussen sitzen war trotzdem nicht angesagt, denn Regen war mal wieder gemeldet. Da ich eh noch duschen wollte, hab ich das jetzt erledigt und wir haben uns dann gemütlich an den Tisch gesetzt und 2 Runden ‘Istanbul’ gespielt. Ein ruhiger Abend insgesamt und wir hoffen mal das es morgen früh trocken ist. Dann gibts mal wieder Kaffee am See.

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Samstag, 26.9.2020

Wir haben sehr gut geschlafen und sind von der Sonne die über den naheliegenden See gestrahlt hat, geweckt worden. Ein toller morgen, angenehm warm war es in der Sonne und so konnte es mal wieder Kaffee draußen in der Natur geben. Direkt am See mit Blick in die Natur. In der Nacht hat es stark geregnet, um so mehr Glück habe ich Trottel gehabt, das wir unter Bäumen standen die das meiste davon abgehalten haben. Denn ich habe eine Außenklappe des Womos offen gelassen.

Irgendwann nach ein paar Kaffee haben wir alles zusammengepackt und uns auf die lange Rückreise nach Deutschland gemacht. Mehr als 650km stehen bis zur Grenze auf dem Navi. Und da wir aufgrund der Corona-Risiko-Bewertung von Dänemark, dort nicht anhalten wollten, müssen wir komplett durch. Das Wetter hat mitgespielt und die Fahrt war angenehm und um ca 18:30Uhr haben wir die Deutsche Grenze passiert. Sowohl an der Schwedisch-Dänischen als auch an der Dänisch-Deutschen Grenze gab es keinerlei Kontrollen. Unser Ziel war ein Supermarkt um wieder Deutsches Bier in den Kühlschrank füllen zu können und außerdem eine Dönerbude weil Alex Heißhunger auf Pommes hatte.

Die 16 Euro die wir dort ausgegeben haben, sind übrigens das einzige Bargeld was wir im kompletten Urlaub gebraucht haben. Die Tankstellen mit den Kartenautomaten direkt an der Zapfsäule werde ich auf jeden Fall vermissen. Das ist komfortabel und schnell. In vielerlei Hinsicht ist Deutschland ein absolutes Entwicklungsland wenn man in Schweden und Norwegen war. Aber es ist sehr schön wieder auf einer ordentlich ausgebauten Autobahn zu fahren. Die Landstraßen auf denen man sich im Norden ja ausschließlich bewegt, nerven irgendwann schon gewaltig wenn man Meter machen möchte. Dafür kann man sich aber in Ruhe die Landschaft angucken und auch genießen. 

Wir stehen jetzt für die Nacht auf einem Pendlerparkplatz direkt an der Autobahn, von der man hier allerdings nichts mitbekommt. Das reicht für den Transit und morgen früh gehts weiter nach Hause. Ich denke morgen am späten Nachmittag werden wir nach 22 Reisetagen und ca 9500km wieder zu Hause sein.

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Sonntag, 27.9.2020

Die Nacht war ruhig und der Parkplatz wurde später noch von anderen Campern genutzt. Wir haben gut geschlafen und sind nach dem aufstehen recht zügig losgefahren. Die letzten 621km stehen auf der Uhr. Auf Facebook haben wir aber morgens noch einen Post von einem Bekannten gesehen der mit einem neuen Womo in Hamburg war. Ein Treffen bietet sich an und so haben wir natürlich Kontakt aufgenommen. 200km hinter Hamburg auf dem Weg nach Hause, haben wir es dann auf einem Parkplatz auch geschafft. Das erste Wiedersehen mit Menschen aus der Heimat fand damit 300km entfernt statt.

Aber die letzten Km sollten dann auch noch problemlos abgespult werden. Ich wollte ohne einen weiteren Tankstopp nach Hause kommen, aber so ganz hat das nicht funktioniert. In Frechen, also gut 45km vor dem Ziel, musste der Ersatzkanister den ich immer dabei habe, dann doch eingefüllt werden. Kein Problem weil der eh in den Tank sollte, denn ich lagere keine vollen Kanister Diesel über lange Zeit. Diesel zieht Feuchtigkeit an und bildet dann leider Bioschleim und wird damit unbrauchbar und sogar gefährlich für Motoren bzw. die Filter. Auch deswegen stelle ich das Womo immer nur randvoll betankt ab. Das erledige ich alles morgen, bis nach Hause haben wir es damit dann easy geschafft.

Um ca. 17:30 Uhr sind wir dann auch wirklich angekommen.

9602km lang war unser Trip. WOW, ich selber habe im Vorfeld mit 8500km kalkuliert, aber fast 10.000km sind schon echt ne Hausnummer. In den nächsten Wochen muss nun das Womo wieder aufbereitet werden, der Reisebericht mit Fotos versehen werden und natürlich die Stunden an Videomaterial gesichtet werden und letztlich Videos draus gemacht werden.

Es war ein toller Trip und ich hoffe euch hat dieser Reisebericht gefallen und inspiriert. Wir werden sicherlich irgendwann nochmal eine Tour nach Norwegen machen, dann aber eher im Sommer und auch nach Schweden, das aber dann durchaus auch noch später im Jahr, so das insbesondere auch die Nordlichter noch intensiver werden. In beiden Ländern gibt es noch soviel zu sehen das man damit viele viele Urlaube füllen kann.

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Fazit:

Eine Reise mit fast 10.000km in nur 3 Wochen. Eigentlich Wahnsinn, und so ist es auch. Wir haben wahnsinnig tolle Natur gesehen, wir haben tolle Orte gesehen, wir haben den Nördlichsten Punkt Europas gesehen und wir haben tolle Menschen kennengelernt. Insgesamt hat es sich absolut gelohnt. Aber man muss schon eine Menge Spaß am Autofahren haben für so eine Reise und bisweilen fällt einem auch die Decke auf den Kopf. Insbesondere wenn man wie wir, teilweise sehr sehr schlechtes Wetter hat und das Tagelang. Wenn man also aus dem Womo nicht mehr raus kommt, auch nicht am Nachtlagerplatz. Nichtmal morgens für nen Kaffee in der Natur. Dann nervts irgendwann wirklich.

Das war auch einer der Gründe warum wir Norwegen dann letztlich wieder verlassen haben, noch bevor wir alle Ziele angesteuert hatten. Der nächste Trip geht definitiv wieder in die Sonne und wird weniger Fahren und mehr Chillen beinhalten. Norwegen und insbesondere auch Schweden werden wir uns aber irgendwann nochmal angucken. Der Süden von Norwegen ist sicherlich im Spätsommer eine absolute Reiseempfehlung. Leider haben wir dann nicht mehr den Corona-Vorteil der geringen Touristenmengen, aber einen Tod muss man ja immer sterben.

Das soll aber nicht bedeuten das der Roadtrip frustrierend war. Ganz im Gegenteil, wir haben wunderschöne Natur gesehen. Tolle Tiere die wir noch nie gesehen haben, insbesondere noch nicht in freier Wildbahn. Wir sind durch so atemberaubende Landschaften gefahren das man nicht mehr weiß wohin man gucken soll und Alex zum Lesen nur Abends gekommen ist. Bei der Fahrt ging es einfach nicht. Zuviel hätte sie verpasst. Tollste Herbstfarben, weite Landschaften, Hohe Berge und tiefe Täler. Kleine Bäche und reissende Flüße, es war alles dabei.

Noch ein paar Facts:

  • Um diese Jahreszeit braucht man kein Boot um mal ein wenig zu paddeln.
  • Man sollte einen Grillrost dabei haben um die Feuerstellen als Grill nutzen zu können.
  • Lieber vor dem Nordkap übernachten als am Kap. Billiger und viel viel schöner!
  • Mit dem E-Auto zum Kap ist kein Problem – Mit Wohnwagen schon, geht aber auch mit Zeit und Leidensfähigkeit.
  • Müll entsorgen ist in Schweden ein Problem, in Norwegen dagegen keines.
  • Die WC Kassette entleeren ist in Schweden und Norwegen kein Problem.
  • Frischwasser ist in Schweden gar kein Problem und in Norwegen auch nicht wirklich.
  • Weder in Schweden oder Dänemark noch in Norwegen haben wir Bargeld gebraucht. Das einzige Bargeld haben wir an einer Imbissbude in Deutschland gebraucht am Tag der Rückkehr.

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Statistiken:

  • 9602 km Fahrtstrecke
  • 22 Tage Reisezeit
  • 4 Länder
  • 1062 Liter Diesel verbraucht
  • 0,99 €/Liter preiswerteste Tankstelle
  • 1,57 €/Liter teuerste Tankstelle
  • 2536,21€ Gesamtausgaben
  • 1300,73€ für Diesel
  • 183,60 € Mautgebühren
  • 4 Fährfahrten
  • 77,59 € Fährgebühren
  • 23,7 LPG verbraucht
  • ca. 390 L Frischwasser verbraucht (ohne Neubefüllung)
  • 815 km Längste Tagesetappe (Tag 2)
  • 1,5L Motoröl verbraucht
  • 0 Euro Bargeld ausserhalb Deutschlands benutzt
  • 21 km gewandert
  • 7 Videos bei Youtube hochgeladen
  • 3190 Fotos gemacht
  • ca 16,5 Std Videomaterial gesammelt

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